Problemlos zwölfmal tot

19. März 2010, 20:37
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Die beste Buddhismus-Werbung aller Zeiten!

Zuletzt war Earl nicht in Form. Sicher: Man erfährt Intimes, etwa dass Earls Bruder Randy, mit dem Earl ein Bett teilt, zwölfmal pro Nacht aufhört zu atmen, also ebenso oft tot ist, was Earl eine gewisse schlaflose Sorge bereitet. Und zwischendurch wird von einem leichtgläubigen Pfarrer erzählt, der in einen Käfig stieg, um einen atheistischen Gorilla zu taufen.

Ansonsten: Earl und Randy landen irgendwie im TV, werden ein bisserl bekannt und kommen in Konflikt, da man dem etwas intelligenzresistenten Randy einredet, dass Earl ihn hintergangen hat. Am Ende ist alles gut. Randy darf Earl mit der unsanften Schnurtechnik einen Zahn ziehen. Ja, für Earl-Verhältnisse etwas zu normal. Allerdings: Es sollte dieser kleine Durchhänger niemanden daran hindern, weiter zu verfolgen, wie Earl die Liste seiner üblen Taten abarbeitet. Man muss wissen: Earl war einst kleinkriminell. Nachdem er mit einem Rubbellos 100.000 Dollar gewinnt, selbiges jedoch verliert, da ihn ein Auto anfährt, landet er im Spital und beginnt, vom TV inspiriert, an Karma zu glauben.

Sodann wird besagte Liste angelegt, und Earl versucht fortan Gutes zu tun, wofür er auch Zeit hat. Das geldbringende Los hat er ja wiedergefunden. Dies hat seinen Karma-Glauben übrigens nur gestärkt, und dies war auch nötig. Denn das Leben ist recht fies zu Earl, macht aus ihm ein Genie des Scheiterns, einen modernen Sisyphos. Dessen sonniges Gemüt, wie es sich für eine Serienfigur gehört, bleibt indes unbeschädigt. Die beste Buddhismus-Werbung aller Zeiten! (Ljubiša Tošić/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2010)

  • Randy und Earl
    foto: orf/rtl/karen neal

    Randy und Earl

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