Wiener Grüne planen Anzeige

19. März 2010, 13:37
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Vassilakou ortet schweren Amtsmissbrauch, mehrfache Nötigung und Körperverletzung - "Trauermarsch" der Augarten-Initiativen am Samstag

Wien - Der Konflikt um den am Augartenspitz geplanten Konzertsaal der Wiener Sängerknaben geht nach erfolgter Räumung und Rodung des Geländes in die nächste Runde: Die Wiener Grünen haben eine Strafanzeige wegen mehrfacher Nötigung, Körperverletzung, Unterlassung von Hilfeleistung und Missbrauch der Amtsgewalt vorbereitet, die kommende Woche an die Staatsanwaltschaft übergeben werden soll. "Die Polizei war anwesend und schaute grinsend zu wie vor ihren Augen eine strafbare Handlung vollzogen wurde", kritisierte Klubobfrau Maria Vassilakou am Freitag die Vorgehensweise bei der Entfernung der Baugegner am 8. und 9. März.

Die Mitarbeiter der privaten Security-Firma, die das Areal am Augartenspitz bewachen, dürften Personen nur am Zutritt hindern, diese aber im Unterschied zur Polizei nicht selbst entfernen, erklärte die Politikerin. Die Polizei habe ihrerseits nur zugeschaut und die geforderte Hilfeleistung unterlassen. Es sei zu tätlichen Angriffen auf die Aktionisten gekommen, verwies Vassilakou auf ein mitgebrachtes Fotos, das sie gemeinsam mit anderen Grünen und dem Schriftsteller Robert Schindel, seinerseits ein Pate eines der gefällten Bäume, präsentierte.

"Häupl hat hunderte Menschen hinters Licht geführt"

Massive Kritik übte Vassilakou an Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der "hunderte Menschen monatelang hinters Licht geführt" habe. Zwar habe Häupl stets beteuert, dass keinen Polizeieinsatz, sondern einen Dialog und eine friedliche Lösung wolle. Nun sehe man das Ergebnis, verwies Vassilakou auf den Stacheldraht, der um das Bauareal angebracht wurde: "Wir haben aufgegeben, uns irgendetwas vom Bürgermeister zu erwarten." Dennoch habe man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, zumindest mit dem Investor und den Sängerknaben in einen Dialog zu treten. "Erst wenn die Bagger anrollen und der Zement im Boden versenkt ist, kann man die Sache nicht mehr umkehren", soVassilakou gegenüber derStandard.at. 

Weiterhin gegen eine Verbauung am Augartenspitz machen sich auch Bürgerinitiativen wie das Josefenische Erlustigungskomitee stark. Diese planen für Samstag, 20. März, einen "Trauermarsch", bei dem der "Baummord" beklagt werden soll. Treffpunkt ist um 10 Uhr in der Oberen Augartenstraße 1e und um 11 Uhr am Karmelitermarkt. Die Runde soll auch durch die Innenstadt führen. (glicka, derStandard.at, 19. März 2010)

  • Maria Vassilakou und Robert Schindel präsentieren ein Foto von der jüngsten Räumung am Augartenspitz.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Maria Vassilakou und Robert Schindel präsentieren ein Foto von der jüngsten Räumung am Augartenspitz.

  • Kommende Woche wollen die Wiener Grünen eine Strafanzeige wegen mehrfacher Nötigung, Körperverletzung, Unterlassung von Hilfeleistung und Missbrauch der Amtsgewalt einbringen.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Kommende Woche wollen die Wiener Grünen eine Strafanzeige wegen mehrfacher Nötigung, Körperverletzung, Unterlassung von Hilfeleistung und Missbrauch der Amtsgewalt einbringen.

  • Das gerodete Areal am Augartenspitz, wo ein umstrittener Konzertsaal der Wiener Sängerknaben entstehen soll.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Das gerodete Areal am Augartenspitz, wo ein umstrittener Konzertsaal der Wiener Sängerknaben entstehen soll.

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