Ehrung einer Gegenstimme

11. April 2003, 12:13
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"Ein Fest für Fred Wander", den neuen Preisträger der Theodor Kramer Gesellschaft

Krems - Der von der Theodor Kramer Gesellschaft seit 2001 jährlich verliehene Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil wurde in diesem Jahr Fred Wander zugesprochen. Unter dem Motto "Ein Fest für Fred Wander" wird der 86-jährige Schriftsteller am Freitag, dem 25. April, in der Minoritenkirche Krems/Stein gewürdigt. Bei der Preisverleihung werden Gedichte von Theodor Kramer in neuen Vertonungen von Erwin Schmidt zu hören sein. Miguel Herz-Kestranek wird aus dem Werk Fred Wanders lesen.

Der mit 7.300 Euro dotierte Theodor-Kramer-Preis wird vom Land Niederösterreich, der Stadt Wien und der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes gefördert. Bisherige Preisträger waren Stella Rotenberg, Alfredo Bauer und Fritz Kalmar. Die feierliche Verleihung findet in Zusammenarbeit mit dem Unabhängigen Literaturhaus (ULNÖ) und dem NÖ Donaufestival am Freitag, dem 25. April, in Krems statt.

Lebensweg

Wander wurde 1917 als Fritz Rosenblatt in Wien geboren. Nach der Annexion Österreichs gelang ihm die Flucht nach Frankreich, wo er interniert wurde. Bei einem Fluchtversuch in die Schweiz 1942 wurde er von der Schweizer Polizei an die Gestapo ausgeliefert, ins Lager Rivesaltes überstellt und nach Auschwitz, wo die Eltern und eine Schwester ermordet wurden, später nach Groß-Rosen und Buchenwald deportiert.

Nach der Befreiung im April 1945 kehrte Wander nach Wien zurück, wo er der KPÖ beitrat und als Zeichner, Fotograf, Reporter, Essayist und Feuilletonist arbeitete. Ab 1955 lebte der Autor mit seiner Frau, der aus Wien stammenden Schriftstellerin und Fotografin Maxie Wander (1933-77), in der DDR. Seit 1983 ist Wander wieder in Wien daheim.

Selbstfindung in der Fremde

"Mein Thema ist das Überleben": Flüchtlinge, Andersartige, Außenseiter, Missachtete, Gehasste bevölkern das literarische Geschehen in Wanders Büchern. Schwerpunkt ist aber auch die Selbstfindung in der Fremde und Anonymität. Zu Wanders Hauptwerken zählen der Roman "Hotel Baalbek", die Erzählungen "Ein Zimmer in Paris" und "Der siebente Brunnen", die Theaterstücke "Josua lässt grüßen" und "Der Bungalow", die Reise-Impressionen "Holland auf den ersten Blick" und der Erinnerungsband "Das gute Leben". Da Wanders Bücher in der DDR erschienen waren, blieben sie in Österreich lange Zeit unbeachtet.

Im Unabhängigen Literaturhaus NÖ, wo ebenfalls am 25. April (18.00 Uhr, Eintritt frei) eine Dokumentation zur Emigrationszeit des Schriftstellers Albert Drach eröffnet wird, präsentiert der Filmclub Drosendorf am 26. April um 11.00 Uhr den Streifen "Eine Reise nach Genf" von Irene Loebell. Am anschließenden Gespräch werden Loebell, Wander und der Historiker Robert Streibel teilnehmen.

Theodor Kramer

Der 1897 in Niederhollabrunn geborene Schriftsteller Theodor Kramer, den Carl Zuckmayer einst als "stärksten Lyriker Österreichs seit Georg Trakl" bezeichnete - ist in Wien aufgewachsen und musste als Jude 1939 vor den Nationalsozialisten fliehen. 18 Jahre lang lebte er im englischen Exil, wo er sich in Sehnsucht nach seiner österreichischen Heimat verzehrte. Zum Sterben kehrte er 1957 zurück.(APA)

Theodor Kramer Preis 2003 an Fred Wander: Krems, Minoritenkirche, 25.4., 20.00 Uhr, Eintritt frei

ULNÖ
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