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Bildungspolitik der Schlagworte

Teresa Eder, 18. März 2010, 15:47
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    foto: apa/dpa/gentsch

    Erst seit den 70er Jahren wurde Bildung in den politischen Diskurs aufgenommen - das wirkt sich bis heute aus.

Warum speist die Politik den Bildungsbereich mit Lippenbekenntnissen ab? derStandard.at hat nachgefragt

User "Ottothebusdriver" wollte wissen: Warum hat die Politik kein Interesse daran, die Bildung zu fördern? Angst vor Akademikern? derStandard.at hat nachgefragt.

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"Bildung ist wichtig, Bildung ist unsere Zukunft." Lippenbekenntnisse dieser Art hört man in Politikerkreisen regelmäßig. An der Umsetzung allerdings hapert es, wächst doch das Budget nicht mit den notwendigen Kapazitäten im Bildungsbereich mit. Warum scheitern die Bestrebungen in der Praxis?

Hauptursache dafür ist die fehlende Lobby, die in Österreich Druck auf Bildungs- und Wissenschaftsministerin machen könnte. "Es ist in Österreich relativ neu, dass es zumindest Lippenbekenntnisse in Bezug auf Bildung, Wissenschaft und Forschung getätigt werden. Vor zehn Jahren noch kam in keinem Wahlkampf eine Bildungsfrage auf", sagt Ulrike Felt, Professorin für Wissenschaftsforschung an der Universität Wien. Österreich habe dementsprechend viel Nachholbedarf was die öffentliche Debatte zu Bildungsfragen anlange. "Das erklärt natürlich, warum es keine mächtige Lobby gibt, die sich dafür stark macht."

Kurzsichtige Politik

Bildungsinvestitionen sind außerdem immer lang- und mittelfristige Investitionen und daher mit der derzeitigen politischen Kultur nur schwer kompatibel: "Diese Investitionen lassen sich dann nicht innerhalb einzelner Legislaturperioden ausschlachten. Die Politik agiert extrem kurzsichtig, am Wahlkampf orientiert." Deshalb sei der ganze Bereich der Bildung kein politisch mächtiges Thema, so Felt. "Wenn es eine andere Form der Politik gäbe, würden wir Bildung auch höher schätzen."

In Frankreich sei das schon der Fall: "Die Mobilisierung ist hier sehr hoch. Sehr viel mehr Leute sind auch für Bildungspolitik bereit auf die Straße zu gehen, was nicht heißt, dass das a priori gut sein muss." Österreich müsste sich mehr um eine mittelfristige Diskussion bemühen, dann könne auch eine Lobby entstehen. Die vergangenen Bildungsproteste, etwa Lehrer-Streit oder Uni-Besetzung, wertet Felt nicht als Indiz für eine hohe Mobilisierung: "Das ist alles sehr punktuell. In einer Stadt wie Wien gibt es 150.000 Studierende. Wenn dann 5.000 auf die Straße gehen, denke ich mir, wo ist die Mobilisierung?"

Österreichische Eigenheit: Studium als Nebenfahrbahn

Schon seit den 70er Jahren, seit der Öffnung der Universitäten, gibt es im Bildungsbereich Strukturprobleme. Entsprechende Reformen sind ausgeblieben. Allerdings seien diesen nicht allein an der Politik gescheitert: "Bildung ist allgemein etwas, was in Österreich nicht wahnsinnig hoch geschätzt wird. Studieren ist etwas, was man in Österreich nebenher tut, das ist keine Hauptbeschäftigung. Bildung ist eine Nebenfahrbahn", meint Felt. In Kanada etwa muss jeder Student deklarieren, wenn er nicht Vollzeit studiert, und kann deshalb auch nur mit halber Geschwindigkeit seine Curricula bewältigen. "Dass Studierende sich in Lehrveranstaltungen einschreiben und dann nicht auftauchen, das gibt es eigentlich nur hier in Österreich", befindet Felt, die an mehreren internationalen Universitäten gelehrt hat.

Fehlender Diskurs bis in die 70er Jahre

Der stiefmütterliche Stellenwert von Bildungspolitik lässt sich auch mit der österreichischen Geschichte erklären. "An den Universitäten hat nach dem zweiten Weltkrieg kein Umdenken radikalerer Natur stattgefunden. Österreich war winzig, bis in die 70er Jahre gab es keinen politischen Diskurs zur Wissenschaft. Programmatisch erst ab den 90er Jahren, davor war es ein Dahindümpeln", erzählt Felt.

Auch jetzt hinken Bevölkerung und Politik dem raschen Strukturwandel von Bildung hinterher: "Die Matura ist zum Beispiel nicht mehr das wert, was sie früher wert war - das ist noch nicht bei allen angekommen", sagt Felt. Bildung sei heute außerdem kein Wohlstandsgarant mehr, umso mehr jedoch Voraussetzung für eine gute Arbeit. (edt/derStandard.at, 18.03.2010)

Kommentar posten
14 Postings
sonne-licht
 
00
30.9.2010, 21:23
bildung was ist das?

es sollten endlich die pflichten der eltern gegenüber den kindern auch interesse an bildung vorzuzeigen eingefordert werden!

es kann nicht sein, dass alles auf dem rücken des staates und der lehrern geschuldert wird!

es gibt in österreich keine einschränkugen um sich weiterzubilden und trotzdem lassen es viele eltern den kindern über wie sie sich weiterbilden!

des einzige was ich dem staat ankreide ist die unterschiedlichen austattungen und zuschüsse was die schulen bekommen nach interessen!

gerade im elektronikzeitalter ist bildung sehr leicht möglich! es zu begreifen ist eine andere situation
was das umfeld mitbeeinflusst im grossem masse!

spreche da nicht über unis!

adler15
02
21.3.2010, 19:32
Änderung der Bildungspolitik

Frau Schmied versucht die Einführung der gemeinsamen Schule der 6-14 jährigen voranzutreiben. Angesichts dessen, dass viel zuviele am Bildungsweg verlorengehen, jeder 5. Vierzehnjährige nicht sinnerfassend lesen kann (Pearlsstudie) und der Pisatest beschämend schlecht ausgefallen ist, eine gute Idee. Warum sich die ÖVP sträubt: Weil dann die eigenen Kinder stärkere Konkurenz haben. Nach der bisherigen Vorgangsweise werden die 10-jährigen Migrantenkinder und Kinder aus benachteiligten Bildungsschichten aussortiert.
Mit dem neuen System hätten die armen Kinder mehr Zeit, Rückstände aufzuholen. So aber wird Erfolg in der Schule je nach Bildungsschicht der Eltern weitervererbt. Für Österreich ist das fatal. Wer erhält die ganzen Arbeitslosen?

Dante Alighieri
00
20.3.2010, 16:56

Weils dabei um die Zukunft unserer Gesellschaft geht -- um die Förderung von Frauen in Vollzeitarbeit, um die Förderung der Kinder von Einwanderern. Und da gibts in Österreich halt sehr starke politische Kräfte die partout nichts verbessern wollen.

goope
21
19.3.2010, 16:26
Die Bildungsdiskussion hat nichts mit bildungzu tun

sondern nur mit Integration und der Vereinbarkeit von Kind und Beruf

Ich, der sch... Gutmensch
02
21.3.2010, 08:33
Genau, dass man Bildung ermöglicht, darum geht es

goope
00
21.3.2010, 09:10
War das jetzt ein pro oder contra Argument bezüglich meiner Aussage?


Ich bin natürlich auch der Ansicht, dass es primär darum gehen sollte: Wie ermöglicht man die bestmögliche Bildung?

Ich weiß nur nicht ob Ihre Antwort sarkastisch war (im Standard-Forum geh ich prinzipiell davon aus ;) oder ob Sie mir ernsthaft zustimmen.

...sie stimmen mir wirklich zu,stimmts? Gleich den Permalink speichern. Eine nicht sarkastische Antwort..WOW :P

Ich, der sch... Gutmensch
00
21.3.2010, 13:36
war ernst gemeint

Dolph
02
19.3.2010, 08:58
Zitat:

"Bildung ist allgemein etwas, was in Österreich nicht wahnsinnig hoch geschätzt wird." Ich muss leider sagen das ich genau den selben Eindruck habe und das ist wirklich traurig ... Offensichtlich ein gesellschaftliches Problem ...

Round'n'round it goes
03
21.3.2010, 10:00

Als einer der ganz ganz wenigen Studenten in meinem Land-Dorf höre ich nur zu oft "Je länger's lernen, desto deppata werdn's" und "Wer studiert is nur z'faul zum Arbeiten." Ich glaube das drückt ganz gut aus, wie der Durchschnittsösterreicher zu Bildung steht.

Truhe
 
01
18.3.2010, 18:17
Das Bildungssytem leidet unter dem selben Syndrom wie die Verwaltung - warum auch das Gesäusel um eine Verwaltungsreform falsch am Rande der Niedertracht ist.

Beide Systeme sind Parkgaragen für Politpersonal. Beide verfügen über genügend Posten in denen man Parteilinientreue, Wendehalsigkeit und Brems- und Blockadefähigkeiten unter Beweis stellen kann ohne allzuviel Schaden anrichten zu können, oder die (ohnehin kaum vorhandenen) Aufgaben zu vernachlässigen, Besserwisserei ohne Zwang dies auch unter Beweis stellen zu müssen ist die beste Schule für Politiker. Zum anderen sind sie natürlich eiserner Hort von Privilegien die mit Klauen und Zähnen verteidigt werden von jenen die durch das Auswahlraster für die höhere Politclownerie gefallen sind und nun felsenfest davon überzeugt sind dass ihnen zusteht was sie sich erschleimt haben.

Dieter Bergmayr
00
21.3.2010, 14:44
Nicht Bildung WIE Verwaltung

Das österreichische Bildugssystem IST seit Maria Theresia ein Teil des Verrwaltungsapparates und krankt - no na net - auch an den selben Stellen wie dieser.

A Voice
02
19.3.2010, 10:47
und das ist auch

der Grund für die Lippenbekenntnisse. Wer da auch nur zaghaft hintupft wird heftigst beschimpft (siehe Schmied).

Ich gebs zu
01
19.3.2010, 14:20
Ja, die macht ja soviel besser!

Bruhahaha.

Bitte, bitte, klären Sie mich auf: Worin unterscheidet sich Schmieds Bildungspolitik von der ihrer Vorgängerin?

Mir drängen sich nur die Parallelen auf: reformieren (=einsparen), die Lehrer öffentlich schlecht machen, noch mehr einsparen, viiiiiieel Geld für Eigenwerbung ausgeben, wieder einsparen...

A Voice
01
19.3.2010, 21:25
Ich sag ja zaghaft

die Richtung ist zumindest eine andere als die von Gehrer.
Was sich Ihnen aufdrängt könnte an oben erwähnter Propaganda liegen.

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