KÄRNTNER SLOWENEN

Bild des Jammers

17. März 2010 18:52

Es wäre ein guter Zeitpunkt für die Republik, ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen umzusetzen

Heuer jährt sich zum 90. Mal die Kärntner Volksabstimmung, bei der sich die Kärntner Slowenen 1920 mehrheitlich für den Verbleib Südkärntens bei Österreich entschieden haben. Auch der 55. Jahrestag des Staatsvertrags steht an, in dem die Rechte der Slowenen auf Erhalt ihrer Sprache und Kultur festgeschrieben sind. Ein guter Zeitpunkt für die Republik, ihre daraus erwachsenden völkerrechtlichen Verpflichtungen endlich umzusetzen.

Eine Lösung der Ortstafelfrage als Signal wäre daher überfällig. Daraus wird wohl wieder nichts werden, weil die Bundespolitik, die eigentlich dafür zuständig wäre, zu feige ist, sich über Slowenen-Hetzer vor allem im freiheitlichen Lager und über den volkstümelnden Boulevard hinwegzusetzen.

Auch auf der anderen Seite bietet sich ein Bild des Jammers. Da droht der Rat der Kärntner Slowenen wegen der verfehlten Volksgruppenpolitik mit Selbstauflösung. Er propagiert eine neue gemeinsame Vertretungsorganisation, was sinnvoll wäre, bezichtigt aber gleichzeitig die übrigen Slowenenverbände des Verrats, weil sie sich mit dem "reaktionären" Heimatdienst um eine politische Lösung der Ortstafelfrage bemühen. Das ist wahrlich ein schlechter Dienst des Rats an der Volksgruppe, deren Mitglieder vom Selbstdarstellungstrieb ihrer Funktionäre genug haben und fürchten, dass das zweisprachige Kärnten langsam, aber sicher verschwindet. Der Politik wäre das nur recht. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2010)

Kommentar posten
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Karli Kukse
18.03.2010 18:36

grundsätzlich ja gut gemeint von der autorin. das problem ist nur, dass sie, wie die meisten journalisten, die über dieses thema schreiben, kaum an wissen verfügt.

z. b. ist es völlig falsch zu behaupten, die mehrheit der kärntner slowenen hätte 1920 für den verbleib bei österreich gestimmt. 1. hat die mehrheit der kärntner slowenen sicher nicht für österreich gestimmt. es haben ja nicht nur slowenen die abstimmungszone a bewohnt (ergebnis 59% zu 41% für österreich). 2. kann nicht von verbleib gesprochen werden. in der habsburgermonarchie war das gebiet anders administrativ gegliedert

Recke
18.03.2010 18:14
Österreich sollte sich doch einfach ein Musterbeispiel an der Minderheitenpolitik Jugoslawiens nehmen:

Untersteiermark, Cilli, Gottschee und wieder hinauf bis zu Soca usw..
Na ja, vielleicht lieber doch nicht - man soll ja nicht aufrechnen, oder? Meine (Ex-Österreichisch/deutschen) Ahnen kommen übrigens aus Laibach/Ljubljana und Dravograd/Unterdrauburg, die können viel über 2-sprachige Ortstafeln und Minderheitenrechte in Ex-Jugo und sogar im heutigen Slowenien erzählen.

Recke
18.03.2010 18:03
Dreisprachig: z. B. Eisenkappel /celesna kapla / Stahlhelm

+DieMeinung+
18.03.2010 10:48
Geh bitte ...

Ja man müsste sich das mal in New York vorstellen.
Wenn die dort in ALLEN benutzten Sprachen ausschildern würden, na dann gute Nacht.

Man kann seine Kultur & Sprache auch im privaten Kreis pflegen. Es steht jedem frei, sich PRIVAT zu organisieren und Brauchtumspflege nach belieben zu tätigen. Man braucht keine 2 oder bald mehrsprachigen Ortsschilder.

Ich will in Wien auch keine türkischen Ortsnamen, nur weil es Prozentual notwendig/möglich wäre.

Pat77
22.03.2010 19:09

Kärntner, stimmt´s?

Meine Wenigkeit mit viel Senf
18.03.2010 13:03
Die Türken sind Ausländer

die österreischen Slowenen waren es nie.

Das ist der feine Unterschied. Manche wollen es halt nicht verstehen, denn das könnte die eigene Argumentationslinie ins Wanken bringen...

na habedere
18.03.2010 12:56
leere Ortstafeln

Nach Ihrer Argumentation müssten die Ortstafeln vollkommen leer sein. Es geht hier nur um die Amtssprachen, und in dem betreffenden Gebiet ist Deutsch nicht mehr Amtssprache als Slowenisch.
Und wenn ganz Wien Türkisch spricht, heißt das noch lange nicht, dass es auch Amtssprache ist ...

anders and
 
18.03.2010 12:47
schönes Beispiel New York!

Da wird eine Hauptverkehrsader (5th Avenue) regelmäßig gesperrt, damit die Iren, Griechen und andere Nationen stolz ihre Paraden abhalten können. Und die anderen Nationen schauen zu und feiern mit.

Wer würde in Klagenfurt über eine Parade der Slowenen jubeln?

Michael Jack Dundee
 
18.03.2010 12:00
Ortstafel Wien

Wien, Betch, Wean, Vienna, ...

Noch ein paar Ideen?

Human 2.0
18.03.2010 15:40

Mundl-Town

anders and
 
18.03.2010 15:28

BEHA, Duna, Viden, Bec, Becs, Wieden, ...
und für unsere Freunde aus den Bundesländern: Scheiß-Wean.

Herr und Frau Österreicher
 
18.03.2010 11:53

Also klar könnte man zweisprachige Ortstafeln als nebensächlich bezeichnen. Es ist aber so, dass das zurückdrängen der slowenischen Sprache ins Private eine deutschnationale forderung ist, weil die das nicht in ihrer Umgebung haben wollen. Also auch keine zweisprachigen Schulen, Kindergärten etc. Und das sind dann hauptsächlich die leute, die damit eh nix zu tun haben, weils im Mölltal oder Gurktal leben. Die Ortstafeln sind somit schon auch ein Symbol, dahinter gehts um mehr!

hansteiner
18.03.2010 11:53

Ja aber genau dieses Argument ist doch eine vollkommenen Verdrehung der Tatsachen.
Nehmen Sie anstatt New York Irland und überlegen sie einmal, wie störend oder vielleicht doch informativ der zusätzlich traditionelle irische Ortsname, neben dem heutigen englischen ist.

So einfach ist das. Die Orte in diesem Teil Kärntens haben seit Jahrhunderten zwei Namen die von der Bevölkerung verwendet werden.

Übrigens, die slowenischen Flur- und Ortsnamen in Kärnten wurden unlängst eben in die UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes Österreichs aufgenommen.

Ich verstehe eben nicht, warum alle möglichen Probleme und z.T persönlichen Befindlichkeiten zwanghaft in diese Diskussion gepresst werden sollen. Was verspricht man sich davon?

Belacqua
18.03.2010 11:38

Also überhaupt keine Ortstafeln mehr?

Mucosaprolaps
18.03.2010 10:40

Die Bezeichnung "kärntner Slowenen" ist falsch, ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert, als die Irrlehre von den miteinander ringenden "Völkern", und letztlich die NS-Rassenlehre, entstanden.

Es handelt sich schlicht um slowenischsprachige Kärntner.

James Cole
 
18.03.2010 18:06
das relikt aus dem 19jhrdt

heisst WINDISCHE

"kärntner slowenen" war schon die politisch korrekte version in der zweiten republik!

hm82
 
18.03.2010 17:03
Für Sie dieselbe Frage wie unten für "Herr und Frau Österreicher":

Wollen Sie etwa nur den Kärntner Slowenen das Recht sich als eine nationale Minderheit zu bezeichnen absprechen oder wollen Sie etwa behaupten dass es z. B. auch in Kosovo, Südtirol oder etwa in Nordirland lediglich zwei Sprachen gibt?

DER-STANDARD-JURIST
18.03.2010 09:07
nur blöd, dass die autorin keine ahnung von völkerrecht hat

Herr und Frau Österreicher
 
18.03.2010 10:37
????

Herr und Frau Österreicher
 
18.03.2010 08:29
"weil sie sich mit dem "reaktionären" Heimatdienst um eine politische Lösung der Ortstafelfrage bemühen"

Ja das kann man dem Rat aber nicht vorwerfen. Weil das ganze nämlich absurd ist.
1. Wie kann sich der "reaktionäre" KHD als Vertretung der "DeutschkärntnerInnen" aufspielen. Ich meine, auch wenn niemand was dagegen hat (was ich gar nicht glaube), ist er doch nicht demokratisch legitimiert, irgendwelche verhandlungen zu führen!
2. Inwiefern bedarf es bei der Umsetzung von der verfassung garantierter rechte, einer "politischen" Lösung? Und
3. Was soll das mit dem Konsens? Damit wird ja suggeriert, es gäbe zwei Sprten von KärntnerInnen: Die "Deutschkärntner" und die Kärntener SlowenInnen. jeweils als homogene Gruppen mit homeogenen Interessen. Auch wenn, vor allem die am lautesten rülpsenden, das so sehen, entspricht das nicht der Realität!

hansteiner
18.03.2010 00:03
Teil 2 Die Präsidentschaftskandidatur

einer Barbara Rosenkranz und die von ihr gewünschte Abschaffung von wesentlichen Teilen der im nachkriegszeitlichen demokratischen Grundkonsens geschaffenen verfassungsgesetzlichen Regelungen zur Verhinderung eines Wiederauflebens der eben erst überwundenen politischen Modelle, sind nur ein offensichtlicheres Symptom einer sehr aktiven Bewegung.
Die Feigheit einer jetzigen Bundesregierung vor einer kompromisslosen (sic!) sauberen verfassungskonformen Regelung im Sinne des STV von 1955 zeigt die Angst vor dieser.

Wenn aber der Mut zur Verteidigung der Grundlagen unserer Verfassung bei einer primitiven Sache wie der zweisprachigen Topographie so klein ist, dann wird man sich über das, was kommen mag auch nicht wundern dürfen.

hansteiner
17.03.2010 23:47
Es ist ja eine recht interessante Situation. Das lässt sich sehr gut an immer wiederkehrenden Postern hier im Forum erkennen.

Eigentlich möchte man meinen, die Spinnen die Kärntner - und das gleich in zwei Sprachen.
Bei näherem Hinsehen offenbart sich hinter der eigentlich unproblematisch scheinenden "Ortstafelfrage" die Last der gesamten 2. Republik als Mikromodell. Auf allen Seiten treten hier Gruppen auf, die noch an massiven Nachkriegstraumata leiden, seien es in deutschnationaler Tradition KHDler und KABler, seien es nach dem Krieg vertriebene Reichsdeutsche oder eben Nachkommen der vertriebenen Slowenen und der Widerstandskämpfer aus den verschiedenen politischen Lagern.
Das Selbstverständnis der 2. Republik die Opfer und Gegner (damals gerne benutzt als Vorzeigewiderständler) der Nazls anzuerkennen erscheint heute mehr denn je als Lippenbekenntnis...

Samthand Schuh
17.03.2010 20:32
Wie schützen wir unsere Slowenen?

Könnte man nicht die slowenisch-sprachigen Gebiete von Kärnten abtrennen (oder ist das zu kompliziert)? Mir scheint, dass die Kärntner Landesregierung mit der Verwaltung einer anderen Sprachengruppe als der deutschen völlig überfordert ist. In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder erlebt, dass Staaten bei der Verwaltung von Sprachminderheiten gescheitert sind (Kosovo, Abchasien und Südossetien, Osttimor, Moldavien, Russen im Baltikum). Man könnte doch Verwaltungsinseln in Kärnten schaffen und diese dann der Steiermarkt oder der Bundesverwaltung unterstellen. Ansonsten weiß ich auch nicht, wie man die Slowenen vor den deutschen Kärntnern schützen könnte?

Herr und Frau Österreicher
 
18.03.2010 08:32

Nein das mit dem Abtrennen geht nicht. Weil erstens gibts keine "slowenischen gebiete" und zweitens gibt's nicht zwei "Ethnien". Es gibt lediglich geschichtlich bedingt zwei Sprachen!

hm82
 
18.03.2010 16:57

Wenn die Kärntner Slowenen keine ethnische Minderheit sind dann gibt es offensichtlich Ihrer Meinung nach in Kärnten auch keine slowenischen Volkslieder, keine slowenische Literatur und keine Geschichte der Slowenen in Kärnten, sondern lediglich österreichische Volkslieder, Literatur und Geschichte in zwei Sprachen.
Wollen Sie etwa nur den Kärntner Slowenen das Recht sich als eine nationale Minderheit zu bezeichnen absprechen oder wollen Sie etwa behaupten dass es z. B. auch in Kosovo "lediglich geschichtlich bedingt zwei Sprachen" gibt?

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