Das ÖOC hat einen Generalsekretär - Der Vorarlberger Jurist Peter Mennel schupft künftig den Laden
Wien - Für Peter Mennel ist ein Glas niemals halbleer. "Sondern immer halbvoll." Er musste nicht Generalsekretär des ÖOC werden, er wollte es. Dass sein Chef, Präsident Karl Stoss, auch aus Vorarlberg stammt, sei ein geografischer Zufall, habe mit Packelei oder Seilschaft überhaupt nichts zu tun. "Ich gehöre zu keiner Seilschaft, Seilschaften gibt es nur am Berg." Der 54-jährige Jurist Mennel erzählt, dass er den 8201 Meter hohen Cho Oyu bestiegen hat. Ohne zusätzlichen Sauerstoff. Und ohne Stoss. "Wir waren gemeinsam auf dem Kilimandscharo. Das war eine größere Gruppe aus Vorarlberg. Ich kenne Stoss seit 22 Jahren, der Kontakt war sporadisch, sprachliche Probleme gab es nie."
Ab 1. Juni wird der Kontakt sehr regelmäßig sein, an diesem Tag tritt Mennel sein Amt an. Weshalb er sich das antut, schließlich genießt das ÖÖC den Ruf eines mittelgroßen Sauhaufens (Schwarzgeldkonten etc.), und er den Job als Vorstands-Vorsitzender der Sparkasse Bregenz sausen lässt? "Weil ich Herausforderungen liebe, gestalten möchte und Lust verspürte, etwas anderes zu tun." Der Abschied aus der Sparkasse sei beschlossen gewesen, "lange bevor ich das Inserat vom ÖOC gelesen habe. Das Anforderungsprofil war mir auf den Leib geschnitten." 107 Bewerbungen sind eingetrudelt, mit 25 Kandidaten wurde gesprochen, sieben kamen in die Auswahl, der Vorstand entschied einstimmig für den Bregenzer.
Dem Standard sagte Mennel nicht, wie viel er als Generalsekretär verdient, "obwohl ich kein Gegner von Transparenz bin. Ich verdiene so viel, dass ich davon leben kann. Es zählt nicht immer nur das Geld, sondern besonders die Herausforderung und die Aufgabe." Mennel, verheiratet mit der Ex-Skirennläuferin Martina Ellmer und Vater von zwei Töchtern, kennt sich im Sport aus. Aktiv betrieb und betreibt er Paraski (Kombination aus Fallschirmspringen und Riesentorlauf), im Freifall-formationsspringen war er siebenmal Staatsmeister, den Helikopter steuert er äußerst präzise. Passiv ist Mennel ein recht aktiver Funktionär, Vizepräsident des Vorarlberger Skiverbandes und Finanzreferent des österreichischen. Mennel: "Ich bin kein Multifunktionär, kenne aber die Probleme der Vereine und der Sportler."
Dass ihn ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel quasi als Vertrauensmann in das ÖOC gehievt hat, sei blanker Unsinn. "Schröcksnadel war überrascht. Seilschaften gibt es nur am Berg." Parteipolitisch gesehen ist das ÖOC nun völlig schwarz eingefärbt (Vorarlberger sind eben selten rot). Mennel vernachlässigt das: "Natürlich ist Politik Bestandteil des Lebens. Aber im Sport spielt sie keine Rolle." Er glaube an die Ideale des Sports. "Er lehrt dich, mit Niederlagen und Siegen umzugehen." Wie er die Rolle des ÖÖC sieht? "Ein Bindeglied des Spitzensports zu den Fachverbänden."
Natürlich gelte es, die Vergangenheit aufzuarbeiten. "Aber ich schaue in die Zukunft. Die Vergangenheit lässt sich ja nicht mehr gestalten. Um die kümmert sich die Staatsanwaltschaft."
Eine interne Untersuchungskommission hat diverse Fehlverrechnungen festgestellt, die stellvertretende und zeichnungsberechtigte Generalsekretärin Manuela Kovarik wurde fristlos entlassen. Für sie und auch den ehemaligen Generalsekretär Heinz Jungwirth gilt die Unschuldsvermutung. Minister Norbert Darabos wird überprüfen lassen, ob auch Bundesmittel versickert sind. Mennel: "Ich werde durch Taten überzeugen." Schließlich sei ein Glas niemals halbleer. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 19.3.2010)