Absatz weit hinter Droid und originalem iPhone - Analyst: Google geht es nicht um hohe Verkaufszahlen eines einzelnen Geräts
Die Verkaufszahlen des Nexus One bleiben Thema: der US-Marktforscher Flurry hat die ersten 74 Tage nach dem Verkaufsstart von Googles "Superphone" mit den Verkaufszahlen von Motorolas Droid und Apples erstem iPhone verglichen. Demnach gingen vom Nexus One 135.000 Geräte über den Ladentisch, während Motorola 1,05 Millionen Droids und Apple eine Million iPhones (erste Version aus dem Jahr 2007) an Mann und Frau brachte. Medien sehen das Nexus One nun als Reinfall - das Handelsblatt titelt etwa "Nexus One floppt gewaltig". Doch so einfach lassen sich die Zahlen nicht vergleichen.
Schätzungen
Flurry zieht für diesen Vergleich keine offiziellen Verkaufszahlen des Nexus One und des Droid heran, sondern basiert seine Schätzungen auf seiner Analyse-Software mit deren Hilfe Entwickler die Nutzung ihrer Apps analysieren können. Die Zahlen des iPhones stammen von Apple selbst. An der Genauigkeit der Schätzungen bestehen Zweifel. Flurry stützt die Zahlen jedoch darauf, dass die Apps, die das Analyse-Tool nützen, auf über 80 Prozent aller Geräte mit iPhone OS und Android heruntergeladen worden seien. Den Zeitraum von 74 Tagen habe man deshalb gewählt, weil sowohl das iPhone als auch das Droid darin die Marke von einer Million überschritten hätten.
Unterschiedliche Marktstarts
Fraglich ist, inwiefern der Vergleich dieser drei Geräte sinnvoll ist. Das originale iPhone wurde 2007 im Jänner auf der Macworld erstmals präsentiert und in den USA ab Juni, in Europa ab November verkauft. Apple hatte somit ein halbes Jahr Zeit, einen schon damals enormen Hype aufzubauen. Der US-Marktstart des Droid im Herbst 2009 wurde ebenfalls von einer ausgedehnten Werbekampagne begleitet. Das Nexus One hingegen startete ohne breit angelegte Kampagne mit Fernsehspots und wird bislang nur über Googles eigenen Webshop angeboten.
Google verfolgt breitere Strategie
Analysten zeigen sich von den Ergebnissen enttäuscht. Goldman Sachs schraubte seine Erwartungen basierend auf den Flurry-Zahlen herunter (der WebStandard berichtete). Auch bei Kaufman Brothers hat man sich mehr erwartet, sagte Analyst Aaron Kessler gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Google gibt eindeutig nicht sehr viel Geld für Marketing aus. Es wirkt nicht so, als hätte Google hier große Erwartungen", so der Analyst. Google dürfte es aber gar nicht darum gehen, von einem einzigen Gerät eine hohe Stückzahl zu verkaufen. Der Konzern aus Mountain View verfolge vielmehr eine breitere Mobilfunkstrategie, um das Angebot an unterschiedlichen Smartphones basierend auf Android zu steigern, meint Kessler. Und das scheint alles andere als ein Flop zu werden. Laut Zahlen von comScore wuchs der Marktanteil von Android-Geräten in den USA von 2,8 Prozent im Oktober 2008 auf 7,1 Prozent im Jänner. (Birgit Riegler/ derStandard.at 17. März 2010)