Es ist viel zusammengekommen in den rund 20 Jahren, in denen Leo Wallner als Präsident und Heinz Jungwirth als Generalsekretär die Geschicke des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) gemeinsam bestimmten. Zum Beispiel 121 Medaillen sind zusammengekommen, wobei der Anteil des ÖOC an ihrer Erringung naturgemäß umstritten ist. Quasi die Kehrseiten der Medaillen werden nun nach und nach sichtbar und zu einem Fall für den Staatsanwalt. Ein geheimes Verrechnungskonto, fehlende Bilanzerstellung, fehlende Gewinn-Verlust-Rechnung, nicht ordnungsgemäße Buchhaltung, weil die Kassenbücher über vier Jahre nicht auffindbar sind. Der Sumpf sei bis zu 1,3 Millionen Euro tief, wird gemutmaßt, nicht wenig der versickerten Summe stamme aus Steuergeldern. Wie weit Wallner, Jungwirth oder die fristlos entlassene stellvertretende Generalsekretärin Manuela Kovarik im Sumpf stecken, ist von Gerichten zu klären. Für sie alle gilt die Unschuldsvermutung.
Das Problem des neuen ÖOC-Präsidenten Karl Stoss ist, dass sich die Vergangenheitsbewältigung über Jahre hinziehen kann. Da gerät der proklamierte Neustart durch die Präsentation eines Generalsekretärs seines Vertrauens ins Hintertreffen. Sie wäre übrigens eine treffliche Gelegenheit gewesen, Transparenz zu zeigen, dessen Gage offenzulegen und im schlimmsten Fall eine Neiddebatte zu riskieren. Die hielten das ÖOC und das Land auch noch aus. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe, 19.3.2010)