Forscherteam: Die Eigenschaften der Ringe ändern sich über Jahre, Monate oder sogar Tage
Washington - In Saturns Ringen geht es
wilder zu als angenommen. Das zeigen Aufnahmen und Daten der US-europäischen Raumsonde
"Cassini", die seit knapp sechs Jahren um den majestätischen Ringplaneten
kreist. Kollisionen von Eisbrocken sind an der Tagesordnung, kleine Monde
spielen Tauziehen mit dem Ringmaterial und gelegentlich schießen
kanonenkugelartige Objekte durch die äußeren Ringe und verschwinden so schnell,
wie sie aufgetaucht sind. Die Eigenschaften der Ringe ändern sich über Jahre,
Monate oder sogar Tage, wie ein internationales Forscherteam im Fachjournal
"Science" (Bd. 327, S. 1470) berichtet.
"Dieses unruhige System gibt uns ein neues Gefühl dafür, wie es in einem
jungen Sonnensystem zugegangen sein könnte", erläuterte die NASA-Planetenforscherin Linda Spilker. So ähneln viele der beobachteten Prozesse im
Ringsystem des Saturn denen in sogenannten protoplanetaren Scheiben, aus denen
neue Planeten entstehen.
Die Saturnringe bestehen hauptsächlich aus Wassereis-Brocken. Aus "Cassinis"
Nahaufnahmen im nahen Infrarotlicht schließen die Astronomen außerdem auf die
Ursache einer mysteriösen Rotfärbung, die sich durch Teile des Ringsystems
zieht. Vermutlich gehe sie auf Rost oder kleine organische Moleküle zurück, wie
sie auch in rotem Gemüse auf der Erde vorkommen, schreiben die Forscher um Jeff
Cuzzi von der US-Raumfahrtbehörde NASA.
(APA)