Erste Reihe fußfrei an den wilden Wellen

24. März 2010, 16:39
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Madeira hat mit den Folgen des Unwetters aufgeräumt – und mit ein paar alten Klischees

Leise glucksend fließt das Wasser durch den teils gemauerten, teils in den Fels geschlagenen Kanal. Kaum schneller als die Wanderer ist es an diesem Morgen unterwegs. Am Steilhang über dem Kanal wuchert die kleine, altrosafarbene Maracujablüte, die Namensgeberin dieser Wanderung entlang einer Levada im Nordwesten Madeiras.

Tausende Kilometer Levadas durchziehen die Insel, bereits Ende des 15. Jahrhunderts wurde mit dem Bau dieses Wasserleitungssystems begonnen, das von schmalen Wartungswegen flankiert ist, die heute als Wanderrouten dienen.

Neben der Bananen-Maracuja wachsen an der "Levada Ribeira da Janela" Hortensien, Fenchel und Mispeln, und beim Weg durch den Eukalyptuswald weiß man nicht so recht, ob die Blumen neben dem Weg schöner sind oder der Ausblick weit über das Tal bis zu dem markanten, nadelförmigen Felsen im Meer. "Ribeira" heißt auf Portugiesisch Fluss, und ebendieser speist 400 Meter tiefer ein Kraftwerk, bewässert Weingärten und Bananenplantagen.

Unwetterkatastrophe

So friedlich fließt das Wasser hier, dass es kaum vorstellbar scheint, welch vernichtende Kraft es auf der Atlantikinsel entwickeln kann. Mehr als 40 Todesopfer forderte die Unwetterkatastrophe am 20. Februar dieses Jahres auf Madeira, und hunderte Menschen wurden infolge der Überflutungen und Erdrutsche nach stundenlangen Regenfällen obdachlos.

Auch die am stärksten betroffenen Gebiete um die Hauptstadt Funchal und im Süden der Insel sind inzwischen wieder zugänglich und die Aufräumungsarbeiten nahezu abgeschlossen. An der Wiederherstellung von rund 30 Prozent der Levadas wird nach Auskunft des Tourismusbüros noch gearbeitet. Schon einmal hatten vernichtende Erdrutsche Funchal beinahe vollständig zerstört. Bei den Überschwemmungen im Jahr 1803 waren mehr als 600 Menschen zu Tode gekommen. In der Folge wurden die drei Flüsse von Funchal begradigt und in Kanälen befestigt.

Seit 1986 ist Portugal und damit Madeira Mitglied der Europäischen Union. Damit einher ging eine rege Bautätigkeit, vor allem von Straßen. Ein außergewöhnlich teures Unterfangen, da aufgrund der Topografie - die gesamte Insel hat Mittel- bis Hochgebirgscharakter - viele Orte durch Tunnel erschlossen wurden.

Großzügige Poollandschaften

Nahezu genauso rege wurde an neuen Hotelanlagen gebaut, westlich der Altstadt von Funchal ragt ein Hotelturm neben dem anderen über die Bucht. Da die meisten der neueren Häuser nicht über einen der raren Meereszugänge verfügen, versuchen sie mit großzügigen Poollandschaften zu punkten. Die wenigsten Gäste wollen den Pool überhaupt verlassen - ein Fehler, wie sich im eleganten Clube Naval do Funchal schnell zeigt.

Hier dürfen auch zahlende Tagesgäste erste Reihe fußfrei Bekanntschaft mit den wilden Wellen des Atlantik machen. Da auch dieser Strand wie die meisten auf Madeira aus schroffen Klippen und Kieseln besteht, wurden Liegeflächen betoniert, Sonnenliegen bereitgestellt und Schwimmbecken gebaut, die sich mit jeder Flut neu mit Meereswasser füllen.

Teenager und andere Verwegene stürzen sich in der warmen Jahreszeit vom Trampolin direkt ins offene Meer, freundliche Bademeister helfen bei starkem Wellengang wieder an Land. Auf der Terrasse des Clubhauses werden zu mehr als wohlfeilen Preisen eingelegte Tintenfische, die inseltypischen Lapas, also gegarte Napfschnecken, und andere Köstlichkeiten angeboten. Kurzum, der Urlauber kann es sich genauso gutgehen lassen wie der Einheimische.
Wer noch näher dran will an das Inselleben, quartiert sich im Stadtzentrum im Designhotel The Vine ein. Hat man sich erst an das etwas schräge Entree gewöhnt - das Hotel muss durch ein Shopping-Center betreten werden -, kann man die zentrale Lage, den hervorragenden Service und den Pool auf dem Dach in vollen Zügen genießen.

Die vier Etagen des Hauses wurden von der portugiesischen Designerin Nini Andrade Silva in den Farben des Weines gestaltet, und im Gourmetrestaurant Uva wird die traditionelle Küche mit viel Geschick neu interpretiert. (Tanja Paar/DER STANDARD/Album/Printausgabe, 20./21./3.2010)

Info: Der Veranstalter Blaguss bietet diverse Madeira-Packages ab Wien, Linz und Graz: www.blaguss.at

Anreise: www.flyniki.at; Mietwagen z. B. www.auto-jardim.com

Strandhotel: z. B. Pestana Promenade www.pestana.com; in der Stadt: The Vine: www.designhotels.com

allgemeine Infos: www.madeiraislands.travel

  • Teenager und andere Verwegene stürzen sich in der warmen Jahreszeit vom
Trampolin direkt ins offene Meer, freundliche Bademeister helfen bei
starkem Wellengang wieder an Land.
    foto: robert newald

    Teenager und andere Verwegene stürzen sich in der warmen Jahreszeit vom Trampolin direkt ins offene Meer, freundliche Bademeister helfen bei starkem Wellengang wieder an Land.

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