"Journalism 2020"

Viel stärker mit den Lesern kommunizieren

19. März 2010 11:30
  • Alan Rusbridger (Guardian) und Wolfgang Blau (Zeit Online), die vom Medienhaus Wien nach Österreich geholt wurden, über die Zukunft des Journalismus.

  • Wie sieht für Sie die Zukunft des Journalismus aus? Kaltenbrunner, Weissenberger, Ritterband, Brandner-Radinger, Christl im derStandard.at-Interview.

"Zeit Online"-Chefredakteur Blau: Bürgerjournalismus oder Blogger nicht minder schätzen - "Guardian"-Chef Rusbridger: Neue Kommunikationsmöglichkeiten als Gewinn - Mit Videos

Ob klassische Medien das digitale Zeitalter überleben werden wie sich Zeitungen samt ihren Redaktionen ins Web integrieren können, wird derzeit bei einer internationalen Fachkonferenz in Wien erörtert. Unter dem Titel "Journalism 2020" diskutieren Experten mögliche Szenarien und berichten von eigenen Erfahrungen. Zwei Protagonisten, der Chefredakteur des britischen "Guardian", Alan Rusbridger, und der Chefredakteur von "Zeit Online", Wolfgang Blau, wurden dabei vom Medienhaus Wien in das Bundeskanzleramt geholt und diskutierten darüber bereits bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstag.

Blau: Blogger nicht minder schätzen

Demzufolge haben die Printredaktionen in den kommenden Jahren viel aufzuholen: Blau plädierte dafür, dass man den Bürgerjournalismus oder die Blogger nicht minder schätzen solle. Er verglich die neuen Journalisten mit Amateurmusikern, die genauso qualitativ hochwertige Musik abliefern könnten. "Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die einzige Möglichkeit, zu musizieren, darin besteht, sich einem Orchester anzuschließen. Das war Journalismus vor zehn Jahren." Analog wandle sich mit den neuen Publizierungsformen auch die Rolle der Journalisten, die heutzutage viel stärker mit ihren Lesern in Feedback treten sollten.

Gerade an Print drohe hier die Zeit vorbeizulaufen, schließlich werde auch in anderen Bereichen viel erfolgreicher mit einem Publikum kommuniziert, so Blau. Als Beispiel nannte er den amerikanischen Elektrogroßmarkt "Best Buy", der seinen Helpdesk bereits über Twitter abwickle.

Rusbridger:  Neue Kommunikationsmöglichkeiten als Gewinn

Rusbridger sieht die neuen Kommunikationsmöglichkeiten ebenfalls als Gewinn. Nicht der Journalismus an sich befinde sich in der Krise, sondern der professionelle, der darauf basiere, für seine Informationsleistungen auch Geld zu bekommen. Die Profijournalisten müssten ihre Qualitäten, nämlich akkurat, schnell und vielseitig berichten zu können, in die Neuen Medien übertragen.

Das Paradoxon, dass die Journalisten selbst den Online-Bereich oft als minderwertigen Arbeitsbereich sehen, führt Blau auf mehrere Faktoren zurück: Einerseits hätten die Onlinemedien wegen geringerer Erlöse auch stets schlechtere Gehälter gezahlt, andererseits hätten viele Printhäuser ihre Internetableger bewusst mehr in Richtung Boulevard positioniert, was auch deren Ansehen geschadet habe. Außerdem hätten viele Journalisten aus den "alten" Medien schlicht Berührungsängste mit Online, weil ihnen die Kompetenz fehlt.

Viele Storys werden aber dennoch den großen Medien erhalten bleiben, glaubt Rusbridger, der dazu das Beispiel eines Bloggers brachte, der etwa von Berichten über die Organisierte Kriminalität zurückschreckte, der "Guardian" jedoch nicht. Die Begründung: "Wir haben Anwälte und er nicht." (APA)

Zum Thema
"Angebot an Leser muss sich radikal verändern" - Alan Rusbridger, Chefredakteur des "Guardian", über unsinnige Bezahlschranken, die geänderten Beziehung zu den Lesern und warum er Mitarbeiter ermutigt, auf Facebook zu sein

TeddyK
21.03.2010 15:42
Eugen Freund über den Journalismus und Neue Medien

Lezte Woche fand eine Veranstaltung mit Eugen Freund und Michael D. Mosettig (PBS, Washington) statt: Changing Media Changing World, wobei es vorallem um das sich durchs Internet ändernde Wirtschaftsmodell des Journalismus ging (sprich gratis Onlinezeitung, unrentable foreign affairs Büros etc.)
Video zu der Diskussion auf etalks.tv:
http://etalks.tv/blog/2010... ing-world/

Christiane Amanpour
 
20.03.2010 21:12
Wie witzig, trocken und konzis der Guardian-Mann ist und wie unangenehm eitel der ZEIT-Mensch!

Also: Viel stärker mit den Lesern kommunizieren. Wird der STANDARD das machen? Da ich auch im Guardian poste, kann ich die Blog-Politik vergleichen:

- Im Guardian kann man nicht zu allen Artikeln posten.
+ Im G. wird jedes Posting SOFORT freigeschaltet, kann aber, wenn es beleidigend ist, im nachhinein von der Redaktion entfernt werden.
+ Im G. hat man viel mehr Platz, um seine Meinung darzulegen.
+ Andere Leser (und zwar alle, nicht nur die angemeldeten) können nur Positiv-Stimmen zu Postings vergeben, es gibt keine Negativ-Stimmen (rote Stricherln). Dadurch haben professionell angestellte Negativ-blogger, blaune Meinungsverbreiter weniger Chance.
- Man kann nicht spezifisch antworten.

Resultat: Höheres Niveau der Diskussion.

W I D E R S T A N D !
21.03.2010 13:09
für mich zählen eher die abgegebenen Anzahl der Stimmen für ein Posting allg. und weniger ob diese positiv oder negativ sind

wenn ich die Postings schnell überfliege, dann lese ich eher die Postings die viele Bewertungen haben, egal ob diese negativ oder positiv sind, bei postings die wenige Bewertungen haben und schon weiter unten sind lese ich eher weniger ... trotzdem finde ich dass nur positiv bewertet werden kann sehr sympathisch, trotzdem sollte man unterschiedliche Bewertungsmöglichkeiten zulassen, damit reizende Postings mir Bedeutung hervorstechen unabhängig davon ob diese der Meinung der Lesern entspricht oder nicht ... also nur positive Stimme oder garkeine Stimme abgeben zu können ist mMn zu wenig ...

Ava Tar
20.03.2010 13:48
Studie: Journalistisches Versagen in Leitmedien (D)

Frankfurt a. M. (9.3.10): Die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner Stiftung hat eine aktuelle Studie mit dem Titel "Wirtschaftsjournalismus in der Krise" publiziert und das Resultat ist ernüchternd: Die Studie spricht von einem Versagen des Wirtschaftsjournalismus in deutschen Leitmedien.

verwenden dazu die Metapher vom "Pfusch am Bau", um die Qualität der Berichterstattung zu beschreiben

http://www.glocalist.com/news/kate... eitmedien/

sehenswert(!): http://www.youtube.com/watch?v=mQ8542fEpBA

Andreas Ilger
19.03.2010 20:56
In der "Zeit" war übrigens ein sehr interessanter Artikel zum Kapitalismus:


http://www.zeit.de/2008/40/Z... 0?page=all

Unten ist da wo das Boot spitz ist
 
19.03.2010 20:21
Der Journalismus der Zukunft wird sich IMO in 3 Sparten aufgliedern ...

1. Printmedien nur noch für die medialen Dinosaurier. Niemand wird in Zeiten des iPad, iInk, iPaper noch banales bedrucktes Papier lesen, ausser ein paar Altfaderischen. Klaro wird der Preis für die Printware in die Höhe rauschen.

Print ist fad, weil tot. Es ist keine Interaktion möglich - und genau das, wird der Boom der Zukunft sein. Damit zu Punkt

2. Interaktive Kommunikation

Onlinemedien, Posten, Foren, Chaten, Twittern, Facebooken usw.

Schon jetzt, so wage ich die Behauptung, erregen die Posting-foren wohl teilweise mehr Aufmerksamkeit als der eigentliche Artikel. (Ein interessanter Schritt dahingehend war ja die Einführung der dezenten Werbebanner zwischen den Postings)

3. All das Neue, das durch neue Technologien erst mög ..

W I D E R S T A N D !
21.03.2010 13:12

auch der kleine Mann soll ein Sprachrohr haben, eine sympathische Entwicklung also für eine gerechterere und frielichere Welt ... den Machtbonzen das Handwerk legen !!!

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