Spendenaufruf 2.0

"Es kommen täglich Zahlungen rein"

Oliver Mark, 21. März 2010, 19:06
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    foto: derstandard.at/kremmel

    Ein 61-Jähriger will die Bloggerszene "revolutionieren": Andreas Unterberger will zeigen, wie man Userzahlen zu Geld machen kann.

Andreas Unterberger will sein Tagebuch mit User-"Spenden" finanzieren - 400 hat er schon: "Mehr als alle Online-Experten prophezeit haben"

Andreas Unterberger ist ein "Visionär": "So etwas hat es meines Wissens in Europa noch nicht gegeben". Die Inspiration holte er sich vom Online-Lexikon Wikipedia: "Die haben auch einen Spendenaufruf gemacht." Seine Visionen verwirklichen will er mit Hilfe der User, die er seit Mitte Februar via "Appell" um Beiträge für die Finanzierung seines Blogs bittet. Für Unterberger sind das keine Spenden, sondern "Unkostenbeiträge", wie er betont. "Es sind schon über 400 eingegangen", sagt er gegenüber etat.at, "mehr Geld als alle Online-Experten prophezeit haben".

"Täglich Zahlungen"

Der ehemalige Chefredakteur der "Wiener Zeitung" und der "Presse" betreibt sein "nicht ganz unpolitisches" Tagebuch, wie er es nennt, seit Herbst 2009. Mit den Userzahlen ist er zufrieden, mit der Monetarisierung (noch) nicht. Unterberger sieht sich aber auf einem guten Weg: "Es kommen täglich Zahlungen rein." Die Mehrzahl spendet 120 Euro oder mehr, erläutert er, "manche machen das via Dauerauftrag und lassen zehn Euro pro Monat abbuchen". Trotzdem sei der Blog noch lange nicht ausfinanziert.

Ein Grashalm im Strauß

Für ein Minimum von 120 Euro im Jahr werden aus Lesern "Partner" und "Sponsoren", auf die eine Reihe von "Garantien" warten. Sie können sich etwa das Thema eines Tagebuch-Eintrags aussuchen; "aber nicht die Meinung". Darauf lege er Wert. "In dem Strauß, den ich den Partnern anbieten werde, ist das nur ein Grashalm", meint Unterberger zur freien Themenwahl, schränkt aber gleichzeitig ein, dass er nicht über alles schreiben werde. "Wenn sich jemand zum Beispiel die Weisen von Zion wünscht oder ein Spaßvogel auf die Idee kommt, mir eine physikalische Frage zu stellen, an der ich scheitern würde."

Erstens müsse er inhaltlich etwas beitragen können, präzisiert er, und zweitens müsse es mit seinem Gewissen vereinbar sein. Der Blogger glaubt, Experte für ein breites Spektrum zu sein; "ganz egal ob Politik, Geschichte, Gesellschaft oder Wirtschaft" - Unterberger kommentiert. "Schon jetzt bekomme ich pro Tag ein halbes Dutzend Themenvorschläge" sagt er und will die Interaktivität mit seinen Lesern noch intensivieren. Schließlich sei das Internet "dialogisch", so der 61-Jährige.

Freie Zugang bleibt

In welcher Form der Dialog passieren soll, will er noch nicht konkretisieren. Nur so viel: "Es gibt einen Ideenplan mit 45 Punkten". Alle könnten nicht realisiert werden, meint er und verspricht eine "Reihe von Vergünstigungen und Goodies" für die Zahlenden. Und jene, denen Unterbergers "Ergüsse" keine 120 Euro wert sind? "Der freie Grundzugang wird erhalten bleiben", stellt er klar, "sonst wäre das nicht sinnvoll". Und zukünftige Zahler ließen sich schwerer generieren. Die Spreu vom Weizen werde über ein Passwort-System getrennt.

An potenzielle Zahler appelliert Unterberger, nicht mehr als 1.200 Euro pro Jahr zu überweisen. Um die Unabhängigkeit zu wahren, wie er unterstreicht. Dass Firmen als Blog-Sponsoren fungieren könnten, glaubt er nicht: "Die hätten nie die Garantie, dass es in ihrem Sinne ist, was ich schreibe." Bis dato habe es keine thematische Anregung gegeben, die als Unternehmensinteresse identifizierbar wäre, behauptet der Journalist, der die Unabhängigkeit überhaupt als wichtigstes Kriterium seines Blogs sieht.

Unterbergers "Metamorphose"

Deswegen wolle er sein Portal auch nicht für die Werbeindustrie öffnen: "Das ist der Gegensatz zu Tageszeitungen, wo es Kooperationsseiten gibt." Firmen würden Beiträge bestellen. "Ein Korruptionsgemisch", so nennt das der langjährige Printler, der sich jetzt als unabhängiger Onliner geriert. Nur über die Schiene Werbung könne so eine Content-Plattform nicht reüssieren, vermutet er. Extra kennzeichnen will er "bestellte" Themen nicht: "Viele Leser sind ja ohnehin mit Pseudonymen unterwegs."

Am liebsten schreibt Unterberger, der sich als "wertkonservativ" definiert, gegen die "Dummheiten des Zeitgeistes" und versteht sein Tagebuch als "Gegenstimme zum grün-linksliberalen Mainstream" in den Medien. Etwa wenn er anlässlich des "wochenlang zelebrierten" Frauentags gegen die "Diskriminierungslüge" wettert und die "wahren Fakten gegen diese Gehirnwäsche" zu kennen glaubt. Oder wenn er das "Schweigen der Medien über arge und nie bestrafte Kindesmissbräuche im linken politischen Bereich" anprangert und diese mit den kirchlichen Missbrauchsfällen kontrastiert.

Ein Blog, sechs Leute

Derzeit, erzählt Unterberger, arbeite sein Team an der Implementierung der nötigen Software, um die Neuerungen umzusetzen. Ein Team, das aus sechs Personen besteht. Die würden ihn alle nur je nach Bedarf und auf Werkvertragsbasis unterstützen, kontert er Postern, die ob des Personalaufwands "DDR-Niveau hinsichtlich der Effizienz" orten. "Einer macht die Buchhaltung, der eine EDV, einer das Layout und einer hilft manchmal bei Recherchen", erklärt der 61-Jährige.

Laut eigenen Angaben konnte Unterbergers Seite seit dem Start im Oktober 2009 rund 405.000 Visits von 112.000 Unique Clients verbuchen (Stand: Anfang März 2010). Ob sich die Userzahlen zu Geld machen lassen, wird sich in Kürze entscheiden. Zu Ostern will der Betreiber bilanzieren und danach bekannt geben, ob das Tagebuch fortgesetzt oder in dieser Form eingestampft wird. Unterberger gibt sich zuversichtlich: "Anscheinend legen doch viele Wert darauf, dass es das Angebot weiterhin gibt." Sonst hätten sie nicht bezahlt, so der Tagebuchschreiber. Sollte die Finanzierung scheitern, will er den Usern das Geld retournieren.

Facebook

Weil Unterberger anscheinend engültig auf den Geschmack des Web 2.0 gekommen ist, präsentiert er sich auch auf Facebook; um seine Beiträge zu bewerben. Der Gruppe "Sammeln wir 1.200 Euro, damit Andreas Unterberger seinen Blog aufgibt" ist er nicht beigetreten. (Oliver Mark, derStandard.at, 21.3.2010)

Kommentar posten
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hema1
 
00
27.6.2010, 10:03
@Bitte nicht hinterm Gartenhaus.

Spenden hab ich bisher keine erhalten!

Aber seit meine Homepage fertig ist, hab ich in diesen drei Monaten bis gestern 96.542 Zugriffe aus 40 Ländern gehabt.

So blöd kanns wohl nicht sein. Ich hoffe, einige Menschen haben damit Hilfe in ihrer Denkweise erhalten.

http://www.hopeland.at

Gott ist die Liebe und ohne Liebe können wir nicht leben!





Diese WM ist dreckig!
00
17.6.2010, 01:18

hab mir jetzt die seite auch angesehen...

... sowas kostet keine 500 mal 120 euro, nicht mal ansatzweise... ??? 60.000 EURO??

So eine Seite kann sogar ich mir selber basteln und der webspace kostet 70 euro im jahr... OO

irgendwas versteh ich da nicht..

Aurvandill der Erste
00
"wertkonservativ"

Find' ich immer wieder lustig, wenn so ewiggestrige Reaktionäre ihre rückschrittlichen Ansichten als "konservativ" bezeichnen.

t-bonesteak
11
25.3.2010, 18:01
man muss ja kein fan von unterberger sein

trotzdem finde ich gut, dass es ihn gibt.

stellt euch mal vor wir würden in einer welt leben, in der es nur noch die der mehrheit der standard-poster genehme meinungswelt geben würde. das wäre eine ziemlich langweilige und nichtssagende monokultur. diskussion, auseinandersetzung mit anderen wäre nicht mehr möglich, sondern es gäbe nur noch gegenseitiges bauchistreicheln und schulterklopfen.

fürchterlich

Bombayflüchtling
00
25.3.2010, 17:50

Ich mag seine Haltung nicht. Abgesehen davon ist es ein interessanter Versuch.

PS: Journalismus, wie wir ihn von 20 Jahren kannten, gibt es heute nicht mehr. Journalismus, wie wir ihn heute kennen, gibt es in 5 Jahren nicht mehr. Journalismus ist das Prekariat von morgen - und zwar in Gänze.

Bitte nicht hinterm Gartenhaus.
00
25.3.2010, 12:00

Ich finde Unterberger meist OK. Er ist halt ein Konservativer und vollkommen ohne rechts-ungustiösen Gestank wie die ÖVP heute. Wenn er mit seiner Arbeit Geld verdienen will, dann sei ihm das unbenommen. Der Markt entscheidet dann, und das ist ganz in seinem Sinne.

Cape Code
01
25.3.2010, 10:19
ich habe ihm heute

32 cent überwiesen - wenn das alle machen, ist er dank hohem verwaltungsaufwand bald pleite

wolkenberg
01
24.3.2010, 14:15

hahaah - underberg goes web 2.0! na dann: prost!

zol ex
03
24.3.2010, 11:45
Liebe Postergemeinde,

bitte überweist mir Unkostenbeiträge für meine Postings, ich bin auch billiger als Herr Unterberger, weil ich nur den Internetanschluss bezahlen muss, und ich keine Recherche-Mitarbeiter habe, welche die Arbeit für mich erledigen. Wer mir 12 EUR im Jahr überweist, kann sich ein Posting-Thema aussuchen, gerne auch über physikalische Themen, wo ich notfalls sogar Unsinn schreiben werde.

Mit freundlichen Grüßen,
Zol Ex

saka jamahatsu
01
23.3.2010, 20:38

.... wordpress.com - fertig eingerichteter und gehosteter blog für 0 euro pro jahr. Aber sei grasser wissen wir ja, dass internetauftritte ja etwas mehr kosten, wenn es um wirklich wichtige leute geht.

yofrog
01
23.3.2010, 09:04

sweet. paar anhänger hat wohl auch dieser spinner gefunden.

Lex Barker1
00
23.3.2010, 02:16
wie bekomme ich in 6 monaten einen PR4?

Ich weiß von nichts, mein Name ist Scheuch
02
23.3.2010, 00:08
Tolles Foto!

Womöglich hat man ihn da am Klo aufgenommen...

Dazu würde auch der Spruch passen.

Jon Steinberg
10
22.3.2010, 22:48
Bin froh dass mittlerweile Fleischhacker Presse-Chefredakteur ist

Die Sonntags-Jubiläumsausgabe gemeinsam mit Andre Heller war die vermutlich beste Ausgabe einer Tageszeitung, die jemals in Österreich verkauft wurde.

Er bringt die Presse ein wenig weg von ihrem konservativen Image und macht sie weltoffener. Und Österreich braucht neben dem rosa Blatt eine Qualitätszeitung, die nicht ganz so extrem nach links hängt und ein "wenig weniger" an Selbstverliebtheit leidet.

Unterberger ist leider einem Linkslinken-Verfolgungswahn erlegen wies aussieht. Sein Blog hat gelegentlich schon ein paar interessante und gute Artikel, immer häufiger wirds aber schon sehr abstrus und man kann nur den Kopf schütteln.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
00
22.3.2010, 22:46
standardfrage

mit welchen begründungen kann argumentiert werden, es wäre relevant darüber zu berichten, dass
person u. ein tagebuch hat?
person u. einen blog hat?
person u. fremdfinanziert (user) wird?
...die meisten standard-leser_innen sind nicht in medienkreisen unterwegs!

Samthand Schuh
01
23.3.2010, 21:10
Diese Undankbarkeit der Angebeteten aber auch!

Hallo Berta! Der Grund dafür, warum hier darüber berichtet wird ist, ist einfach, weil es witzig ist. Da gibt sich einer so viel Mühe, mit seiner Berichterstattung den Mächtigen im Land zu gefallen (etwa der schwarz-blauen Bundesregierung) und dann schaut nicht einmal ein vernünftiger Job dafür heraus. In Österreich bekommt man für Verdienste für die Republik... äh... Verdienste für die Parteien und für Wirtschaftslobbyismus üblicherweise irgendwo einen Aufsichtsratsposten. (Wenigstens kommen ein paar Spenden fürn Herrn Unterberger rein.) Das Besondere ist ja, dass sich Stiefelleckerei in Österreich einmal nicht ausgezahlt hat und das freut uns alle, die wir nicht beim CV oder Äquivalenten anderer Couleurs sind.

yoghurtinator
 
00
22.3.2010, 22:46
"Sammeln wir 1.200 Euro, damit Andreas Unterberger seinen Blog aufgibt"

Super !!!!!
Danke für diesen Lacher !

Frobin Jojo
37
22.3.2010, 20:31
"grün-linksliberalen Mainstream"

Würde gerne wissen in welcher vollkommen von der Realität abgeschnittenen und völlig nach selektiver Wahrnehmung zusammengebastelten Welt dieser Irre lebt, wenn er in Österreich oder von mir aus auch in Europa von einem "grün-linksliberalen Mainstream" spricht ...

Christiane Amanpour
 
24
22.3.2010, 19:49
Ein Mullah und gaga

The world according to Unterberger: Frauen würden nur in wesentlich schlechter bezahlten Jobs arbeiten. Der Journalismus würde sich nur mehr von Spenden ernähren, im Fernsehen würde es nur Männer als Moderatoren geben, die vorzugsweise Männer interviewen, usw. usf.

Dagegen ist der Iran ein Hort moderner Kräfte (dort gibt es viele Uni-Absolventinnen und auch TV-Moderatorinnen), er scheint sich aber mehr an Saudiarabien zu orientieren.

Aber diese Parallel-Welt ist völlig österreichisch und existiert mitten in Wien: Gaga !

animal love affair
02
22.3.2010, 19:38

jeder topf findet irgendwo einen oder mehrere deckel. unabhängig davon was darin gekocht wird.

das ist alles sehr kompliziert!
 
12
22.3.2010, 19:24

Vor einiger Zeit hat es ein Poster, dessen Nick ich leider vergessen habe, unnachahmlich und prägnant auf den Punkt gebracht:

"Unterberger lesen hat irgendwie mit Selbsthass zu tun"

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Berta von Hinnen heller von Sinnen
13
22.3.2010, 19:12

ich denk mir immer, wenn ich was von a.u. lese/höre, dass das nicht eine tatsächlich vorhandene geisteshaltung sein kann, vielleicht einfach deshalb, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass jemandes geisteshaltung in der vorliegenden logik tickt.
insofern nehme ich ihn nicht ernst und finde ihn harmlos, als vermuteten oder vielmehr erhofften einzelfall...

was allerdings beunruhigt, ist die tatsache, dass es leute zu geben scheint, die unterbergers sicht nicht als befremdlich empfinden, und das ist die eigentliche unfassbare gruselgeschichte dabei.

TheGenderManCan
20
23.3.2010, 11:12
Man muss da unwillkürlich an die Damenmannschaft, 'tschuldigung, Damenfrauschaft

drüben bei diestandrad denken...

weg
12
22.3.2010, 19:06
Fuer 120 Euro pro Jahr

bekommt man als Student ein Jahresabo der Presse. Ich frage mich, ob Unterbergers Tagebuch ebenso umfangreich und informativ ist.

Wolf X
10
22.3.2010, 18:53
In höchstem Maße uninteressant.

Der Blog und dieser Werbeartikel.

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