Erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose

14. April 2003, 11:18
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... bei Menschen mit vielen Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus (Bild)

London - Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) erhöht deutlich das Risiko für Multiple Sklerose (MS). US-Forscher der Universität Harvard fanden in einer Studie heraus, dass Menschen mit besonders vielen Antikörpern gegen EBV ein über 30-fach erhöhtes Risiko haben, an dem unheilbaren Nervenleiden zu erkranken. Bereits zuvor hatten Untersuchungen ergeben, dass MS-Patienten hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen EBV haben. Ob erhöhte Antikörper-Werte jedoch auch die MS-Gefahr verstärken, war bisher nicht untersucht worden.

Das Epstein-Barr-Virus ist eine Art des Herpes-Virus und kann Mononukleose auslösen, auch bekannt als Pfeiffer'sches Drüsenfieber oder Studentenfieber. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem Erreger und bilden dagegen Antikörper.

Studienergebnisse

Die Harvard-Forscher verglichen Blutproben von 83 Personen, die später an MS erkrankten, mit denen von 166 Vergleichspersonen. Alle späteren MS-Patienten und 96 Prozent der Kontrollgruppe hatten Antikörper gegen EBV. Bei den 83 späteren Patienten waren die Antikörper-Werte jedoch besonders hoch. Sie erkrankten im Durchschnitt vier Jahre nach der Blutentnahme, was auf eine Verzögerung zwischen EBV-Infektion und dem Beginn der Multiplen Sklerose hindeutet, wie das "British Medical Journal" berichtet.

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems, bei der der Stoff Myelin, der die Nervenfasern umhüllt, allmählich zerstört wird. In Österreich leiden rund 8.000 Menschen an der Krankheit, ein Heilmittel gibt es bisher nicht. Die US-Forscher vermuten, dass Menschen mit besonders vielen Antikörpern gegen EBV ein hohes Risiko haben, möglicherweise weil die Abwehrzellen, die das EB-Virus angreifen, sich später auch gegen das Myelin wenden. (APA/AP)

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