Abstimmung am Sonntag

Now or never für Obamas Gesundheitsreform

19. März 2010, 17:32

Am Sonntag will das Repräsentantenhaus über die lang erwartete Reform abstimmen - Das Ergebnis könnte für Präsident Obama entscheidend sein

Washington - "Now or never" heißt es aus Regierungskreisen für das Gesetz, das der US-Senat bereits zu Weihnachten verabschiedet hatte. Am Donnerstagnachmittag stellte die Fraktionsführung der Demokraten den Entwurf ins Internet, womit sie zum Finale läutete. Nach den geltenden Regeln kann 72 Stunden nach Veröffentlichung des Textes über selbigen abgestimmt werden.

Nach wie vor ist jedoch völlig offen, ob es eine Mehrheit für Barack Obamas wichtigstes innenpolitisches Vorhaben gibt. Jene 216 Stimmen, von denen ganz Washington spricht wie von einer magischen Zahl. Ein paar Zweifler konnte der Präsident, der seit Tagen intensive Gespräche mit schwankenden Abgeordneten führt und dafür eine geplante Asienreise verschob, mittlerweile für sich gewinnen. So avisierte Dennis Kucinich, von Obama zu einem Flug in der Air Force One eingeladen, dass er nun doch mit Ja stimmen wird. Kucinich hatte die Reform von links kritisiert und sie ursprünglich abgelehnt, weil in ihrer aktuellen Fassung die von ihm favorisierte staatliche Krankenkasse als Alternative zu privaten Anbietern fehlt. Jetzt wirbt er für ihren Erfolg. "Wenn sogar ich zustimmen kann, dann sollten nicht mehr viele dagegen sein."

Bestärkt fühlen sich die Befürworter der Novelle auch durch eine aktuelle Studie des parlamentarischen Budgetbüros. Auf lange Sicht, rechnen die Zahlenexperten vor, trägt die Reform dazu bei, den Schuldenberg abzubauen. Zwar schlägt sie mit 940 Milliarden Dollar zu Buche, weil 32 Millionen bislang nicht versicherte US-Bürger erstmals in den Gesundheitsschutz einbezogen werden. Sie dürfte jedoch die Kostenlawine in Arztpraxen und Kliniken so spürbar abbremsen, dass sie in den ersten zehn Jahren 138 Milliarden Dollar an Einsparungen bringt, in der zweiten Dekade sogar 1,2 Billionen Dollar. Obwohl die Expertenanalyse nicht mehr sein kann als eine vage Hochrechnung, hat sie Gewicht, zumal das politisch strikt neutrale Budgetbüro über Parteigrenzen hinweg einen exzellenten Ruf genießt.

Dass die Republikaner dennoch erbitterten Widerstand leisten, daran hat ihr Fraktionschef im Abgeordnetenhaus keinen Zweifel gelassen. "Wir werden alles in unseren Kräften Stehende tun, um sicherzustellen, dass dieses Gesetz nie und nimmer durchkommt" , betont John Boehner. Damit hängt es allein von den "blue dogs" genannten, fiskalisch konservativen Demokraten ab, die angesichts der Rekorddefizite der USA alles ablehnen, was kurzfristig die Schuldenlast erhöht, selbst wenn sich der Trend langfristig umkehren kann. Ob diese sich umstimmen lassen, wird sich erst am Sonntag zeigen. (fh/DER STANDARD, Printausgabe, 20.3.2010)

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Posting 1 bis 25 von 66
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callanish
00
20.3.2010, 18:58
Fraktionszwang ist gar keine so blöde Sache...

xEurocent
12
20.3.2010, 18:47

Harry Reid hat übrigens versprocheb in den nächsten Monaten im Senat über die Public Option abstimmen zu lassen.

Bin gespannt ob ein solches Gesetz als Reconcilliation-Bill durchgebracht werden kann und ob es dann dafür eine Mehrheit gibt. Momentan haben sich ja 41 demorkatische Senatoren öffentlich dafür aussgesprochen. Vielleicht kombiniert man es auch noch mit einem Medicare-Buy-In, dann würde die Basis im November die Wahlurnen stürmen. (Aber die Demokraten sind ja bekannt dafür nicht das zu tun, was ihnen helfen würde, auch wenn es Geld spart und extrem populär in der Bevölkerung ist.)

backamus
11
20.3.2010, 18:13

Ich hoffe, Pelosi weiß, was sie tut (Stupak & Co.). Wenn der worst case eintritt (Reform tot), gehören die Demokraten bei den nächsten Wahlen wirklich ordentlich bestraft, bis hin zu Obama 2012.

Wenn es doch endlich klappen sollte, sehe ich für 2010 und Obama deutlich bessere Aussichten auf Erfolg.
Bei den Mid-Term-Elections wird es zwar zweifelsohne Verluste für die Demokraten geben, aber wenn in den nächsten Monaten endlich mehr für die Basis getan wird, wird es nicht so düster aussehen, wie vielleicht nach der MA-Wahl zu befürchten war.

Wählermobilisierung ist das Stichwort für die mid-term elections. Die Republikaner sind motiviert wählen zu gehen - jetzt müssen auch gute Gründe für die demokratische Wählerschaft geschaffen werden.

Odo
20
21.3.2010, 09:32
Bei den Wahlen in 2010 und 2012 werden aber wie bei jeder Wahl die "Independents" das Zünglein an der Waage sein.

Und die unabhängigen Wähler lehnen mit deutlicher Mehrheit "Obamacare" ab.
Außerdem hält sich die Begeisterung bei der Parteibasis der Demokraten über die Gesundheitsreform auch in Grenzen, da insbesondere eine "Public Option" im Gesetz fehlt.

MrGreen
10
21.3.2010, 12:11

kein Wunder nachdem hunderte Millionen Dollar ($xxx,xxx,xxx) von den Versicherungsgesellschaften in Fernsehwerbung gegen diese Reform verpulvert wurden um die Entscheidung zu beeinflussen.

Odo
00
21.3.2010, 08:52
Entschuldigung. Mein Posting unten war eigentlich als Antwort auf das Posting von "xEurocent" vom 20.03., 18.47 Uhr gedacht.

Odo
10
21.3.2010, 08:17
"Bin gespannt ob ein solches Gesetz als Reconcilliation-Bill durchgebracht werden kann und ob es dann dafür eine Mehrheit gibt."

Soweit ich informiert bin ist in 2010 keine zweite "Reconciliation Bill" mehr möglich. Das Reparaturgesetz heißt ja auch offiziell "Reconciliation Act of 2010", was ja wohl zum Ausdruck bringt, das dies das einzige derartige Gesetz in diesem Jahr sein wird.

http://thomas.loc.gov/cgi-bin/b... :H.R.4872:

Demzufolge bräuchte das von Ihnen beschriebene Gesetz also 60 Stimmen im US-Senat, was unerreichbar ist, da dazu mindestens ein Republikaner für das Ende der Debatte stimmen müsste.

Außerdem werden die Demokraten heilfroh sein, wenn nach Ostern das Thema Gesundheitsreform nicht mehr so stark die täglichen Schlagzeilen bestimmt. Da wird man den Teufel tun und dieses Thema von selbst wieder auf die Agenda setzen.

xEurocent
00
21.3.2010, 10:50
Ist ja nicht meine Idee:

Harry Reid: "As you know, I am a strong supporter of a public option, and I included the HELP Committee's public option in the bill I brought to the senate floor last year. I was disappointed when it became clear that we did not have the votes to keep it.

Nevertheless, like you, I remain committed to pursuing the public option. While I believe that the legislation we are considering does much to provide affordable coverage to millions of Americans and curb insurance company abuses, I also believe that the public option would provide additional competition to make insurance even more affordable. As we have discussed, I will work to ensure that we are able to vote on the public option in the coming months."

xEurocent
13
20.3.2010, 17:26
Odo

Sie lieben ja Umfragen so sehr. Wollen wir eine Wette eingehen, dass innerhalb von 2-6 Wochen nach der Verabschiedung der Gesundheitsreform die Zustimmung in der Bevölkerung massiv (und damit auch über 50%) steigen wird?

Halten sie dagegen?

MrGreen
10
21.3.2010, 12:12

sehr ich auch so. Die Masse ist dumm :)

Odo
20
20.3.2010, 18:06
Da halte ich selbstverständlich dagegen.

Würde mich aber mal interessieren, woher Sie diesen Optimismus nehmen.

Die öffentliche Debatte in Sachen Gesundheitsreform haben die Demokraten seit den Protesten im Sommer letzten Jahres immer verloren. Irgendwelche Showinszenierungen und "große" Reden von Präsident Obama,die es jetzt geben wird und Jubelmeldungen in den Medien werden da keine Trendwende bringen. Wenn es danach ginge müssten Obamas Zustimmungswerte in der Bevölkerung ja immer noch weit über 60 % liegen und die Gesundheitsreform würde immer noch von einer deutlichen Mehrheit unterstützt werden. Das Hauptproblem für die meisten Bürger,die die Reform ablehnen,sind die Unsicherheiten über die Finanzierung. Und die Unsicherheit darüber wird bis auf weiteres bestehen bleiben.

Odo
70
20.3.2010, 14:57
"Nach den geltenden Regeln kann 72 Stunden nach Veröffentlichung des Textes über selbigen abgestimmt werden."

Als ob Speaker Nancy Pelosi und die Demokraten irgendwelche Abstimmungsregeln interessieren würden.
Beim Konjunkturpaket mussten die Abgeordneten und Senatoren des US-Kongresses Mitte Februar letzten Jahres wenige Stunden nach Veröffentlichung des endgültigen Gesetzentwurfs abstimmen. Kein Abgeordneter und Senator wusste damals also genau, worüber er eigentlich entscheidet.
Und bei den ganzen "Backroomdeals", die jetzt noch ausgekunkelt werden (wo bleibt da eigentlich Obamas Versprechen,die Verhandlungen über die Gesundheitsreform sollten vollständig öffentlich stattfinden?), um unentschlossene Abgeordnete für die Gesundheitsreform zu gewinnen, wird die Endfassung der Reform wohl wieder erst einige Stunden vor der Abstimmung feststehen.

Enrico Furioso
03
21.3.2010, 00:14
"Als ob Speaker Nancy Pelosi und die Demokraten irgendwelche Abstimmungsregeln interessieren würden. "

Seltener Stumpfsinn. Selbstverständlich interessieren Pelosi und die Demokraten die Abstimmungsregeln. Andernfalls ein Einspruch via dem Obersten Gerichtshof ein derart ergangenes Gesetz ausser Kraft setzen würde.

Gelsomina
11
21.3.2010, 06:27

Ja, diese Einsprueche sind auch schon geplant. Der Staat Virginia hat ein Gesetz, das darauf hinauslaeuft, vor ein paar Tagen mit einer Mehrheit beider (!) Parteien beschlossen.

Insgesamt planen 34 Staaten, Einzelheiten des Gesetzes anzufechten.

Enrico Furioso
00
21.3.2010, 20:18
Das war nicht, was Odo meinte und worauf ich mich bezog.

Wir reden über das formale Procedere, nicht über einzelne Inhalte. Einzelheiten eines solchen umfassenden Gesetzes als verfassungswidrig anzufechten ist eine ganz andere Baustelle und in den USA absolut üblich. Inwieweit hier, falls einem solchen Einspruch stattgegeben wird, bei Einzelheiten nachgebessert werden muss, ist dann eine Frage der weiteren Ausformung der Reform. Zuerst aber geht es darum das Gesetz einmal durchzubringen.

Gelsomina
00
21.3.2010, 23:54

Ja, insofern haben Sie recht, die House-Demokraten haben "deem and pass" (das Gesetz wird ohne Stimmabgabe als beschlossen betrachtet) in letzter Minute zurueckgenommen, weil bereits Einsprueche geplant waren. Das Prozedere ist jetzt "sauber".

"Seltener Stumpfsinn" ist das aber nicht, weil sie es zumindest versucht haben. Es war halt die Gegenreaktion zu heftig.

Odo
51
20.3.2010, 14:03
Wenn Präsident Obama weiterhin so "erfolgreich" ist wie bisher, wird es wohl bald mehr solcher Werbetafeln in den USA geben.

http://www.spiegel.de/politik/a... 81,00.html

Odo
41
20.3.2010, 13:19
"Das Abstimmungsergebnis könnte für Präsident Obama entscheidend sein."

Das ist in doppelter Hinsicht falsch.

Zum einen ist in Sachen Gesundheitsreform für Präsident Obama nicht die Verabschiedung das Entscheidende, sondern ob die Reform dann auch die gewünschten Erfolge zeigt. Erinnert sei an das 862 Mrd. US $-Konjunkturpaket. Das wurde nach seiner Verabschiedung Mitte Februar 2009 von den Medien hochgejubelt und damals von der deutlichen Mehrheit der Bürger unterstützt. Heute lehnt die Mehrheit der Bürger es ab, weil insbesondere am Arbeitsmarkt die versprochenen Erfolge (kein Anstieg der Arbeitslosenquote über 8 %) ausgeblieben sind.

Zum anderen sind doch "Jobs, Jobs, Jobs" das wichtigste für Obama und die Demokraten. Jedenfalls sollte das doch eine der Konsequenzen aus der Wahlschlappe in MA sein.

siu
12
20.3.2010, 13:24
lügen über lügen...

1) niemand hat je versprochen, dass der verabschiedete stimulus die arbeitslosigkeit unter 8% halten wird.

2) das cbo bestätigt dass der stimulus wie erwartet wrikt, und dass die arbeitslosigkeit ohne stimulus bedeutend höher wäre. die erwarteten erfolge sind also da.

all das sind fakten. der rest ist (bewusste!) fehlinformation.

Odo
30
20.3.2010, 13:58
"die erwarteten erfolge sind also da."

Ja genau. Obama eilt hier genauso wie in allen anderen Politikfeldern von Erfolg zu Erfolg. Nur die US-Wähler sind einfach zu dämlich zu begreifen, welch tollen und erfolgreichen Präsidenten sie doch haben.

siu
02
20.3.2010, 14:19
wenn Sie keine argumente mehr haben, dann werden Sie polemisch?

das cbo hat festgestellt, dass der stimulus wie erwartet wirkt.

jetzt können Sie den report des cbo in frage stellen, aber dann müssen Sie schon gute argumente bringen. und dann können wir darüber diskutieren.

aber ohne argumente? nein, pure polemik reizt mich nicht, da müssen Sie sich jemand anderen suchen. ich mag argumente, fakten.

Odo
10
20.3.2010, 14:31
"das cbo hat festgestellt, dass der stimulus wie erwartet wirkt."

Das stimmt nur, wenn sie die optimistischsten Annahmen des CBO zugrundelegen. Das CBO sprach beispielsweise zuletzt von 1 Million bis 2,1 Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätzen. Wenn ich die 1 Million als korrekt unterstelle, trifft ihre Einschätzung mit Sicherheit nicht zu.

http://news.yahoo.com/s/ap/2010... mulus_jobs

Der CBO-Bericht zeigt im übrigen ja auch mit der breiten Spannbreite bei den einzelnen Zahlen, dass eine Einschätzung äußerst schwierig ist, was das Konjunkturpaket nun genau gebracht hat.

Unabhängig davon ändert dies aber nichts daran, dass die Mehrheit der US-Wähler das Konjunkturpaket mittlerweile für einen Fehlschlag hält.

siu
12
20.3.2010, 14:54
das cbo hat festgestellt, dass der stimulus wie erwartet wirkt

also, ob der stimulus wie erwartet wirkt, dazu muss man die schätzungen bei der verabschiedung des pakets mit den heutigen schätzungen vergleichen. genau das macht das cbo in ihrem report und kommt zum schluss dass der stimulus wie erwartet wirkt.

was genau passt Ihnen an diesem report und der schlussfolgerung nicht?

man kann danach natürlich den high estimate vom märz mit dem low estimate vom februar vergleichen. vergleichen kann man alles. auch mich mit Ihnen. aber so ein vergleich ist ganz einfach das papier nicht wert. so ein vergleich ist einfach nicht seriös und kann nur von einem obama-basher kommen.

Odo
10
20.3.2010, 13:45
"niemand hat je versprochen, dass der verabschiedete stimulus die arbeitslosigkeit unter 8% halten wird."

Ein Beispielartikel aus der "Los Angeles Times", einer Zeitung, die nun sicher nicht im Verdacht steht, den Republikanern sonderlich nahe zu stehen:

http://articles.latimes.com/2009/jun/... -stimulus9

Zitat:

"And on the jobs front, an early target was missed: Two of the president's top economic advisors put out a report Jan. 9 predicting that with the stimulus spending, the U.S. unemployment rate this year would not exceed 8%."

Nur die Tatsache, dass nicht Präsident Obama höchstpersönlich, sondern mit Mrs. Romer und Mr. Bernstein zwei seiner wichtigsten Berater in Wirtschaftsfragen diese Prognose abgegeben haben, ändert nichts. Es gab ja auch keinen öffentlichen Widerspruch von Herrn Obama gegen diese Prognosen.

Gigerius
01
20.3.2010, 14:27
dann wäre es ihnen also lieber,

das Konjunkturpaket wäre geringer ausgefallen und die Arbeitlosenquote ohne Versprechungen noch höher?

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