Verbrauchsrückgang

"Preisschock" durch höhere Ökosteuern

17. März 2010, 09:16

Wifo-Studie sieht aber nachhaltige Lenkungs- und leicht positive Wachstumseffekte bei Ökologisierung des Steuersystems

Wien - Die nun von der ÖVP angedachte Anhebung der Energiesteuern würde zu einem Verbrauchsrückgang bei Strom und Co. führen, errechnete das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bereits im Oktober 2008. Würde man die Ökosteuern um eine Mrd. Euro erhöhen, würde sich Elektrizität am meisten, nämlich um 6,5 Prozent, verteuern. "Das ist ein einmaliger Preisschock", erläuterte Studienautorin Angela Köppl. Im Gegenzug würde der Stromverbrauch um 2,3 Prozent zurückgehen.

Am wenigsten würde sich der Verbrauch bei Ölprodukten reduzieren (-0,3 Prozent), obwohl das Schwarze Gold um 4,6 Prozent mehr kosten würde. Bei Kohle beträgt der Preiseffekt 4,2 Prozent, bei Gas 2,8 Prozent und bei Diesel 5,1 Prozent. Dafür würden laut Wifo bei diesen Energieträgern zwischen 1,3 und 1,9 Prozent eingespart. Die langfristige Entwicklung von Preis und Verbrauch sei nicht genau vorherzusagen, hänge an Faktoren wie Einkommen, sagte Köppl.

Um eine Milliarde Euro an Umweltsteuern zu generieren, schlug das Wifo eine Kombination aus Anhebung der Mineralölsteuer (MöSt) und der Elektrizitätsabgabe sowie der Einführung einer CO2-Steuer vor.

Bei Erhöhung der MöSt um 10 Cent je Liter Benzin bzw. Diesel wäre ein zusätzliches Steueraufkommen von 1 Mrd. Euro möglich. Trotzdem würde Benzin dann in Österreich der Studie zufolge noch immer etwas weniger kosten als in Deutschland oder Italien, Diesel wäre ungefähr gleich teuer. Im Verkehrsbereich könnte man auch über einen stärkeren Umweltbezug bei der motorbezogenen Versicherungssteuer - die derzeit "im Prinzip nichts damit zu tun hat, ob ich das Auto stehenlasse oder fahre" - nachdenken, so Köppl. "Grundsätzlichen Reformbedarf" sieht die Umweltökonomin auch bei der Pendlerpauschale, die sich mehr am öffentlichen Verkehr orientieren solle.

CO2-Steuer bringt 1,5 Milliarden

Eine CO2-Steuer von 30 Euro je Tonne CO2 bei fossilen Energieträgern könnte 1,5 Mrd. Euro bringen, wobei die Studie annimmt, eine halbe Milliarde an energieintensive Unternehmen rückzuvergüten.

Die Einnahmen sollen nach Vorstellung des Wifo in Form einer Lohnnebenkostensenkung an die Wirtschaft zurückfließen. Denkbar wäre auch, einen Teil davon für "emissionsmindernde Maßnahmen" auszugeben, etwa für die thermische Sanierung oder Öffis, meinte Köppl. Insgesamt hätte die Ökologisierung des Steuersystems "leicht positive" volkswirtschaftliche Effekte.

Den Einwand der Industrie, ein nationaler Alleingang bei den Ökosteuern bringe Wettbewerbsnachteile, lässt das Wifo nicht gelten. Wenn die Mehreinnahmen "zur Verringerung der Lohnnebenkosten und/oder der Einkommenssteuer verwendet werden, ergibt sich per Saldo keine Verschlechterung der Wettbewerbsposition", heißt es in der Studie. Während nämlich insbesondere hohe Steuern auf niedrige Löhne zu negativen Beschäftigungs- und Wachstumseffekten führten, könnten höhere Ökosteuern Emissionen und in der Folge Strafzahlungen eindämmen. Vor allem im unteren Einkommensbereich könne die Senkung der lohnbezogenen Abgaben zur Kompensation der höheren Energiekosten beitragen.

In den Augen Köppls wäre es außerdem sinnvoll, den Ökosteuersatz stufenweise anzuheben, um einerseits Unternehmen sowie Haushalten Planungssicherheit zu geben und andererseits nachhaltige Lenkungseffekte zu erzielen.

Die aktuellen Politpläne zur Ökologisierung des Steuersystems bewertet Köppl als "grundsätzlich positiv". Allerdings "kann man nicht beurteilen, was das genau heißt", da noch keine Details zu Umfang und Struktur vorliegen. (APA)

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15 Postings
fasziniert
00
18.3.2010, 08:41
Wo bleibt die CO2-Steuer für Flugbenzin und Kerosin?

Oder darf der Flugverkehr weiter die Umwelt gratis belasten (CO2 in großer Höhe ist um ein Vielfaches klimawirksamer als am Boden, Fluglärm ist nachweisbar gesundheitsschädlich) und muss weiterhin weder Grundsteuer, noch Umsatzsteuer, noch Mineralölsteuer noch eine CO2-Abgabe zahlen.

Nach dem Motto "Es ist unzumutbar, wenn der Flug zum Einkaufswochenende nach New-York oder das ganz private Verlärmen ganzer Landstriche im Sportflugzeug merkbar teurer werden würde" - Hauptsache die Haushalte zahlen dafür mehr, dass im Winter niemand friert.

Tom Bisch
 
00
18.3.2010, 08:38
An die Pensionisten denken

Eine Umstellung des Steuersystems von der Besteuerung der Arbeit auf die Besteuerung des Konsums (ob Energie oder Konsumgüter) würde die Geringverdiener und insbesondere die Pensionisten übermäßig belasten. Deshalb muss bei der Kostenneutralität darauf Rücksicht genommen werden, zumal die Konsumgüter durch höhere Energiekosten auch teurer werden.

warp.faktor
00
17.3.2010, 13:52
Angstkläffer!

Wie lange will man den Verbrauchern noch Zeit geben, sich auf höhere Energiepreise einzustellen?

Seit den 70er Jahren ist die Begrenztheit fossiler Energieträger und die ökologischen Folgewirkungen bekannt. Die Verbraucher und die Wirtschaft hatten 40 Jahre Zeit sich darauf einzustellen.

Wer seinen Job verliert ist "selbst schuld", aber wer sich anno 2009 einen Geländewagen oder eine Ölheizung gekauft hat verdient die Solidarität der SteuerzahlerInnen?

Wer schützt die Verbraucher vor den Kosten der Finanzkrise (bzw. Spekulationskrise)?

Also warum bei eindeutig vernünftigen Entscheidungen so ein Getue?

tellerrand1
01
17.3.2010, 12:41
Lohnnebenkosten

Hab ich das richtig verstanden, dass die Allgemeinheit belastet wird, um für Unternehmen die Lohnnebenkosten zu senken?
Das kann auch nur der ÖVP und ihren Vorfeldorganisationen einfallen

ich kapituliere
02
17.3.2010, 14:32

Nicht ganz richtig.

Ja wir alle sollen die Lohnnebenkostensenkung für die Unternehmen bezahlen.

Was noch fehlt ist die Frage => Wer zahlt denn die nun fehlenden Sozialabgaben?

Folglich werden wir dreifach zahlen:

1. Höhere Energiekosten
2. Höhere Produktkosten => Energie wurde ja teurer
3. Höhere Sozialabgaben => Dienstgeber zahlen ja weniger

Grandiose Lösung. So werden wir sicherlich den Inlandskonsum ankurbeln.

warp.faktor
00
17.3.2010, 13:59
Das Konzept ist vernünftig, auch wenn es diesmal von der ÖVP kommt.

Die Idee ist es Kostenwahrheit zu schaffen.

Den Verbrauchern soll gezeigt werden dass es teuer ist die Gesellschaft zu schädigen und es sich auszahlt vernünftig zu handeln.

Der Verbrauch bestimmter Güter wird damit teurer, aber gleichzeitig die Arbeitskraft billiger (bei gleichen Löhnen), weil z.B. die Sozialversicherung aus Energiesteuern finanziert wird.

Soweit das Konzept,
dass die ÖVP mit den Steuern lieber die Budgetlöcher stopfen will, die ÖVP nahe Unternehmen verursacht haben ist eine andere Geschichte.

gonogo
20
17.3.2010, 13:28

nein, falsch verstanden! Wenn die Lohnnebenkosten sinken, bleibt mehr im Geldbörsl des arbeitenden Menschen.

clearlake
00
17.3.2010, 16:23
das hat man ihnen so eingetrichtert...

ist aber grundlegend falsch!! - siehe antwort unterhalb!

ich kapituliere
01
17.3.2010, 14:36

Wie kommen Sie auf diese Idee? Die Lohnnebenkosten sind die Abgaben des Arbeitgebers, folglich zahlt der weniger. Sie bekommen weiterhin denselben Gehalt wie zuvor.

Wer muss jedoch dann die Differenz zahlen? Der Unternehmer nicht, denn der wurde ja entlastet. Der Staat auch nicht, denn der hat ja kein Geld. Wer bleibt übrig?



tellerrand1
00
17.3.2010, 13:40

Das wäre aber nicht gewinnoptimierend!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmen sich solcherart als "karitativ" outet - das wäre gaaaanz schlecht für den Aktienkurs.

something in the air
02
17.3.2010, 11:49
ökosteuer

quasi die "xunde" umverteilung von unten nach oben...

Andreas Ilger
01
17.3.2010, 11:34
Na Überraschung! Es gibt übrigens letztlich auch keine Unternehmenssteuern.

Denn ein Unternehmen (Körperschaft) muss wesensgemäß die Steuern an den Konsumenten weiter geben. Wenn ein Unternehmen keinen Mindestgewinn (bestimmte Verzinsung des eingesetzten Kapitals) erwirtschaftet, wird das Kapital nicht bzw woanders investiert. Im großen und ganzen gibt es daher überhaupt keine echten Unternehmenssteuern, im Sinne von Steuern, die letztlich von Unternehmen getragen werden. Da aber Steuern vom Unternehmen weiter gegeben werden müssen, verzerren sie den Wettbewerb: Jene Länder, die niedrigere Unternehms- und dafür höhere Einkommen- und Verbrauch(Umsatz-)steuern haben sind beim Export im Vorteil. Die einzigen, die sich über hohe Unternehmenssteuern freuen dürfen sind die ausländischen Konkurrenzunternehmen.

TheMarti
01
17.3.2010, 11:02
Studienautoren sollten gesetzlich dazu verpflichtet werden, Fehlermarginale anzugeben

Immer lustig, wie sogar noch die hinteren Prozentziffern genau angegeben werden und somit der Eindruck erzeugt wird, die Autoren wissen, wovon sie reden...

tramezzino
07
17.3.2010, 09:55
auf die neuen steuern

einfach "öko" draufpicken, dann frisst das die dumme bevölkerung leichter. unpackbar.

MREinicher
 
04
17.3.2010, 09:44
Grünes Modell

Ich werd immer nervös und krieg so ein unterschwelliges Stechen in der Bauchgegend wenn die ÖVP hergeht und Grüne Ideen, Themen, Modelle oder Forderungen aufgreift.

Da kommt dann immer ewtas heraus, dass an der Sache total vorbei geht aber ihrem Konzern-Klientel und Aktionären nützt aber weder der Umwelt noch den einfachen Leute - im Gegenteil, beide zahlen dann meistens massiv drauf - Umwelt und die Menschen.

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