Mexiko will im Krieg gegen die Drogenbanden Unterstützung von den USA
Mexiko-Stadt/Wien - Die Regierung in Mexiko-Stadt hat einen Schuldigen für die eskalierende Gewalt der Drogenbanden in ihrem Land gefunden, die allein im vergangenen Jahr 7000 Mexikaner tötete. "Die Gewalt, die auf Ciudad Juárez niederstürzt, hat ihren Ursprung im Drogenkonsum in den USA und in den Waffen, die aus diesem Land nach Mexiko gelangen" , sagte der mexikanische Präsident Felipe Calderón bei einem Besuch in der Stadt, die vergangenes Wochenende Schauplatz von Feuergefechten war. Die Bekämpfung der Mafia müsse künftig zu einer "gemeinsamen Aufgabe" beider Staaten werden.
Mit seinen Aussagen manövriert Calderón gefährlich zwischen diplomatische Klippen hindurch. Denn in Ciudad Juárez waren auch Angehörige des US-Konsulates erschossen worden. Präsident Barack Obama sei "empört" über die Morde, hieß es aus dem Weißen Haus. Washington schickt zur Aufklärung nun eigene Beamte des FBI und der Drogenbehörde DEA nach Mexiko.
Die US-Regierung finanzierte bereits Ausrüstung und Ausbildung mexikanischer Sicherheitskräfte. In den letzten zwei Jahren überwiesen die USA im Rahmen der "Meridá-Initiative" zur Drogenbekämpfung etwa eine Milliarde Euro an Mexiko.
Zum Schutz vor dem ausufernden Drogenkrieg verstärken die USA beständig ihre Grenze zu Mexiko. Seit 2005 arbeiten die Amerikaner an einer vollständig elektronischen Überwachung durch Kameras und Radargeräten. Der Bau des "virtuellen Zaunes" musste jedoch nach Betriebspannen gestoppt werden. US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano erwägt nun den Einsatz von Predator-Drohnen an der Grenze, wie sie die Regierung auch in Afghanistan einsetzt.
Gescheiterte Strategie
Einst war die Bekämpfung der Gewalt auf den Straßen das zentrale Wahlkampfversprechen des mexikanischen Präsident Felipe Calderón. Die Regierung hat seit seiner Amtsübernahme ihre Mittel im Drogenkrieg vervielfacht. Rund 45.000 Armeesoldaten setzt Mexiko der Eskalation der Gewalt auf Mexikos Straßen entgegen.
Gegen die Stärke der Kartelle, die im Jahr geschätzte 15 Milliarden Dollar durch den Drogenschmuggel verdienen, kommt die Regierung in Mexiko-Stadt jedoch kaum an. Die Politik der "Enthauptung" der Verbrecherbanden durch gezielte Verhaftung der Bosse führte nicht zur Zerschlagung der Kartelle. Häufig waren blutige Diadochenkämpfe unter den "Juniorchefs" die Folge - auf offener Straße.
Ursache für die Eskalation der Gewalt und die Macht der Banden sind auch soziale Probleme. Dem mexikanischen TV-Publikum wird fast täglich der unglaubliche Reichtum der Dealer gezeigt, die bei ihrer Verhaftung dicke Bündel Geldscheine und teure Uhren bei sich haben, und zur Gerichtsverhandlung mit Autos der Marke Hummer vorfahren. "Man muss nicht Soziologie studiert haben, um zu verstehen, welche Auswirkungen solche Bilder in einem Land haben, in dem 250.000 Jugendliche weder an den Universitäten noch am Arbeitsmarkt Platz finden" , schrieb ein Kommentator der spanischen El País.
Der Drogenhandel schadet der Wirtschaft in Mexiko. Kanada hat seinen Bürgern bereits empfohlen, Mexiko nur zu besuchen, wenn es "unbedingt notwendig" sei. Im vergangenen Jahr war die Zahl der US-Besucher in Mexiko um 60 Prozent gesunken. Nach den Schießereien am vergangenen Wochenende wird der Zustrom der Studenten während des "Spring Break" - den Frühlingsferien der US-Universitäten - wohl noch deutlich magerer ausfallen. (Alexander Fanta/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2010)