Große Verwaltungsreform wird immer unwahrscheinlicher

19. März 2010 14:56

Weiterhin konträre Position von Bund und ÖVP-Ländern - SP-Klub: Kompetenzen für Lehrer als "großer Knackpunkt" - Schmied warnt vor "Verländerung"

Wien - Eine grundlegende Reform der Schulverwaltung wird immer unwahrscheinlicher. Im Unterausschuss des Verwaltungsausschusses, wo seit vergangenem Sommer an einer Neugestaltung gearbeitet wird, glaubt man nicht mehr an den großen Wurf. "Es ist sicher, dass wir etwas zusammenbringen", so der Ausschussvorsitzende Peter Wittmann (SPÖ). "Großer Knackpunkt" sei allerdings noch immer, ob die Kompetenzen für Lehrer bei Bund oder Ländern vereint werden sollen. Gerade hier orten Experten das größte Einsparungspotenzial.

Wittmann sieht es nicht als Aufgabe des Parlaments an, kommende Vorschläge auf die Positionen der Länder abzustimmen. "Das ist Aufgabe der Regierung, nicht des Parlaments." Beim aktuellen Stand hält Wittmann lediglich eine Einigung beim Ausbau der Schulautonomie und bei der Schaffung von Bildungsdirektionen anstelle der Landesschulräte für realistisch.

Bund zahlt, Länder geben aus

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) hatte am Donnerstag erneut auf mehr Länderkompetenzen in der Schulverwaltung gepocht. Die VP-regierten Bundesländer wollen, dass die Kompetenz aller Lehrer künftig bei den Ländern liegt, der Bund soll nur noch für Lehrinhalte, Leistungsbewertung, Lehrziele und Grundsatzgesetzgebung zuständig sein.

Im Unterrichtsministerium verwehrt man sich gegen diesen Vorschlag: Dieser "widerspricht klar der gemeinsamen Position der Regierungspartner auf Bundesebene und allen Expertenvorschlägen von Rechnungshof, Wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) und IHS (Institut für Höhere Studien)", heißt es in einer Aussendung. Bei einer "Verländerung" der Schulverwaltung, bei der der Bund zahlt und die Länder das Geld ausgeben, würde "ein effizienter und verantwortungsbewusster Umgang mit dem Geld der Steuerzahler" unmöglich. Außerdem würde der Schulwechsel zwischen Bundesländern für Schüler wie Lehrer erschwert.

Keine gemeinsame Linie der SPÖ

Die SP-regierten Länder haben in der Frage der Schulverwaltungsreform zumindest offiziell keine gemeinsame Linie. Wien betont seinen Sonderstatus: Da es keine Bezirksschulräte gebe und der Stadtschulrat viele Kompetenzen übernommen habe, gebe es kaum Einsparungspotenzial. Stadtrat Christian Oxonitsch plädiert für einen Zusammenschluss der Kompetenzen für Lehrer - ob beim Bund oder bei den Ländern, sei für ihn eine Frage der Rahmenbedingungen, so seine Sprecherin zur APA. Für die Bildungslandesrätin der Steiermark, Elisabeth Grossmann, ist ein Aus für Landeslehrer vorstellbar. Die unmittelbare Verwaltung müsse aber "bürgernah" auf Landesebene stattfinden, da jedes Bundesland unterschiedliche Strukturen habe.

Grüne Kritik wegen Verzögerungen

Abseits der konträren Positionen von Regierung und Ländern sei derzeit "das schwierigste, einen Termin zu bekommen", so Wittmann. Im Unterausschuss haben bisher Experten von Wifo und IHS sowie Schüler, Lehrer und Vertreter der Länder ihre Positionen vorgetragen. Die Darstellung der Regierungsposition steht noch aus, der Termin hätte bereits im Herbst 2009 stattfinden sollen.

Grünen-Verfassungssprecherin Daniela Musiol kritisiert die Regierung wegen der Verzögerungen. "Ich habe den Eindruck, dass sie die Reform nicht so wichtig nimmt beziehungsweise erwartet, dass sie sich gegen die Länder ohnehin nicht durchsetzen kann." (APA)

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13 Postings
ride my pimp
25.03.2010 10:48

Was genau hat das "duale System" mit der frühen Selektion zu tun?
Dass unser Schulsystem viel zu teuer sei, entspricht eher der veröffentlichten Meinung als den Tatsachen. Da Österreich seine Lehrer unterdurchschnittlich entlohnt (Gemessen am Durchschnittseinkommen sind Lehrergehälter hierzulande wenig attraktiv.), bleibt trotz sehr hoher Verwaltungskosten immer noch genug Spielraum für bildungspolitische Scheingefechte, Eigenwerbung der Ministerin und allerlei sonstigen Kinkerlitzchen.

s. ich gebs zu

ride my pimp
25.03.2010 10:47

natürlich kann man viel einsparen, wenn man die unistudierten bundeslehrer plötzlich bezahlt wie volksschullehrer.
ob das aber zu einem konkurrenzfähigeren bildungssystem führt, wage ich leicht zu bezweifeln!

standardabweichung
22.03.2010 09:21
eines nach dem anderen

die abschaffung der bundesländer ist eine auch für diesen problemkreis notwendige vorbedingung für die verwaltungsreform. der eingriff in bestehende verträge, auch rückwirkend, eine weitere sowie eine generelle aufhebung aller bisher stattgehabten definitivstellungen.

Samthand Schuh
21.03.2010 18:48
Eine große Verwaltungsreform ist in Österreich prinzipiell unmöglich

Wo kommen wir denn hin, wenn man mit Mühe für seinen Parteikader schöne, gut-bezahlte Jobs gefunden hat und dann kommt einer und will das mit einer Reform auf den Kopf stellen? Wer eine andere Verwaltungsstruktur in Österreich will, muss bei seinen Vorschlägen darauf achten, dass nachher mehr gute Jobs für verdiente Parteimitglieder geschaffen werden als vorher. Glaubt denn wirklich einer, dass es hier um Verwaltung geht? Wenn sich Parteifunktionäre für den Stimmenfang im Wahlkampf einsetzen, dann wollen diese dafür auch belohnt werden - völlig wurscht, welche Kompetenzen diese haben. Der Steuerzahler muss halt dafür blechen. Verwaltungsposten dienen selten der Verwaltung sondern der Versorgung und damit dem Machterhalt einer Partei.

train user
22.03.2010 07:36

Richtig!
Darum einzige logische Konsequenz: bestehende föderalistische Struktur beibehalten, aber extrem verschlanken!
Sonst droht ein überbordernder Wasserkopf in Wien (inklusive vielen neu geschaffenen Jobs für Parteigünstlinge, diesmal halt zumeist in anderer Farbe!).

leser 4712
21.03.2010 13:19
ein verbrechen

an den zum handkuss kommenden schüler/innen!

gerhard maierhofer
20.03.2010 17:04
länder?

dort wo der größte politfilz herrscht, wo es absolute mehrheiten gibt und selten eine landeshauptmannpartei abgelöst wird?

die länder die noch immer nicht die pensionsreform des bundes für ihre landesbediensteten übernommen haben sollen sparsam im personaleinsatz sein?

train user
21.03.2010 10:50

Glauben Sie wirklich an das Märchen, dass eine Zentralverwaltung alles besser und effizienter gestaltet? Es reicht, derzeitige Strukturen zu verschlanken, aber möglichst viele Entscheidungen vor Ort zu belassen.

Trollcruncher
19.03.2010 15:11

*Seufz* es wird so weitergewurschtelt wie bisher. Verheerend.

Elisabeth Werner1
20.03.2010 13:43
was ist so schlimm dran?

unser schulsystem ist besser als man es krankreden konnte. unsere berufsschüler sind weltweit an 6 stelle (nach ländern wie z. b. korea, wo die kinder gedrillt werden). finden sie das immer noch krank?

Truhe
 
21.03.2010 15:18

Es ist für seine Leistungsfähigkeit VIEL zu teuer, überflüssige Verwaltungsinstanzen kosten das Geld das drigende für notwendige Investitionen fehlt und das duale System mit der viel zu frühen Selektion ist ineffizient und letztendlich eine Verschwendung. Dieses ewige : "Wir orientieren uns nach unten, dann ist alles gut" hilft niemanden als den Inhabern überflüssiger und kontraproduktiver Verwaltungsposten die die Ritterrei um ihre Privilegien seit Jahren über das stellen wozu sie eigentlich da sind. Dass Sie gerade die Berufsschulen als leuchtendes Beispiel heanziehen zeigt nur dass offenbar jene am erfolgreichsten sind die am wenigsten durch den Systemfleischwolf gedreht werden.

Ich gebs zu
21.03.2010 18:50
Was genau hat das "duale System" mit der frühen Selektion zu tun?

Dass unser Schulsystem viel zu teuer sei, entspricht eher der veröffentlichten Meinung als den Tatsachen. Da Österreich seine Lehrer unterdurchschnittlich entlohnt (Gemessen am Durchschnittseinkommen sind Lehrergehälter hierzulande wenig attraktiv.), bleibt trotz sehr hoher Verwaltungskosten immer noch genug Spielraum für bildungspolitische Scheingefechte, Eigenwerbung der Ministerin und allerlei sonstigen Kinkerlitzchen.

Sche
21.03.2010 16:50
Berufsschulen sind...

...Landessache - und sind tatsächlich sehr gut.

Das mag noch kein Indiz dafür sein, dass die Länder grundsätzlich mit den Ressourcen sinnvoll umgehen, aber zumindest für mein Bundesland (Vlbg.) kann ich feststellen, dass die Vorstellung, alles zentral von Wien aus vorgesetzt zu bekommen, eher nach gefährlicher Drohung denn nach Verwaltungsreform klingt.

Natürlich kann man z. B. über die Sinnhaftigkeit der Bezirksschulräte diskutieren, aber generell glaube ich, dass Vorort eher auf die tatsächlichen Bedürfnisse eingegangen werden kann als vom fernen Wien aus.

Riesige Schulzentren statt der Volksschulen im Ort mögen rein rechnerisch günstiger sein, aber nicht alles, was weniger kostet, ist automatisch gut.

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