Armenien bekennt sich zu weiterer Normalisierung der Beziehungen
Eriwan/Moskau - Armenien hat dem türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan politische Brandstiftung
vorgeworfen. Erdogans Drohung, 100.000 illegal in der Türkei lebende
Armenier auszuweisen, gefährde die Wiederannäherung beider Völker,
warnte der armenische Außenminister Edward Nalbandjan in Eriwan. "Mit
solchen Erklärungen begannen jene Ereignisse, die zum Völkermord an
den Armeniern im Jahr 1915 führten", sagte der Minister am Donnerstag
nach Angaben der Agentur Arminfo. Nalbandjan betonte, dass Armenien
weiter an der Normalisierung der Beziehungen zur Türkei arbeiten
wolle.
In einem BBC-Interview hatte Erdogan erklärt: "Derzeit leben
170.000 Armenier in unserem Land. Davon sind nur 70.000 türkische
Bürger. Aber wir dulden den Rest. Falls nötig, muss ich diese 100.000
vielleicht auffordern, in ihr Land zurückzukehren, weil sie nicht
meine Bürger sind."
Belastetes Verhältnis
Der schwedische Reichstag und der Auswärtige Ausschuss des
US-Repräsentantenhauses hatten die Verfolgung der Armenier im
Osmanischen Reich unlängst als Genozid bewertet und damit das
Verhältnis zur Türkei belastet. Erdogan erklärte in einem
Radiointerview, dass diese Resolutionen vor allem Armenien selbst
schaden würden.
"Die Aussage des türkischen Premiers, der mit der Ausweisung
von
hunderttausend ArmenierInnen droht, heizt den schwelenden Konflikt
völlig unnötig an und ist mit den EU-Beitrittsbestrebungen dieses
Landes nicht kompatibel," kritisiert Ulrike Lunacek, außenpolitische
Sprecherin der Grünen Fraktion im Europaparlament in einer
Aussendung. Genauso sei eine solche Drohung nicht im Sinne des
Türkei-Armenien-Abkommens zur Öffnung der Grenzen, das vor wenigen
Monaten abgeschlossen wurde. "Premier Erdogan sollte vielmehr die
zaghaften Ansätze zur Anerkennung des Genozids an den Armeniern im
eigenen Land weiterführen," sagte Lunacek. (APA/dpa)