Der Beat für Beatmung

21. März 2010, 18:54
  • Wenn es offensichtlich ist, dass jemand Hilfe braucht, ist man per Gesetz zur Hilfe verpflichtet.
    foto: apa/stefan kiefer

    Wenn es offensichtlich ist, dass jemand Hilfe braucht, ist man per Gesetz zur Hilfe verpflichtet.

Herr und Frau Österreicher schauen bei Notfällen weg - Die Angst vor Fehlern sei unbegründet und koste Leben, sagen Notfallmediziner und Juristen

Stayin' Alive von den Bee Gees sollte man sich wieder einmal anhören. Denn wer den Rhythmus des Discohits aus den Seventies intus hat, tut sich bei einer Herzdruckmassage leichter. Die unkonventionelle Empfehlung kommt vom Wiener Notfallmediziner Fritz Sterz: Stayin' Alive das ist der ideale Rhythmus zur Wiederbelebung, der Radetzky-marsch tut's auch." 80- bis 100-mal die Minute mit dem Handballen das Brustbein in der Mitte des Brustkorbs hinunterdrücken, wiederholen, bis der Notarzt kommt, ist die Minimalvariante der Wiederbelebung bei Herzstillstand. "Das kann jeder", sagt Sterz, "da kann man keine Fehler machen." In Schulkursen illustriert er mit zwei bekannten Slogans: "Just do it" und "Yes we can".

Komplizierter ist die Kombination von Herzdruckmassage und Beatmung. 300 bis 600 Kompressionen, dann beatmen, wieder drücken, beatmen ... Vor der Be-atmung drücken sich viele aus Angst vor Infektionen. "Herzstillstand passiert zu 80 Prozent im Familienkreis", sagt Sterz, "da muss sich keiner grausen." Ist man mit einer fremden Person konfrontiert, sollte man, wenn man sich vor einer Beatmung scheut, auf jeden Fall die Herzdruckmassage machen, rät Sterz. Denn pro Minute ohne Herz-Lungen-Wiederbelebung gehen zehn Prozent der Überlebenswahrscheinlichkeit verloren.

Pro Jahr sterben in Österreich 15.000 Menschen an plötzlichem Herztod. Ihr Durchschnittsalter: 60 bis 65 Jahre. Die Überlebensrate liegt bei lediglich einem Prozent. Studien aus Skandinavien belegen, dass die Rate bei sofortiger Wiederbelebung auf 30 bis 40 Prozent steigt. Sterz: "Dafür müssen wir Bewusstsein schaffen." Noch fehlt das Bewusstsein, wie Umfragen und ein Experiment von Sterz und seinen Studenten zeigt: "Wir haben in der Lugner City mit versteckter Kamera gefilmt, wie Passanten reagieren, wenn ein Mensch zusammenbricht. Mindestens 25 Leute gehen vorbei, bis endlich einer hilft."

Gesetzliche Verpflichtung

Wenn es offensichtlich ist, dass jemand Hilfe braucht, ist man per Gesetz zur Hilfe verpflichtet. Beispiel: Man kommt an einer Unfallstelle mit Verletzten vorbei. Sieht man weder Ersthelfer noch Einsatzfahrzeuge, muss man stehen bleiben. "Wird eh schon jemand die Rettung gerufen haben", diese Ausrede gilt nicht. Hilfe darf nur verweigert werden, wenn sie nicht zumutbar ist. "Nicht zumutbar ist ein Eingreifen, wenn für den Helfer Gefahr an Leib und Leben besteht", erklärt Bernhard Schneider, Leiter der Rechtsabteilung des Roten Kreuzes. Konkret: "Ich muss nicht in ein brennendes Haus oder auf eine stark befahrene Straße rennen." Was man aber in jedem Fall muss: "Wenigstens einen Notruf absetzen." Wer die 144 eintippt, sollte vier präzise Angaben machen: den Namen deutlich sagen, kurz schildern, was passiert ist, wie viele Menschen betroffen sind, und wo genau der Unfallort ist. Wichtig: nicht sofort auflegen, die Leitstelle beendet den Anruf, wenn alle Fragen geklärt sind.

Als Hauptgrund, nicht zu helfen, nannten bei einer Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit 73 Prozent der Befragten die Angst, etwas falsch zu machen. Beim Roten Kreuz ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Ersthelfer wegen eines Fehlers vor Gericht gelandet wäre. Bernhard Schneider: "Der einzige Fehler, den man machen kann, ist, nicht zu helfen." Das Straf- gesetzbuch sieht für "Im-Stich-Lassen eines Verletzten" (§ 94) und "Unterlassung der Hilfeleistung" (§ 95) Freiheitsstrafen vor.

"Die Menschen hätten keine Angst vor Fehlern, wenn sie bereits in der Schule Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen würden", sagt Fritz Sterz. Seit Jahren versucht er, die Schulbehörden von dieser Notwendigkeit zu überzeugen - bislang ohne Erfolg. Lehrer, Eltern und Schüler hat er aber auf seiner Seite: Die Petition seiner Initiative "Leben retten" (siehe Webtipp) zur Einführung eines verbindlichen Lehrinhalts "Lebensrettende Sofortmaßnahmen" haben bereits 10.000 Menschen unterschrieben.

Die Idee des Arztes: Während der neun Pflichtschuljahre sollen jährlich zwei Übungen im Turnunterricht durchgeführt werden. Erste Projekte mit rund 3000 Kindern zeigen, dass Kinder Interesse und Können zeigen.

"Kinder reagieren oft richtiger als Erwachsene", weiß Sterz. So habe ein Zwölfjähriger seine Mutter mithilfe der telefonischen Anweisungen des Notruf-Sanitäters bis zur Ankunft des Notarztteams erfolgreich reanimiert. Ein Erwachsener habe in einem ähnlichen Fall mit der Begründung "Ich könnte ihm wehtun" Hilfe trotz Anleitung verweigert. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 22.3.2010)

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""Die Menschen hätten keine Angst vor Fehlern, wenn sie bereits in der Schule Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen würden", "

Mal abgesehen von irgendwelchen Erste Hilfe Vorträgen, die sowieso in den Schulen veranstaltet werden, hat auch jeder der einen Führerschein hat, schon einen solchen besucht, sollte also die Grunregeln kennen. Wie wäre es diesen Führerscheinkurs zu verlängern und alle aar Jahre verpflichtende Auffrischungskurse zu veranstalten. (wenn das Rote Kreuz usw. dafür Ged verlangt hätten sie auch eine zusätzliche Einnahmequelle und könnten auf Zivis eher verzichten, bzw. unter den Kursteilnehmern auch gleich mehr Ehrenamtliche anwerben)

Aber ein regelmässige verpflichtende Kurse für Autofahrer? Das traut sich kein Politiker.

Verpflichtende Kurse wären sinnvoll, unterstütze ich voll. Aber leider ist es eben wieder eine finanzielle Mehrbeslastung für die Menschen.

Und es wäre eine kleine und nette zusätzliche Einnahmeqelle für unseren Finanzen-Seppi, der neuerdings auf Plakaten dafür "wirbt", dass schon unsere Babys mit 24000 Euro Staatsschulden in der Kreide stehen.
Wenn schon unsere Babys so hochverschuldet sind, dann sollte lieber der Gratiskindergarten abgeschafft werden.

ich weiß ja nicht wie die auf 300 bis 600 kommen, vielleicht leben die ja in der zukunft und kennen schon die guidlines 2025... für alle die den aktuellen state of the art nachlesen wollen:

https://www.erc.edu/index.php... d_2005/en/

man kann schon allein deshalb nix kaputtmachen,
weil so ein herzstillstand sowieso praktisch ein todesurteil ist:

überlebensrate 4%

stand 1996, wien.

"300 bis 600 Kompressionen, dann beatmen"

Soll das ein Scherz sein? Da kann ich das Opfer ja gleich sterben lassen....300-600 Mal Herzmassage und dann erst beatmen, versteh ich das richtig? Dann versucht bitte mal ein jeder 300-600 Mal auf den Tisch zu drücken (im Beat von Stayin Alive) ohne zu atmen und dann stellt man sich vor, man wäre zusätzlich kurz vorm Abkratzen.

Das ist die neueste Variante; es wird beim BEwusstlos sein ohnehin weniger Sauerstoff benoetigt,

so ist es wichtiger, wenigstens den Sauerstoff, der vorhanden ist, zum Hirn zu transportieren und das ist erst dann der Fall, wenn man ausreichend lange pumpt....

kritisch gedacht .....

´...Es ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Ersthelfer wegen eines Fehlers vor Gericht gelandet wäre....´

Kann mir durchaus vorstellen, dass ein Ersthelfer doch vor gericht landet, wenn er zb. einen folgeunfall begünstigt bzw. verursacht. (zb. durch nicht tragen der Warnweste bei dunkelheit etc.)

ich bevorzuge statt bee gees den "hummelflug".

der is gut :D

kann ich mir so nur schwer vorstellen

der "beat" ist ja ok, aber im falle eines atemstillstands bei 80-100 bpm und alle 300 beats nur 1 beatmung ist der betroffene gute 3,33 min. ohne frischen sauerstoff in den lungen. da nützt die beste herz-reanimation nichts, wenn ich gute 2 min. (da sich nach ca. 1 min. der sauerstoff im blut abbaut bzw. verbraucht wird) nur noch kohlendioxid durch den körper pumpe...

Das Beatmen ist daher nicht so wichtig, weil die meisten nicht genug Luft reinblasen können. Man muss den kopf überstrecken damit man überhaupt "zur lunge kommt". Man hat auch genügend Totraum in der lunge wo "normale" Luft mit 21% O2 vorfindet. Die ausatemluft is außerdem auch nicht komplett sauerstoff frei, da hat ma auch noch so 17%... Daher ist es um einiges wichtiger das Blut weiter durch den körper, speziell Lunge zu Pmpen damit es wieder angereichert werden kann

30 x Pumpen : 2 x Beatmen

Das war die alte Variante. Dabei ist zu wenig Sauerstoff herum gepumpt worden.

Angeblich ...

kam man von der früheren "hohen" Beatmungsfrequenz ab, weil die Herzdruckmassage automatisch zu einer flachen stoßweisen Ein / Ausatmung führt (es wird ja auch die Brust dabei ein wenig eingedrückt) und diese reicht um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Der weitaus entscheidendere und damit limitierende Faktor scheint die Herzmassage zu sein...
Habe sogar schon mal gehört, dass man Beatmung überhaupt weglassen kann / soll.
Habe dazu aber leider noch nirgends was gefunden / gelesen.....

ja. stimmt so. Besser die Atmung reduzieren und beim

Pumpen dabei bleiben. Es gibt auch noch den Restsauerstoff im Blut, der muss einfach immer zirkulieren und ins Hirn gepumpt werden. So habe ich es auch gelernt.. das ist die neue variante.

dazu gleich mal was praktisches

http://www.wortbild.net/ehkurs/

Wer rettet die Gesellschaft vor den Laienreanimations-Opfern

Ich arbeite selber auf einer kardiologischen Intensiv Station, und wir haben SEHR viele Patienten, die zu Hause oder auf der Straße von Laien reanimiert werden. "Überleben" tun sie schon - aber meistens mit schwersten neurologischen Defiziten. Die Reanimations-Opfer überleben das Ganze als Apalliker im Wachkoma und sterben Jahre später an einer Lungenentzündung - und keiner weis so recht was sie in der Zeit von ihrer Umwelt mitbekommen.
Das man nichts falsch machen kann, stimmt also so nicht. Mann kann entweder suffizient reanimieren oder nicht - letzteres führt in die Neuro-Rehab oder ins wach Koma.

weniger laienreanimation...

weniger laienreanimation -> weniger lebende notfalleinweisungen -> weniger streß auf der intensivstation -> weniger pausen?
meinen sie das?

woher nehmen sie sich die freiheit zu wissen, welche verläufe ihrer patienten durch welche ursachen ausgelöst wurd??

wären die nicht reanimiert worden

wären sie natürlich nicht bei ihnen gelandet (mit einer minimalen chance) sondern beim leichenbeschauer...

wir arbeiten alle wo, nur die qualifikation ist entscheidend. ich würde sagen bei ihnen putzfrau? woher kommen die neurolog. defizite? richtig, nicht weil reanimiert wird, sondern weil das gehirn nicht versorgt ist, um so länger der zeitraum von VF bis zum wiederkehren des kreislaufes, umso höher ist die wahrscheinlichkeit von gehirnschäden. genau DEM, wirkt die "laienreanimation" entgegen, weil sie den zeitraum überbrückt. auch wenn die chance wirklich sehr gering ist, umso früher mit der hlw begonnen wird, desto größer wird sie, dass die reanimation primär und evtl auch sekundär pos ist

nicht mal die notfall im akh wien reanimiert richtig


sie drücken zu schnell,
sie beatmen zu schnell,
sie spritzen zu viel adrenalin

und das wissen sie auch.

so ein quatsch

so ein wichtigtuerischer blödsinn:
die leute werden nicht opfer der reanimation, sondern der situation die zur reanimationspflicht geführt hat. da verwechselst du etwas.
bei der laienreanimation hat der patient zumindest eine chance, ohne hat er gar keine.
laß dir mal das von den ärzten auf deiner station erklären.

"Ich arbeite selber auf einer kardiologischen Intensiv Station"

Aber ob du in deiner Funktion als Putzhilfe zu einer solchen Aussage berechtigt bist?

PS: Deppen Leer Zeichen galore!

selten sowas dämliches gelesen

die alternative ist wohl gar nix tun - ist das ihrer meinung nach besser?

und wenn man nix macht und wartet bis der naw nach 15min eintrifft und die dann "professionell" reanimieren soll was besseres rauskommen?

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