Swing ist fast wie Tofu

19. März 2010, 18:19
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Swing ist in: Sängerin Robin McKelle gastiert in Wien und zeigt, dass man auch mit alter Musik modisch sein kann

Swing hat ein bisschen etwas von Tofu. So wie das eine (auch) als Fleisch für Nichtfleischesser gilt, so geht der Jazz der 1930er-Jahre dank süffiger, melodiefreudiger Soli und eleganter rhythmischer Verve auch Jazzabstinenzlern ins Ohr, animiert er selbst Saxofon-allergiker zum Mitwippen.

Dass Swing heute wieder zunehmend in ist, das hat mit einem jüngeren (Robbie Williams) und vor allem mit älteren Popsängern (Rod Stewart, George Michael) zu tun, die sich in den späten 1990ern im Bemühen um Image-Relaunch und Zielgruppenerweiterung dem Feld gepflegter musikalischer Nostalgie zuwandten.

Mittlerweile hat längst eine neue Generation von Jazzsängerinnen und -sänger die Musik für sich wiederentdeckt: In Deutschland stürmt Roger Cicero die Pop-Hitparaden. Und in Frankreich sind US-Sängerinnen wie die (in England lebende) Stacey Kent und Robin McKelle höchst erfolgreich.

Vor allem die 33-jährige McKelle aus Rochester, New York, gilt als Aushängeschild der Neo-Swing-Welle, seit sie mit ihrem zweiten Blue-Note-Album Modern Antique (2008) Publikum und Kritikerschaft gleichermaßen in Verzückung versetzt hat. Nuancenreich und körperhaft, mit leicht souligem Touch geriert sich ihre Altstimme, die jeden Ton mit Bedeutung, Spannung aufzuladen versteht:

Ja, die quicklebendige rotgelockte Chanteuse scheint zur raren Spezies jener Jazzvokalistinnen und -vokalisten zu gehören, denen es gelingt, Standards von Lover Man bis Lullaby Of Birdland zu personalisieren, als würden sie damit aus dem eigenen Leben erzählen. Selbst ein Tribut an den jazzigen Zeitgeist, eine Version von Abracadabra, dem 1982er-Hit der Steve Miller Band, fügt sich da organisch in ein überzeugendes Gesamtbild ein.

Im Porgy & Bess werden sich die gekonnt auffrisierten Standards wohl mit dem eher R-'n'-B-orientierten Programm des soeben in Frankreich erschienenen neuen Albums Mess Around mischen. (Andreas Felber, DER STANDARD/Printausgabe, 20./21.03.2010)

22. 3., Porgy & Bess, 1., Riemergasse 11, 01/512 88 11, 20.30

Link:
www.porgy.at

  • Verzückt mit altem Stil, Jazzsängerin Robin McKelle.
    foto: porgy

    Verzückt mit altem Stil, Jazzsängerin Robin McKelle.

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