Alkoholprobleme im Betrieb

Ansprechen ist besser

17. März 2010, 09:29
  • Artikelbild
    foto: apa/matthias schrader

    Betroffene müssen ihr auffälliges Verhalten selbst erkennen.

Vorgesetzte sollten früh ein Gespräch mit Betroffenen suchen - Besondere Vorsicht ist in Kleinbetrieben geboten

Hamburg - Bei Alkoholproblemen eines Mitarbeiters sehen viele aus Unsicherheit oder Mitleid weg. Das hilft jedoch keinem weiter und endet oft mit Komplettausfall oder Kündigung, warnt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Besser wäre es, möglichst früh ein Gespräch mit dem Betroffenen zu suchen. "Drei bis fünf Prozent der Beschäftigten jedes Betriebes sind erfahrungsgemäß alkoholabhängig, bei zehn Prozent wäre eine Behandlung wegen riskantem Alkoholkonsum notwendig", so Angelika Nette vom Hamburger Büro für Suchtprävention über die hohe Bedeutung des Themas.

Tiefer Blick ins Glas nach Dienstschluss

Ständiger hoher Alkoholkonsum wird oft übersehen, da er sozial angepasst ist und meist erst nach Dienstschluss geschieht. "Bestimmte Berufe sind für Alkoholsucht prädestiniert, da sie als Teil der Unternehmenskultur gilt. Das Bewusstsein steigt jedoch, dass Menschen unter Einfluss von Alkohol schlechter arbeiten", so die Suchtexpertin. Während sich in größeren Firmen Betriebsärzte oder Psychologen der Alkoholproblematik annehmen, besitzen Klein- und Mittelbetriebe jedoch kaum Erfahrung damit. Seminare sollen helfen, suchtgefährdete Mitarbeiter gezielt anzusprechen und so eine positive Wende im Verhalten zu erreichen.

Die Ansprache von Suchtgefährdeten ist jedoch keine leichte Sache. Nette rät strikt davon ab, als Außenstehender eine Diagnose zu stellen. "Es geht nicht darum, Sucht aufzudecken. Die einzige Chance ist, wenn man Betroffene ihr auffälliges Verhalten erkennen lässt. Dazu gehören arbeitsvertragliche Verletzungen wie zu spätes Erscheinen zu Arbeitsbeginn oder das Versäumen von Terminen, jedoch auch ein auffälliges Sozialverhalten wie etwa die Isolierung von den Kollegen", erklärt Nette. Derartige Vorkommnisse seien die einzigen möglichen Ansatzpunkte für Interventionen.

Verantwortung beim Vorgesetzten

Wenn auch die kollegiale Ansprache wichtig ist, hat der Vorgesetzte oder Personalverantwortliche die besten Chancen, eine Verhaltenskorrektur zu bewirken. "Die Funktion im Unternehmen verleiht andere Autorität im positiven Sinn. Man sollte in wertschätzender Ansprache und unter vier Augen klar benennen, welche fehlerhaften Verhaltensweisen oder Veränderungen beim Mitarbeiter zu beobachten sind", so Nette. Kommt ein Mitarbeiter wiederholt alkoholisiert zur Arbeit, sei es am besten, ihn nach Hause zu schicken und für den nächsten Tag ein Gespräch zu vereinbaren.

Das Ansprechen befreit zwar nicht von Sucht, zeigt jedoch durchaus Wirkung. "Damit wird öffentlich, was zuvor meist lange Zeit als Tabu gilt. Steter Tropfen höhlt den Stein - das gilt auch bei immer wiederkehrender Ansprache." Betriebe sollten jedoch auch dafür sorgen, dass Alkoholsucht gar nicht entsteht. Denn gerade die Unsicherheit im Arbeitsplatz oder Veränderungen im Arbeitsleben können wichtige - wenn auch meist nicht alleinige - Faktoren für Sucht werden. "Günstig ist soziale Unterstützung, die Schaffung von Handlungsspielräumen oder auch Reduktion von Zeitdruck", so die Hamburger Expertin. (pte)

Kommentar posten
17 Postings
kamelchen mag in der Formel 1 mitlaufen
00
18.3.2010, 10:42

es gibt nur 2 moeglichkeiten: entweder frauenversteher oder alkoholiker.

gastrosoph
00
18.3.2010, 09:01
Am besten ist

zuprosten!

Ein nitupsaR
 
00
18.3.2010, 06:11

Der Artikel widerspricht sich.
Erst heißts, gesoffen wird eh nur nach dem Dienst. Und dann heißts, intervenieren kann man nur, wenn einer stets besoffen zur Arbeit erscheint.
Intervenieren kann tatsächlich nur der Vorgesetzte. Die Kollegen könnens nicht, weil mit denen geht man ja saufen.
Glaubts mir, es ist a Teufelsfalle.

Always Look on the Bright Side of Life
05
17.3.2010, 20:04

Die meisten haben eh kein Problem mit Alkohol, nur ohne!

piefkedeluxe
00
17.3.2010, 22:27
ja und WIE...

wie soll man das jetzt machen?
"Hallo Günther, sag mal, säufst Du eigentlich jeden Tag?"

alexanderletten
 
10
17.3.2010, 23:08

"Trinkst Du noch oder säufst Du schon?"
"Wie lange dauert denn jetzt schon Dein Quartal?"

Wenn die kleinen Fläschchen nicht mehr ausreichen(was preislich sowieso völlig jenseitig ist), dann wird es richtig gefährlich.

alte frau
21
17.3.2010, 17:27

in österreich sind eigentlich 99-100% aller angestellten alkoholiker. das macht aber nix.

Frei_Denker
03
17.3.2010, 15:23

....bei den meisten Jobs muß mensch ja saufen um sie zu ertragen ;-)

t-bonesteak
11
17.3.2010, 13:58
ansprechen

führt meines erachtens nach eher zum totalrückzug des alkis.

platz, hirsch!
00
17.3.2010, 10:45
vor allem männer

hören meist erst zum saufen auf, wenn ihnen der chef oder die frau ein ultimatum stellen.

deswegen bringt es das ansprechen.

Sand
23
17.3.2010, 11:27
In welcher Welt leben Sie?

Frauen sind generell geschickter mit dem Verbergen ihrer Sucht als es Männer sind. Kenne keinen einzigen Fall, wo ein Ultimatum der "Frau" (= Ehepartners) oder Chefs das Saufen stoppte. Sie vielleicht? Alkoholiker sind da wie wir Österreicher und reagieren mit einem trotzigen Was geht dich das an? und Jetzt erst recht!

platz, hirsch!
03
17.3.2010, 16:32
sagen wir so:

ich weiß es. weil ich mehr als 4 jahre erfahrung im stationären suchtbereich habe und mit alkoholikern und alkoholikerinnen gearbeitet habe. reicht das als legitimation für meine (verallgemeinernde) aussage?

Sand
00
18.3.2010, 10:30
Sie - und "h 90" - Glücklicher!

Und wie gesagt, Frauen machen das Versteckspiel viel intelligenter als wir Männer es je tun könnten.
Ich weiß es. Weil ich seit über 40 Jahren mit einer Alkoholikerin verheiratet bin. Nebenbei, im Beruf hatte ich als Betriebsrat auch mit Alkoholikerinnen und Alkoholikern zu tun. Die meisten, die aufgehört haben, leben halt nicht mehr.

platz, hirsch!
00
18.3.2010, 11:12
alles was man jetzt sagen sollte

braucht allerdings mehr als 750 zeichen.

einerseits haben sie meine hochachtung, weil sie es schon so lange aushalten, andererseits frage ich mich wo sie ihre grenzen setzen.

die frauen von den alkoholikern mit denen ich zusammen arbeite/gearbeitet habe, haben meist nach dem x-ten "ich hör wirklich auf" das gebrochen wurde das handtuch geworfen - und hatten mein vollstes verständnis.

h 90
01
17.3.2010, 14:17

ich kenne 2 Faelle.
Einer sauft gar nichts mehr und einer nur noch vierteljaehrlich (statt immer blunzefett).

Mastermix
23
17.3.2010, 09:51
immer auf die armen Alkoholiker

was ist mit den Fetten, den Extremsportlern, den Rauchern und der Jugend?

Peter Widzky
00
18.3.2010, 08:56

lass dir zeit- kommt noch

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.