"Wirtschaftsflaute geht unter die Haut"

11. April 2003, 20:29
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Imas-Umfrage: Jeder Zweite spürt die Flaute - Konsumverhalten massiv beeinflusst

Linz - "Die Wirtschaftsflaute geht der Bevölkerung tief unter die Haut und hinterlässt Spuren in den Kaufgewohnheiten" - Diesen Schluss zieht das Linzer Meinungsforschungsinstitut "Imas" aus den am Freitag veröffentlichten Ergebnissen seiner jüngsten Umfrage. Demnach berichtete rund jeder zweite Österreicher, dass er Auswirkungen der verschlechterten Wirtschaftslage spüre und dass dies auch sein Konsumverhalten beeinflusse.

Die Umfrage wurde Ende März/Anfang April bei 900 repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ausgewählten Personen ab 16 Jahren durchgeführt. Dabei gaben 52 Prozent an, die verschlechterte Wirtschaftslage habe sich bereits auf die persönliche Lebenslage beziehungsweise die des engeren Familienkreises ausgewirkt. Nur etwa jeder dritte Erwachsene konnte behaupten, von der eingebremsten Konjunktur noch nichts verspürt zu haben. 13 Prozent machten keine Angaben.

"Stimmungsbild ist düster"

"Das jetzt registrierte wirtschaftliche Stimmungsbild ist das mit Abstand düsterste in den letzten zehn Jahren", zieht Imas einen Vergleich mit früheren Umfrageergebnissen. Die beste Stimmung gab es im Herbst 1992, damals fühlten sich nur 21 Prozent von einer schlechten Wirtschaftslage betroffen.

Die derzeitige Gefühlslage drückt sich auch im Konsumverhalten der Österreicher aus: 42 Prozent vergleichen verstärkt die Preise zwischen den verschiedenen Geschäften. 37 Prozent halten in den Geschäften bewusst Ausschau nach billigeren Waren. 29 Prozent kaufen bewusst nur mehr in "billigeren" Supermärkten oder Geschäften. 21 Prozent kaufen nach eigener Auskunft grundsätzlich weniger und verzichten auf bestimmte Produkte oder Anschaffungen. 15 Prozent suchen intensiv in den Zeitungen oder Zeitschriften nach günstigen Preisangeboten. Wie sehr sich die persönliche Betroffenheit von der Wirtschaftsflaute auf das Konsumverhalten auswirkt, zeigt sich besonders deutlich bei der Kombination der Umfragedaten. Beispielsweise stellt von jenen, die die Krise verspürt haben, jeder Zweite Preisvergleiche an - von der übrigen Bevölkerung macht das hingegen nur rund jeder Dritte.

ebremste Konsumlust

Kein Zweifel besteht für die Meinungsforscher daran, dass die gebremste Konsumlust mit den begrenzten finanziellen Möglichkeiten größerer Bevölkerungsgruppen zusammenhängt. Denn bei der Frage, woran es denn liege, dass die Österreicher jetzt weniger einkaufen, antworteten 49 Prozent mit: "Weil das Geld knapp geworden ist und man sich einschränken muss". Immerhin auch noch 38 Prozent begründeten die Zurückhaltung beim Konsum mit "weil man sich mit dem Euro noch immer etwas schwer tut und noch nicht das richtige Gefühl für den Wert des neuen Geldes hat". Exakt jeder Dritte argumentiert damit, dass man "wegen der Weltlage Angst vor der Zukunft hat und für schlechte Zeiten eine Geldreserve anlegen möchte". Die angebliche Tendenz zur "neuen Bescheidenheit" oder der immer wieder ins Treffen geführte "Besitzüberdruss" spielten bei der Umfrage eine untergeordnete Rolle: 22 Prozent erklärten die Konsum-Askese damit, dass "man eigentlich schon so ziemlich alles besitzt, was man benötigt", gar nur 17 Prozent meinten, "weil man ganz allgemein genügsamer geworden ist".(APA)

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