Faszination Gift: "Agatha Christie als Pharmazeutin" in Leipzig

14. April 2003, 21:27
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Leipzig - Agatha Christie war wie im Leben auch in der Wahl ihrer literarischen Mordinstrumente "very british". Die wohl erfolgreichste Krimiautorin (1890-1976) aller Zeiten bekannte einmal: "Gift übt eine gewisse Faszination aus. Es hat nicht die jähe Brutalität der Revolverkugel oder einer blanken Waffe." Die in ihren 66 Romanen und 148 Kurzgeschichten verübten rund 70 Giftmorde haben das Sächsische Apothekenmuseum in Leipzig zu der Sonderausstellung "Arzneimittel in tödlichen Dosen - Agatha Christie als Pharmazeutin" angeregt. Die kleine, aber feine Schau ist bis 13. Juli geöffnet.

"Anliegen der Schau ist Aufklärung und zugleich Unterhaltung. Das Thema bietet sich für unser Museum einfach an", sagt Susanna Seufert, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Sächsischen Apothekerverband. Im Kontext mit Werk und Biografie der Krimiautorin erfährt der Besucher anhand von Schrifttafeln, Bildern, Apothekengefäßen und diverser Gerätschaften Erstaunliches über die ambivalente Wirkung von Pflanzen als Gift und Heilmittel - und über die eher unbekannten Seiten von Agatha Christie.

Reale Grundlage

Zum Beispiel, dass die von der Krimiautorin ausgedachten und beschriebenen Giftmorde keine Fantasiegebilde ohne reale Grundlage sind. "Agatha Christie hat richtig in einer Apotheke gearbeitet, heute wäre sie nach ihrer Ausbildung Apothekenassistentin", erzählt Seufert. In beiden Weltkriegen hat die Britin als freiwillige Rot-Kreuz-Krankenschwester alles in allem sechs Jahre in Spitalapotheken gearbeitet. Zeitweise soll sie sich dabei, so die Legende, ziemlich gelangweilt und beschlossen haben, Krimis zu schreiben.

"Auf den Regalen rund um mich standen Gifte, und so war es vielleicht nur natürlich, dass ich einen Giftmord ins Auge fasste", sagte sie selbst. So stirbt in ihrem ersten Krimi "Das fehlende Glied in der Kette" (1920) das Mordopfer an einer Vergiftung mit Strychnin. Und auch in einem ihrer letzten, 1974 veröffentlichten Roman geht es um Giftmord. In mehr als 50 Jahren schriftstellerischer Arbeit beschrieb Christie mit geradezu wissenschaftlicher Genauigkeit Symptome und Anwendung von Giften wie Arsen, Morphin, Chlor, Strychnin und Thallium.

Blausäure

Ganz oben auf der Liste der von Agatha Christie verwendeten Gifte aber stand Blausäure. Mit Blausäure und deren Salzen (Zyankali) lässt sie 13 Mal morden. In dem Roman "Die Pralinenschachtel" (1924) beantwortet ein Arzt die entsprechende Frage einer Giftmörderin in spé so: "Reine Blausäure wäre am geeignetsten." Schon im alten Ägypten, so ist in der Schau zu erfahren, dienten Pfirsichkerne, die wie andere Obstkerne auch Blausäure enthalten, als Mittel zur Hinrichtung. (APA/dpa)

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