Bergung im Notfall

Wenn jede Sekunde zählt

17. März 2010, 16:34
  • Artikelbild
    foto: uni innsbruck/leimgruber

    Ein am Hubschrauber angebrachtes Radarsystem soll künftig helfen, Verschüttete schneller zu orten.

  • Artikelbild
    foto: ames - aerospace and mechanical engineering services

    Durch die am Hubschrauber angebrachte Radarantenne werden hochfrequente Impulse auf einen Lawinenkegel gerichtet ...

  • Artikelbild
    foto: alps

    ... das Gelände wird rasterförmig überflogen, die ausgestrahlten Signale dringen bis zu zehn Meter tief in den Schnee und reflektieren an Hindernissen.

Ein am Hubschrauber angebrachtes Radarsystem soll helfen, Lawinenopfer schneller zu orten

Jedes Jahr sterben in Österreichs Bergen durchschnittlich 26 Menschen nach Lawinenabgängen, im vergangenen Winter kamen sogar 32 Menschen ums Leben. Die Suche ist für die Helfer oft riskant, zeit- und kostenaufwändig. Auch wenn Skifahrer mit Lokalisierungsgeräten ausgestattet sind, können widrige Wetterverhältnisse, die Gefahr von Nachlawinen und große Verschüttungstiefen die Suchaktionen erschweren. Hinzu kommt, dass für Verschüttete schon nach 15 Minuten im Schnee die Überlebenschancen rapide sinken. Aus diesem Grund hat das Tiroler Zentrum für Naturgefahren- und Risikomanagement (alpS) gemeinsam mit dem Institut für Mathematik der Universität Innsbruck ein luftgestütztes Radarsystem entwickelt, dass die Ortung von Verschütteten beschleunigen soll. 

Kegel in Raster abfliegen

Die Funktionsweise des Systems: Eine an einem Hubschrauber angebrachte Radarantenne richtet hochfrequente Impulse auf den Lawinenkegel. "Der Hubschrauber muss dabei den Kegel in einem Raster abfliegen, die Flugbahnen sind sechs bis zehn Meter breit, die Geschwindigkeit beträgt fünf bis zehn Stundenkilometer", erklärt Eric Veulliet vom Zentrum für Naturgefahren- und Risikomanagement gegenüber derStandard.at. Eine speziell entwickelte Software zeigt in Echtzeit die Mächtigkeit der Schneedecke auf einem Bildschirm an und ortet automatisiert Verschüttete darin. Die ausgestrahlten Signale dringen im trockenen Schnee bis zu zehn Meter tief ein und reflektieren an Hindernissen. Wie rasch ein Opfer lokalisiert werden könne, hänge von der Größe des Kegels ab, so Veulliet. 

Ergänzung bewährter Methoden

Die Entwicklung des Personal Avalanche Secure System (PASS) dauerte rund fünf Jahre lang und fand im Rahmen eines öffentlich geförderten Forschungsprojektes des Kompetenzzentren-Programmes (Kplus) statt. Ziel ist es nicht, die bewährten Ortungsmethoden zu ersetzen, sondern sie bei Bedarf zu ergänzen.

Wenn die luftfahrtbehördliche Genehmigung eingeholt ist, wird das Radarsystem in Zusammenarbeit mit Rettungsorganisationen unter Realbedingungen teilweise eingesetzt. "Bis zum nächsten Winter sollen diese Tests weitgehend abgeschlossen sein, weil bereits seit März 2004 an verschiedenen Stellen immer wieder Flugtests durchgeführt wurden", sagt der Wissenschaftler. Diese ersten Tests waren vor allem nötig, um die Machbarkeit zu erproben und Wissen über die Schneephysik zu erwerben. "Bei den heutigen Tests geht mehr es um die Benutzerfreundlichkeit im Realeinsatz beziehungsweise um die Implementierung zusätzlicher Features", erklärt Veulliet. (red, derStandard.at, 17.3.2010)


Link
alpS

Kommentar posten
17 Postings
Sepp Seppi
00
11.6.2010, 13:42
10m

oder nicht is irrelevant. Wer hat schon mal ein 10 m Loch in den Schnee gegraben...?

scubaman
01
24.3.2010, 17:38
Dachte

dafür hatte das Innenministerium vor ein paar Jahren extra die Handy-Peiler gekauft ...

Dr. Seltsam
 
00
18.3.2010, 09:59

Bin gespannt, ob das Ding real auch funktioniert. Schließlich sind Lawinenablagerungen selten trocken. Da wird die Eindringtiefe der Radarstrahlen nicht sehr groß sein.

kann sein
Claus Faber
00
18.3.2010, 11:13
Der Löwenanteil schon.

Der Löwenanteil an Lawinen mit Verschütteten sind Schneebretter, die eher dem "trockenen" Bereich zuzuordnen sind. Typische Nassschneelawinen wie im Frühjahr haben eher selten Verschüttete.

Dr. Seltsam
 
00
18.3.2010, 12:09

Auch bei Schneebrettern ist der abgelagerte Schnee hoch verdichtet. Die potentielle Energie ist beim abgelagerten Schnee voll in Wärme umgewandelt.

10m Eindringtiefe in einen Schnee mit 400-500 kg/m³ kann ich nicht glauben.

nomad13
00
18.3.2010, 20:40

Bei 10m brauchts ne Gletscherspalte aber keine Lawine - das spielt sich sowieso alles bei 1 bis 3m ab.

667 one step ahead of the devil
00
17.3.2010, 20:23

Jetzt wär halt noch gut, wenn Herr und Frau Tourengeher mindestens zu zweit - und mit Abstand - unterwegs sind.
Sonst gibt´s nämlich niemand der den Huberer anfordern wird......

dekorhippe
11
17.3.2010, 19:55
hmmm

da ich mal davon ausgehe, dass vom abgang der lawine über benachrichtigung der rettungsteams, start des hubschraubers, flug zur unglücksstelle, suche und anschließendes gfraben bis zur evtl. vorhandenen atemhöhle bei weitem mehr als 15 minuten vergehn, denk ich mal, dass sich dieses system hauptsächlich zur bergung von lawinentoten gut sein wird. naja, noch immer besser als ausapern lassen, und wenn auch nur ein opfer (mit avalung zB) nach einer stunde oder so gerettet wird ist es schon was wert.

lawinenopfer werden aber auch in zukunft auf unmittelbar stattfindende kameradenrettung angewiesen sein.

PatriotInnen sind IdiotInnen
00
18.3.2010, 11:36

Ich glaube nicht das die das System als Alternative oder gar Ersatz für Kameradenrettung mittels LVS-Gerät konzipiert haben.
Im Prinzip ist dieses Gerät ähnlich zu bewerten wie RECCO, für die unmittelbare Rettung nützt es nichts, es könnte hilfreich sein bei Ausnahmefällen/Katastrophen ala "Lawine über Piste" oder sowas wie in Galtür passiert ist.

Auch weiterhin gilt also, wer im Gelände ohne LVS, Schaufel und Sonde unterwegs ist dem/der gehört ein Powder-verbot über mind. 5 Jahre auferlegt :).

dekorhippe
00
18.3.2010, 16:20
na steht eh im text

nur die überschrift passt nicht so ganz: "Wenn jede Sekunde zählt"

"Auch weiterhin gilt also, wer im Gelände ohne LVS, Schaufel und Sonde unterwegs ist dem/der gehört ein Powder-verbot über mind. 5 Jahre auferlegt :)."

Aber auch für diejenigen, die meinen mit dieser Ausrüstung in jeden Hang einfahren zu können.

PatriotInnen sind IdiotInnen
00
18.3.2010, 16:39

Sorry aber so denkt kein Menschen.
Ich mein wenn ich mich umschaue dann finden sich üblicherweise zwei Hauptgründe, erstens simple Fehleinschätzungen und/oder zweitens Gruppen dynamische Prozesse die zur Einfahrt in eigentliche no-go Zonen verleiten. Aber sicher nicht die mitgeführten LVS Geräte. Um ehrlich zu sein halt ich deine Aussage für die typische Vorstellung Leute würden bewusst in Hänge fahren "wo es ja vorher schon absehbar war...", das halt ich aber für ziemlichen Schwachsinn.

curricula
02
18.3.2010, 09:22

naja... wie lange man unter der Lawine überleben kann und welches dann die besten notärtzlichen Massnahmen sind durfte ja an den Schweinderln net untersucht werden...

käptn iglo's rache
51
17.3.2010, 17:51
sauteures glumpat!

braucht kein mensch. die lvs-dichte wird immer größer, und das ist gut so. die ortung geht mit lvs blitzschnell.

Technologie Experte
00
18.3.2010, 08:32
Ersetzt in LVS

Das ersetzt nicht die Kameradenbergung, sondern kann nur die aufwändige Suche mit zig Personen - meist nur mehr nach Toten - ersetzen. Wie schon von anderen ausgeführt, dauert es mit dem Hubschrauber viel zu lange.
Da auch die Suche nach Lawinenopfern ist gefährlich für die Suchenden ist, ist es schon ein kleiner Beitrag zur Sicherheit.

Marcus Schwamm
12
18.3.2010, 08:25
Bist Du immer so negativ ?

jede sek zählt und zwar genau so sicher, wie die Retter um jedwede unterstützung froh sind! Egal wie hoch eine lvs dichte je sein wird, jedes mittel und gerät, was die sucher erleichtert oder beschleunigt ist gut! Wer was anderes denkt, soll es unter der lane tuan du pfeifn.

doSomething()
01
17.3.2010, 19:45

Ich hoffe, dass sie genau den selben Satz stammeln wenn sie selbst unter einer Lawine verschüttet sind.

soulknot
 
00
17.3.2010, 17:11

schön...wobei die ortung bei der mittlerweile hohen dichte an LVS und deren technischem fortschritt immer weniger das problem ist.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.