"Zaubern können wir nicht"

17. März 2010, 18:42
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2500 Kinderbetreuungsplätze sollen jährlich in Wien eingerichtet werden, kündigt Bildungsstadtrat Oxonitsch im Interview an

Standard: Im Herbst startet das verpflichtende Kindergartenjahr für Fünfjährige. Gleichzeitig werden Eltern, die sich für das einkommensabhängige Kindergeld entschieden haben, Krippenplätze suchen. Wird es genug Plätze geben?

Oxonitsch: Darum bauen wir ja Plätze über die Anstoßfinanzierung des Bundes, die hoffentlich noch über 2011 hinaus laufen wird. Wir müssen weiter ausbauen, auch wenn wir in Wien beim Versorgungsgrad weit vor allen anderen Bundesländern liegen.

Standard: Wie hoch wird der Bedarf an Krippenplätzen sein?

Oxonitsch: Laut Schätzungen des Bundes werden rund 17 Prozent der Eltern die kürzeste Kindergeldvariante in Anspruch nehmen. Im städtischen Bereich können das durchaus mehr sein. Ich denke, dass wir das mit dem Ausbau von jährlich 2500 Betreuungsplätzen und dabei einem entsprechenden Anteil für die Null- bis Dreijährigen abfedern können.

Standard: Das löst aber noch nicht die Personalfrage.

Oxonitsch: Die Suche nach den Pädagoginnen ist sicher das größere Problem, weil wir beim Ausbau auch an die Grenzen der qualitätsvollen Betreuung stoßen. Wir sind bei den Kollegs ja ganz bewusst den Weg einer fünfsemestrigen Ausbildung für Berufsumsteiger gegangen. Da gibt es im nächsten Jahr die ersten Absolventen. Aber zaubern können wir nicht.

Standard: Viele wandern wegen der besseren Arbeitsbedingungen nach Niederösterreich ab. Wie wollen Sie das künftig verhindern?

Oxonitsch: Es findet ja in erster Linie keine Zuwanderung statt. Pädagoginnen, die bisher in Wien einen entsprechenden 40-Stunden-Job hatten, waren zu einem überwiegenden Teil aus Niederösterreich. Jetzt wird dort auch endlich ausgebaut, daher gibt es dort nun mehr Jobs. Die Gehälter haben wir im städtischen Bereich ja bereits weitgehend angeglichen.

Standard: Wie viele der 58.000 Kindergartenplätze in Wien sind tatsächlich beitragsfrei?

Oxonitsch: Der gesamte städtische Bereich auf jeden Fall, inklusive der Privaten sind 45.000 Plätze beitragsfrei. Wir haben aber bewusst nicht alle speziellen Angebote abgedreht, für die fallweise Beiträge eingehoben werden. Die Entlastung um 226 Euro hat es aber im gemeinnützigen Bereich für alle Eltern gegeben.

Standard: Soll es, analog zur Schulumfrage, auch eine Kindergartenumfrage geben?

Oxonitsch: Ja, in der kommenden Legislaturperiode.

Standard: Laut Schulumfrage gibt es in den Polytechnischen Schulen und den Berufschulen die meisten Probleme. Wäre es nicht sinnvoll, dort Sozialarbeiter einzusetzen?

Oxonitsch: Im Kultur- und Sportverein der Berufsschulen haben wir ja ganz bewusst Sozialarbeiter im Einsatz. Künftig soll nicht gewartet werden, dass die Schüler in die Kulturzentren kommen, sondern die Sozialarbeiter sollen an Schwerpunkttagen auf dem Schulhof anwesend sein.

Standard: Bei der Volksbefragung gab es für die Ganztagsschulen 73 Prozent Zustimmung. Wie soll das Raumproblem gelöst werden?

Oxonitsch: Wir haben bereits viele Schulen in Ganztagsschulen umgewandelt. Von den 75 "Offenen Schulen", die Nachmittagsbetreuung anbieten, kommen sicher einige hinzu. 80 Prozent der Kinder werden schon ganztägig betreut.

Standard: Die Umwandlung stößt oft bei Eltern auf Widerstand, die ihr Kinde lieber weiterhin im Hort betreuen lassen wollen, weil sie Ferienbetreuung anbieten.

Oxonitsch: Da denken wir über Modelle nach, wie wir ein entsprechendes Angebot in den Ferien schaffen können. Wir werden heuer im Sommer im 23. Bezirk mit einem Pilotprojekt beginnen. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2010)

Zur Person: Christian Oxonitsch (48) ist seit März 2009 Stadtrat für Bildung, Jugend, Sport und Information.

  • Ferienbetreuung in der Ganztagsschule? Bildungsstadtrat Oxonitsch will sich dazu ein Modell einfallen lassen.
    foto: urban

    Ferienbetreuung in der Ganztagsschule? Bildungsstadtrat Oxonitsch will sich dazu ein Modell einfallen lassen.

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