Raimundtheater

Hitfabrik auf dem Musicaldampfer

18. März 2010 17:30
  • Artikelbild
    Foto: apa

    Von Kopf bis Fuß auf Berührung eingestellt: Alex Staudach (Andreas Lichtenberger) und Lisa Wartberg (Ann Mandrella), die eigentlich die Senioren Otto und Maria zur Vernunft bringen wollten.

Das Udo-Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York": Die Verbindung von Schlager und Story funktioniert auch dank einer flotten Inszenierung erstaunlich gut

Wien - Alles wird gut bei den Vereinigten Bühnen Wien - in den nächsten Monaten jedenfalls. Es wird nicht erforderlich sein, Herrn Udo zu bitten, Peter Fröhlich (sympathisch als Otto Staudach) zu ersetzen, um allabendlich als Senior ein Altersheim mit einem Riesendampfer zu tauschen. Und es wird nicht nötig sein, nach der Vorstellung Herrn Udos Klavier auf die Bühne zu schieben, damit er solo - ticketverkaufankurbelnd - dem Musical weitere Hits nachwirft.

Man wird das Musical somit nicht auf Aber bitte mit Udo umtaufen müssen; und auch die Eröffnungsnummer wird einmalig bleiben: Nachdem Intendantin Kathrin Zechner Herrn Udo dankbare Worte entgegengehaucht hatte, schritt Herr Udo als letzter Premierenbesucher, professionell dankend, zum Sitzplatz. Und es erhoben sich also noch vor dem ersten Ton alle - von Assinger bis Vranitzky - zwecks Standing Ovations für den Hitlieferanten, der dann aber keine Dankesrede hielt. Hilfe wird also nicht nötig sein. Ich war noch niemals in New York, dieses um Udo Jürgens' Lebensschlagerwerk gebaute Musical, ist schließlich eine selbsttragende Boulevardkomödie professionellen Zuschnitts.

Bis zur Pause will man seinen Sinnen nicht trauen: Wie elegant die hochgejazzten und verrockten Evergreens, jene sie zusammenbindenden Arrangements (Michael Reed / Roy Moore), die mitunter auch witzigen Dialoge (Barylli/Struppeck) und die Choreografien (Kim Duddy) plus Videospielereien miteinander korrespondieren - das erzeugte jene kurzweilige Kompaktheit, die nur von historischen Glanzstücken des Genres her bekannt ist.

Die Musik ist auf dem Dampfer der Nostalgie unterwegs, mitunter glaubt man: Gleich kommt Peter Alexander in den Seniorenclub - und an seiner Seite strahlt Anneliese Rothenberger. Der Sound verweilt allerdings nicht in den 1970er-TV-Jahren. Und auch Regisseurin Carline Brouwer tut dies nicht. Sie setzt auf fetzige Revuenummern, die an Musicals wie Chorus Line und manches aus den 1980er-Jahren erinnern.

Und wenn Lisa (glänzend herrisch bis romantisch Ann Mandrella) und Axel (tadellos, mit einem Hauch von Udo in der Stimme: Andreas Lichtenberger) von Wien nach Genua rasen, um das Traumschiff zu erwischen, auf dem die Älteren, Otto und Maria (ebenfalls sympathisch Hertha Schell), feiern, sieht man die Chaosreise auf einem Riesennavigerät geografisch präsentiert - und hat das Gefühl, das Musical besuche - originell - auch die Gegenwart.

Natürlich: Nach der Pause wird evident, dass die Story mitunter hingebogen werden musste, um einem bestimmten Song einen Auftritt zu verschaffen. Auch da gelingt es dem nicht ironiefreien Generationentreffen zwischendurch allerdings, den Schlagereinsatz in den Dienst szenischer Pointen zu stellen. Wenn etwa Merci Cherie aus Alex als ungelenk gestotterte Anbandelungsarie an die ORF-Moderatorin Lisa (die den Romy-Preis ersehnt und auch bekommt) herausplumpst, ist das eine delikate Verschmelzung von Musik, Text und Darstellung.

Weniger bei Griechischer Wein. Aber selbst diese Szene, bei der sich Fred (Andreas Bieber) an die erste Begegnung mit Costa (Gianni Meurer) erinnert, ist unter Blödelspaß zu verbuchen, zumal das schwule Pärchen in guten Darstellerhänden ist. Wie überhaupt: Das Ensemble ist schwächelos unterwegs. Schließlich: Wo die Generationendialoge zu lang wirken, tröstet man sich mit dem opulenten, schnell wechselnden Bühnenbild (David Gallo). Gerät dieses zu kitschig, lenkt man seine Aufmerksamkeit eben auf die Hitmusik, die das eigentliche Fundament dieses Recyclicals und beim Orchester der Vereinigten Büh-nen Wien (unter Dirigent Koen Schoots) gut aufgehoben ist.

Und hat man zum Schluss schon langsam genug von Versöhnungsromantik und Liebesentscheidung, hilft es, zu wissen, dass alles bald vorbei ist. Viel wichtiger: Eine Jürgens-Jukebox hat offenbar spät eine adäquate Musicalheimat gefunden. Jetzt muss Wien nur noch Hamburg werden, wo angeblich eine Million zusah. Wer keine Karten bekommt, der hört Jürgens solo: am 11. 9., Römersteinbruch St. Margarethen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 19.03.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
muppetbasher
19.03.2010 19:00
ich war auch da!

Ich bin sicher, wenn der Herr Tosic mir im Geheimen sagen können würde, was er wirklich von dem Gträllere hält, kämen wir zum selben Ergebnis: "Ein nichtendes Nichts"!
Eine Million Fliegen können nicht irren...... grrrrrrr

Daruma-San
20.03.2010 11:09

1) Sie waren sicher nicht da
2) Es waren auch keine Fliegen da
3) Einfach bashen macht Ihnen sichtlich Spass
Wozu das Ganze...

. Regenbogenfrau
19.03.2010 17:21
Also ich freue mich einfach für

Herrnn Jürgens, dass er das zu Lebzeiten erleben darf.
Das ist ja leider vielen Künstlern in Österreich nicht gegönnt. Er hat doch so viele Ohrwürmer geschrieben, viele davon kann ich einfach so auf Anhieb mitsingen und das hat schon eine gewisse Qualität, da er ja leider nicht so besonders häufig im Radio gespielt wird.

pretty1
19.03.2010 13:43
An alle Poster: hingehen, anschauen und ein Top-Musical mit Broadway-Qualität geniessen !

Leute, die Musicals ablehnen: bitte um etwas Objektivität für andere Meinungen !

Mahtrix
21.03.2010 02:18

ich les immer musical? Sie haben da wohl etwas falsch verstanden. Das ist bestenfalls eine Revue.

Lethawae
19.03.2010 15:55

Aber die Hintergrundgeschichte ist hanebüchen wie nur was - das muss bei aller Objektivität auch mal gesagt werden.

light sleeper
19.03.2010 10:33

jaja, macht mal wieder alles schlecht.
besser als jeder musikantenstadl ist es allemal.
und der wird auch subventioniert. von uns gis-bezahlern.

e22
19.03.2010 10:19
Otto kannte schon vor Jahren das Musical


Jürgens sprach zur Gitte: Lass das Gewürge, bitte
darauf
Gitte zu Jürgens: Wenn Du singst, dann muss ich würgen.

Der Große von Gegenüber
19.03.2010 10:23

Rex Gildo sagt zu Tony Marschall
Ach, leck du mich doch am A..... mal
Drauf Tony Marschall zu Gildo Rex
Aber nur, wenn du mich le.....

wackelkandidat
19.03.2010 13:23

was reimt sich bitte auf Rex?

ich würde Rex Gildo schreiben und dafür eine andere Schlusszeile dichten.

Kräuterpfarrer Escobar
19.03.2010 16:23

"Geht nicht, ich geh heut ins Flex"?

gistof
19.03.2010 09:22
Alles Gute Udo!

Trotz teilweise wirklich genialer Lieder, wird Udo von vielen Seiten als Schlagerbarde abgekanzelt und eigentlich nicht wirklich ernstgenommen. Nach der Lektüre einiger Interviews und dem Studium einiger seiner Texte, sollte eigentlich klar sein, dass er nicht nur finanziell erfolgreicher und künstlerisch wertvoller ist, sondern auch 10x mehr im Hirn hat als Pluhar, Bergdoktor, Eckert & Konsorten.

Kendall Von Tharn
19.03.2010 15:46

ja, er ist aber auch ein sehr guter pianist, den der selige karajan tatsächlich holen wollte

Tethys
19.03.2010 10:04
dem Studium einiger seiner Texte

Petzi?

gistof
19.03.2010 11:25
Nein der sitzt gerade im ungefährlichen Solarium

buena1vista1
19.03.2010 08:24
Also ...

ich verwehre mich gegen: MUSICAL!

Das sind Udo Jürgens Schlager (heute wie gestern) in einer Art "Revue" in der der wahllos diese SCHLAGER aneinandergereiht wurden.

Warum alle vom Musical sprechen ist mir unerklärlich!

Stahl_____666
19.03.2010 12:23
.

Also dass diese speziellen Titel Schlager (engl. Hits) sind mag ja zutreffen, aber Udo Jürgens würde ich trotzdem nie in die Schublade der Schlagerfuzzies stecken.

Timagoras
 
19.03.2010 09:57
"Schlager (heute wie gestern) in einer Art "Revue" in der der wahllos diese SCHLAGER aneinandergereiht wurden"


das war und ist doch bei vielen musicals (und operetten) so.

wo ist das problem?

Yaketi Yak
18.03.2010 20:49
nebstbei

In Hamburg, einer Stadt, die kleiner ist als Wien, war das Musical ein Riesengeschäft. In Wien dagegen müssen Millionen aus dem Kulturbudget der Stadt Wien in die Musical-Struktur hineingebuttert werden. Warum?

Lethawae
18.03.2010 22:05

Hä?
Hamburg ist von der Fläche her größer (750 qkm gegen 420 qkm) und hat mehr Einwohner (1,775 Mio gegen 1,7 Mio).

Yaketi Yak
19.03.2010 01:14

Hamburg ist von der Fläche her größer, stimmt. Aber von der demoskopischen Entwicklung her ist Wien gerade dabei, Hamburg zu überholen (oder hat es bereits getan; der Großraum Wien sowieso). Egal: in der einen Stadt ist das Udo-Musical ein privat finanzirter kommerzieller Erfolg, in der anderen eine hochsubventionierte Übernahme.

»Krawuzikapuzi«
19.03.2010 15:33
Größe ist relativ

Wenn man die riesigen Wasserflächen Hamburgs abzieht, relativiert sich der Größenvergleich Hamburg-Wien allerdings beträchtlich. Wien hat dafür große Waldflächen, die man natürlich wesentlich besser nutzen kann...

Daruma-San
19.03.2010 10:37

Privat finanziert stimmt leider auch in Hamburg überhaupt nicht!
Es kommt nicht darauf an, wie man Subventionen betitelt, ausweist, versteckt....
Sie fliesen, und zwar weltweit in jedem Theater und Opernhaus.

Yaketi Yak
19.03.2010 09:18

Aber Hamburg und Wien wachsen eh zusammen: http://ow.ly/1oa09

Longear Productions
 
18.03.2010 21:25
stimmt: Warum Subventionen für Hit-Recycling?

Versteh ich das richtig: Man wiederverwertet mit dieser Produktion wirtschaftlich erfolgreiche Produkte (=die Lieder von Udo) zu einem neuen Produkt (=dem Musical), um noch mehr Geld zu verdienen. Und dafür werden Steuergelder bereit gestellt? Kann mir das jemand bestätigen? Wenn das stimmt, ist das doch ein riesen Skandal!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.