Die Kirche in der Glaubenskrise

19. März 2010, 18:20
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Mehrheit für Abschaffung des Pflicht-Zölibats

Die katholische Kirche trägt derzeit schwer am eigenen Kreuz. Davon zeugt auch eine aktuelle Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes Market. Demnach glauben 74 Prozent der Befragten nicht, dass die Kirche alles daran setze, sämtliche Vorwürfe lückenlos aufzuklären. Knapp vier Fünftel (79 Prozent) der Österreicher sind davon überzeugt, dass aufgrund der jüngst bekanntgewordenen Missbrauchsfälle die Glaubwürdigkeit und damit die Stellung der katholischen Kirche geschwächt sei. 17 Prozent der Befragten halten die Stellung der Kirche in der Gesellschaft für "etwas geschwächt", zwei Prozent halten sie für "eher weniger geschwächt". Niemand hat in der Umfrage angegeben, dass die Kirche durch die Vorwürfe "nicht geschwächt" wurde.

Für die Umfrage wurden am 17. und 18. März insgesamt 704 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählte Personen ab 15 Jahren interviewt.

Dass die Vorfälle für die Kirche zum schweren Aderlass werden könnten, zeigt die Frage nach den Austritten. Nahezu jedes zweite Mitglied überlegt den Austritt. Davon haben 30 Prozent bereits vorher mit diesem Gedanken gespielt, weitere 17 Prozent denken aufgrund der aktuellen Vorwürfe daran. Die Forderung nach zeitgemäßer Haltung zur Sexualität und Abschaffung des Pflicht-Zölibats für Priester sowie nach besserem Eingehen auf Beschwerden werden ebenfalls von der Mehrheit unterstützt. (mro/DER STANDARD, Printausgabe, 20./21.3.2010)

 

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