"Schauplatz": Strache und Skins zum Nachhören

18. März 2010, 17:00
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derStandard.at/Etat liefert den Audiomitschnitt von ORF-Rohmaterial über Neonazis bei FP-Wahlveranstaltung - Keine Spur von "Sieg Heil" oder Aufforderung dazu, wie in FP-Anzeige gegen ORF-Redakteur behauptet

Wien - derStandard.at liefert - links - einen Audiomitschnitt jener Passage bei einer Wahlveranstaltung Heinz-Christian Straches, die einem "Schauplatz"-Redakteur eine Anzeige der FPÖ wegen Wiederbetätigung eingebracht hat. Die FPÖ wirft dem ORF-Journalisten vor, er habe Skinheads Freitag zu einer Wahlveranstaltung Straches in Wiener Neustadt gebracht und sie vor laufender Kamera aufgefordert, "Sieg Heil" zu rufen, als Strache in ihre Nähe kam.

Nach einer Anzeige der FPÖ wegen Wiederbetätigung bzw. Anstiftung dazu stellte die Staatsanwaltschaft das ORF-Band sicher. Der ORF zog wie berichtet Montag eine Kopie und zeigte sie am Donnerstag geladenen Journalisten von APA bis "Krone".

Auf dem vorgeführten Band war von "Sieg Heil" oder ählichen Aufforderungen oder Rufen nichts zu hören (die zentrale Szene daraus finden Sie auf dem Audiomitschnitt). Der ORF-Redakteur forderte die beiden Skins - hörbar - nur mit diesem Satz auf, Strache anzusprechen: "Das könnt's alles dem Herrn Strache sagen, was ihr so wissen wollt's." Mehr über den Inhalt des Bands, Zitate und Bilder finden Sie im TV-Tagebuch.

"Ah - Heinrich Strache!"

Dafür fanden sich auf dem Band durchaus orgiginelle Szenen, wie einer der beiden rätselt, was "H-E Strache" heißen könnte - "ah, Heinrich Strache, Abkürzung". Minuten zuvor wollte derselbe Skin noch ein Autogramm Straches auf seine Jacke, erhielt dann aber doch eine Autogrammkarte, und selbst die schenkte er beim Abgehen weiter, er brauche sie nicht.

Allein während der Vorführung des Bands im ORF versandte die FP drei Aussendungen, Freitag lädt Strache zur Pressekonferenz. ORF und ORF-Redakteur wollten Juristen konsultieren, ob und wie sie auf die FP-Vorwürfe reagieren.

Der ORF-Redakteur zahlte den Skins, die er über Wochen für die "Schauplatz"-Doku begeitete je 100 Euro. Ein Pauschalbetrag zur Abgeltung der Persönlichkeitsrechte, erklärt der ORF. Das sei bei Protagonisten, die nicht als öffentliche Personen bekannt sind, ein standardmäßiger Vorgang. "Dazu gibt es beim ORF ein Formular", sagte Magazinchef Johannes Fischer. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 19.3.2010, online erweitert)

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