Der Tod eines Ultras

18. März 2010, 18:49
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    foto: reuters/fuentes

    In Paris geraten die Hooligans regelmäßig außer Kontrolle. Auch nach dem Spiel gegen Marseille kam es zu Ausschreitungen

Beim Fußballklub Paris-Saint-Germain bekriegen sich die "weiße" und die "ethnische" Tribüne bis aufs Blut. Ein Todesfall heizt den Regionalwahlkampf an

Yann L., auch bekannt als der dicke Yann, starb im Fronteinsatz. Er nahm teil an einem Angriff seiner Sturmtruppe, verlor aber im Schlachtgetümmel den Kontakt mit ihr. Nach Berichten seiner Mitstreiter wurde der 37-Jährige regelrecht "gelyncht" , an jenem 28. Februar im Parc des Princes bei einem Heimspiel von PSG gegen Olympique Marseille. Unter anderem mit einem Hirnödem ins Spital eingeliefert, vegetierte der Fußballfan im Koma, bis er in der Nacht auf Donnerstag seinen letzten Atemzug tat.

Yann L. gehörte zum "Kop de Boulogne" , einem militanten PSG-Fanklub rechtsextremer Neigung. Die nur selten kahlrasierten Mitglieder stammen aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Parc des Princes, dem vornehmen Pariser 16. Stadtbezirk. Früher nannten sie sich "Boulogne Boys" ; dieser Verein wurde aber 2008 amtlich aufgelöst, weil er die Gegner aus dem nordfranzösischen Lens auf einem riesigen Transparent als "Pädophile, Arbeitslose und Inzüchtler" begrüßt hatte. Zwei Jahre vorher war ein Boulogne-Boy von einem als "Drecksneger" beschimpften und körperlich bedrängten Polizisten erschossen worden, der einen israelischen Fan von Tel Aviv gegen den Mob schützte.

Noch lieber als Juden, Schwarze oder Marseille-Fans knöpfen sich die Boulogne-Kops Anhänger des eigenen Klubs vor: Seit Jahren liefern sie sich mit dem gegenüberliegenden Fanklub im Prinzenpark blutige Kämpfe. Diese Auteuil-Tribüne besteht vor allem aus Jugendlichen der Pariser Vorstädte und Immigrantenviertel. Sie ist nicht rein weiß wie "Boulogne" , sondern kosmopolitisch, antirassistisch und vor allem anti-Boulogne.

Früher stark in der Minderheit, geben die Auteuil-Boys heute gern zurück, wenn ihnen vom anderen Stadionende beleidigende Schlachtgesänge und Affenschreie herüberwehen. Oft ist das Match der hochbezahlten, aber mäßig erfolgreichen PSG-Stars nur das Vorspiel. Danach vereinbaren die harten Kerne von Boulogne und Auteil Ort, Zeit und Mannschaftsstärke für eine Massenkeilerei mit bloßen Fäusten. Die Marseille-Fans, wahrlich auch keine Chorknaben, hatten von einem neuen "Fight" gehört und waren am 28. Februar gar nicht erst nach Paris gekommen. Umso herzhafter prügelten die beiden PSG-Flügel aufeinander ein. Gegen die Hooligans waren 1500 gut ausgerüstete Polizisten nicht viel mehr als Statisten.

Der Soziologe Nicolas Hourcade führt den Bruderkrieg im PSG darauf zurück, dass Paris im Unterschied zu Metropolen wie London oder Madrid nur einen Stadtklub habe. Nicht einmal der Tod eines Ultras im Jahr 2006 vermochte die Lage zu beruhigen. Die Direktion des PSG hat einiges unternommen; bei Auswärtsspielen werden vielen Fans keine Tickets verkauft, denn dort sind die Boulogne- und Auteuil-Kops nicht einmal durch Tribünen getrennt. Das nützt aber auch nicht viel.

Wenige Stunden nach dem Ableben von Yann L. kündigte Innenminister Brice Hortefeux "starke Initiativen" an, damit auch "Familien" wieder Fußballspiele besuchen könnten. "Ich will die, die ich Stadionschurken nenne, außer Gefecht setzen." Er habe 662 Fans mit einem Stadionverbot belegt, und der PSG werde die drei nächsten Spiele ohne Zuschauer austragen müssen, ergänzte Hortefeux, der enger Vertrauter von Präsident Nicolas Sarkozy ist.

Vor dem zweiten Durchgang der Regionalwahlen am Sonntag wirft die Linksopposition Sarkozy und Hortefeux vor, sie benützten den Fußballtod, um mit dem Thema Sicherheit auf Stimmenfang zu gehen. Das Problem liege eher darin, dass die PSG-Leitung, die der Sarkozy-Partei UMP nahesteht, die ethnischen Spannungen in den Tribünen zu lange verdrängt habe. Jetzt sei es zu spät. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD Printausgabe, 19.3.2010)

Kommentar posten
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Interista66
10
22.3.2010, 16:06
bravo sarkozy

ich finde toll, wie sich jetzt sogar Sarkozy, bekennender PSG fan, dafuer einsetzt, die pruegelhorden aus den franzoesischen stadien zu verbannen.

a lang!... hat heada...
00
23.3.2010, 12:44

jouh, jetzt wo er die stimmen braucht...

davor wars ihm egal... genauso wie der psg-führung.

Thomas Jandl
00
22.3.2010, 04:26

Was ist denn mit Racing Paris passiert?

team trash
01
21.3.2010, 15:38

ein klub in paris stimmt so nicht ganz - es gibt nämlich auch noch den PARIS FC, der seines zeichens eher dahinvegetiert in der national (d3), also der dritten division...ist auch etwas älter als psg, der ja eigentlich nur gegründet wurde um paris wieder einen (finanz)potenten erstligisten zu verschaffen...(psg ist für mich seit 1996 sowieso ein schwarzes tuch)

Schamotnik
00
20.3.2010, 17:56
Schlecht recherchiert und polemisch

Der Artikel ist ein ziemlich Frechheit. Schlecht recherchiert und gespickt mit Fehlern und Vereinfachungen (zb Kop of Boulogne ist kein Fanclub, sondern ein Tribüne).
Der "Journalist" hat scheinbar einfach nur aus den französischen Zeitungen abgeschrieben(und das auch noch schlecht), die auch gerne alles schwarz/weiß bzw. gut/böse sehen und den Konflikt anheizen um Zeitungen zu verkaufen.

Wer sich für das Thema interessiert und französisch versteht sollte zb hier nachlesen. Ist kurz vor den jüngsten Ereignissen verfasst worden und fasst das Ganze ganz gut zusammen
http://www.sofoot.com/paris-br-... ticle.html
So foot kann man übrigens ungefähr mit dem Ballesterer vergleichen.

peppi duck
00
29.3.2010, 15:17

Danke, doch leider kann ich kein französisch... :-(

Schamotnik
00
20.3.2010, 17:42
Schlecht recherchiert und polemisch

Hab selten einen so schlecht recherchierten Artikel zu dieser Thematik gesehen. Abgesehen von den Fehlern im Artikel (zB Kop of Boulogne ist kein Fanclub).
Die Sache ist definitiv komplizierter und nicht so einfach wie sie hier dargestellt wird.
Der Journalist hat sich scheinbar nicht mit der Thematik beschäftigt und einfach nur die Texte der französischen Zeitung reproduziert, die auch sehr gerne alles vereinfachen.
Wer sich für das Thema interessiert sollte sich bitte darüber auf Seiten/Magazinen informieren, die was davon verstehen. Hier ist ein guter Artikel (auf Französisch) von "So Foot", der kurz vor den jüngsten Ereignissen verfasst wurde und es gut erklärt. http://bit.ly/dyZ36h

politisch verfolgt
01
20.3.2010, 01:08
als fußballfan

berührt mich das immer sehr unangenehm, wenn jemand im zusammenhang mit einem fußballspiel schwer verletzt wird oder gar stirbt, auch wenn mir klar ist, daß der fußball in diesen fällen nur vorwand für dahinterliegende soziale spannungen ist. trotzdem wird fußballhassern damit ein vorwand gegeben, fußball schlecht zu machen und nicht als wirkung, sondern als ursache darzustellen.

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
10
22.3.2010, 22:39

Hasser wirds immer geben und Vorwände wirds immer geben...

rough_rider
01
20.3.2010, 00:17
auf google suchen

"the real football factories"

dann sich nochmal über ein rapid/austria/sturm/salzburg spiel bei dem nachher ein bissl die fäuste fliegen KÖNNEN (!) aufregen ;-)

eine vereinbarte massenschlägerei? nur mit fäusten? soll sein - und wenn einer am boden liegt, ist dieser kampf beendet. aber solche auswüchse von gewalt mit todesfolge oder schweren verletzungen sind mir ein rätsel, in polen haben die verfeindeten firmen sowieso nur noch messer dabei... krank.

deiml
00
20.3.2010, 06:20

das was du meinst nennt sich boxen und kann in -man höre und staune- klubs betrieben werden.

Waach Birn
00
29.3.2010, 18:42
Sicher kein Boxen

Boxen ist der faire Kampf Mann gegen Mann mit klaren Regeln. Da kannst Du dich nicht hinter der Masse oder Drogen und Alkohol verstecken. Diese gewaltätigen ziellosen Menschen würden im Ring nicht lange im Ring durchhalten.

rough_rider
00
20.3.2010, 13:12

also ich war noch nie bei einer massenschlägerei dabei - aber ich denke doch, dass der vergleich mit "boxen" hinkt. es ist nicht mann gegen mann im eigentlichen sinn, es ist gruppe A vs. gruppe B - eine schlacht im grunde.

glaube schon, dass der adrenalinspiegel ein anderer ist...

deiml
00
20.3.2010, 15:33

ich wollte auch nur der romantisierenden beschreibung von rough_rider entgegenwirken.

rough_rider
00
20.3.2010, 18:06

also von mir ;-)

Feigenbauer
11
19.3.2010, 19:17
bin gespannt ob des durch die zensur kommt...

...aber:
Paris Skinhead Glory

http://www.myspace.com/hardtimesxparis

gute band und sympatische typen.

NickyBilly
00
23.3.2010, 22:44
Was hat diese Band mit PSG zu tun?

Diese (linken) Skins mögen zwar PSG Fans sein, aber mit den Hools von KOB und Auteil haben Skinheads heutzutage nichts zu tun.
Im KOB trifft man wenn überhaupt rechte Skins, und in der Auteil eher agressive Fans im Hip-Hop Look.
Zudem sind in FR die rechten Fans eher im Casual Stil anzutreffen, weniger mit Boots & Braces.


Feigenbauer
00
24.3.2010, 03:10

naja, links würde ich sie nicht bezeichnen, aber sicher nicht rechtsextrem.

ich habe nur die band gepostet, da sie ihre band-shirts im psg-look haben.

bimsitzer
02
19.3.2010, 17:38
wahnsinn

das niveau hier, befindet sich irgendwo zwischen fpö und paris hilton! sachliche diskussion...nicht vorhanden...v.a. nur weil die leute anonym sind, braucht hier niemand irgendwen persönlich angreifen!!!
Das problem: schlägernde menschen!
Wir wollen lösungsansätze, sonst nichts...

marty fink
10
19.3.2010, 16:52
Einen schönen Ort für einen Fight der Deppen vereinbaren

Bombe abwerfen!

FrostY Iceberg
00
19.3.2010, 15:33

Wir kommen immer mehr unter die Räder,

andreas breitwieser
00
19.3.2010, 15:43

Multikulti in PARIS funktioniert einfach !?!?!

rorschach
00
19.3.2010, 15:37
wer ist wir?

molekühl
00
19.3.2010, 15:14

Aha, ein "kosmopolitischer, antirassistischer und vor allem anti-Boulogne"-Schlägertrupp gehört also zu den Guten?

deiml
00
19.3.2010, 15:09

gott sei dank gibts überall auf der welt ultras, sonst wäre das leben dann doch zu einfach.


*Achtung Ironie.


Aber mal im ernst: man sieht das dieser blödsinn meistens nur wenig mit dem klub an sich zu tun haben. weils keinen 2. klub gibt dreschen sie sich untereinander. das sind die momente in denen man am "vernunftbegabten menschen" zweifelt.

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