Die Bildung der Atheisten

16. März 2010 19:20
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    Die Soziologin Lois Lee untersucht Ungläubige.

Hat "Gottlosigkeit" etwas mit Intelligenz zu tun? Neue Untersuchungen scheinen die These zu bestätigen

Für die britische Soziologin Lois Lee, Pionierin der Atheismus-Forschung, ist die Sache komplizierter.

* * *

Die These gilt als "Klassiker" der Soziologie: Je moderner und gebildeter eine Gesellschaft ist, desto weniger glauben ihre Mitglieder an Gott. Zahlreiche empirische Studien scheinen diese sogenannte "Säkularisierungsthese" zu bestätigen. Zuletzt war es der britisch-japanische Evolutionspsychologe Satoshi Kanazawa von der London School of Economics, der mit Kollegen entsprechende Ergebnisse lieferte.

Die britischen Forscher analysierten eine Befragung von 14.000 US-amerikanischen Jugendlichen aus den Jahren 2001 und 2002 und stellten dabei fest, dass die Gruppe der Nichtreligiösen mit durchschnittlich 103 den höchsten Intelligenzquotienten hatte, während die streng Gläubigen auf einen mittleren IQ von 97 kamen - ein minimaler, aber doch signifikanter Unterschied, wie sie im Fachblatt Social Psychology Quarterly schreiben.

Atheismus-Hochburg Oxford

Eine weitere Bestätigung dieses Zusammenhangs scheint eine Untersuchung der Studierenden an der Universität Oxford zu bringen. Bei einer Befragung im Jahr 2007 gaben von den 728 Studierende der Elite-Uni immerhin 57,3 Prozent an, Agnostiker oder Atheisten zu sein. Zum Vergleich: In der britischen Gesamtbevölkerung sind es nur fünf Prozent.

Dennoch beharrt Lois Lee darauf, die Dinge differenzierter zu betrachten. Die Soziologin von der Universität Cambridge hat Anfang des Monats in der britischen Wissenschaftszeitschrift New Scientist einen viel beachteten Essay mit dem Titel Where do atheists come from veröffentlicht, in dem sie auch auf die Studie aus Oxford einging - und unter anderem darauf verweist, dass die älteren (und damit gebildeteren) Studenten in Oxford "gläubiger" sind als die jüngeren.

Einen gewissen Widerspruch zur Säkularisierungsthese bzw. zur Korrelation "je gebildeter, desto ungläubiger" stellen aber auch gewisse Zahlen der "Weltweiten Werte Umfrage" dar: Da zeige sich etwa, dass sich weltweit 17,2 Prozent aller Personen mit Maturaabschluss als ungläubig bezeichnen, aber nur 14,8 Prozent der Uni-Absolventen, so Lois Lee im Gespräch mit dem Standard .

Die junge Soziologin ist eine der ersten Fachvertreterinnen, die systematisch den "Glauben" der Ungläubigen erforscht. "Während Religiosität und Religionszugehörigkeit von der Soziologie seit langem und intensiv untersucht wurden, war der Atheismus bis vor kurzem ein blinder Fleck."

Lee will daran etwas ändern, weshalb sie im Dezember an der Uni Oxford die erst zweite wissenschaftliche Konferenz zu dem Thema mitorganisiert hat. "Die erste fand übrigens 1969 im Vatikan statt", so die Soziologin, die zurzeit als Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien arbeitet. Zudem ist sie Gründerin und eine der vier Leiter des Non-Religion and Secularity Research Network, mit dem einschlägige Forschungen vernetzt und besser abgestimmt werden sollen.

Lee bezeichnet sich selbst als "eher atheistisch". Das sei aber keine notwendige Voraussetzung für die soziologische Erforschung der Atheisten und Agnostiker: "Zwei der vier NSRN-Leiter sind gläubig" - im Gegensatz freilich zu den meisten Sozialwissenschaftern, die selbst unter den Wissenschaftern zu einer besonders ungläubigen Gruppe gehören.

Was lässt sich sonst noch aus soziologischer Perspektive über die Atheisten sagen? "Der typische Atheist ist männlich, weiß und steht politisch eher links", so Lois Lee. Und: Es sind in den vergangenen Jahren eindeutig mehr geworden - trotz einer gewissen "Wiederkehr des Religiösen".

Vier Prozent in Österreich

Das lässt sich sogar für das sonst noch recht gläubige Österreich zeigen, wo der Anteil der bekennenden Atheisten laut Europäischer Wertestudie 2008 von zwei auf vier Prozent gestiegen ist. In Frankreich gebe es immerhin schon 15 Prozent Atheisten, während ihr Anteil in Großbritannien "auch nur rund fünf Prozent beträgt", so Lee. Und das trotz Richard Dawkins, des Missionars des "neuen Atheismus".

Der britische Evolutionsbiologe habe mit seinem Buch The God Delusion (2006) (dt.: Der Gotteswahn) sicher dazu beigetragen, den "Ungläubigen" eine Stimme zu geben, bestätigt Lee. "Für viele von ihnen ist Dawkins aber auch zu radikal und rechthaberisch." (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 17.03.2010)

 

Kommentar posten
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tablespace65
22.03.2010 22:31
"Der typische Atheist ist männlich, weiß und steht politisch eher links", so Lois Lee.

Endlich habe ich es quasi "wissenschaftlich bestätigt", dass ich ein Intelligenzler bin :-)

Threonin
23.03.2010 15:37

Ich wusste gar nicht, dass der Pfarrer in unserer Kirche typischerweise weiblich, schwarz und politisch eher rechts ist.

Vielleicht ist er aber auch nur Atheist.

tablespace65
24.03.2010 11:58
Gehen Sie überhaupt noch in die Kirche :-)

GreenTwig
22.03.2010 15:20
Atheisten = Intelligentere Menschen !!

So ein Blödsinn. Ich z.B. bin Atheist... und zwar ein katholischer. Ich zahle Kirchensteuer und glaube nicht an Gott. Das ist NICHT intelligent.
Und ich glaube, es gibt tausende wie mich, die wegen der Mama, wegen der Kinder, wegen der schönen alten Kirchen etc. noch brav Kirchensteuer zahlen. Ich habe sozusagen eine Patenschaft auf die Dorfkirche und auf das pädofidele Personal.

Cthulluh
23.03.2010 12:17
katholischer Atheist *lol*

"Glaubst du an Gott mein Sohn?"

"Nein Hochwürden, ich bin Atheist!"

"Katholischer oder evangelischer Atheist?"

Frankensteins Fekternich
20.03.2010 09:45
Oportunismus

Wenn jemand nach dem Studium beruflichen Erfolg haben will, ist es eben vorteilhaft zu behaupten, man sei gläubig.

her wig
20.03.2010 15:30

Kommt drauf an, wo. Mich hat keiner je gefragt. Aber es ist sicher so, dass es viele Scheingläubige gibt, die es nur "wegen der anderen" tun. "Die Maske" lässt grüssen.

Sperber
19.03.2010 10:41
Gott sei Dank bin ich Atheist

AlterEgo
 
19.03.2010 11:33

"God made me an atheist. Who are you to question his wisdom?"

gärtner
17.03.2010 18:35

bevor man zum atheismus wechselt sollte man sich mal fragen was ein gott überhaupt ist.

C:\>rm -rf
02.10.2011 23:25

Vielleicht der Vollkoffer der sich so unklar ausdrückt, daß sich seit Jahrhunderten 3 Weltreligionen und ihre Sub-Sekten seinetwegen gegenseitig den Schädel einschlagen.

Pro Freistaat Kärnten!
 
19.03.2010 10:14
Zur Sicherheit

sollte man Agnostiker bleiben, man weiß ja nie :-)

her wig
17.03.2010 19:33
Der Atheismusbeweis

ist existenziell vom Gottesbeweis abhängig. Das wird schwer. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es den Atheismus garnicht. Diese Leute laufen einer Illusion nach ;-)

chilli p.
20.03.2010 08:40
schaun sie, selbst wenn die unermüdlichen versuche von becklöffel früchte tragen und der gottesbeweis gelingt,

ja sogar wenn sich vor meinem auge ein wunder vollzöge, bliebe ich doch immer noch unbeeindruckt und unbeeinflusst - weil ich mich dem moralischen anspruch dieses "wesens" nicht beugen würde, falls es diesen stellen sollte. für das sittengesetz in mir benötige ich keinen transzendenten schauder. und schon gar keine religio im sinne der gewissenhaften erfüllung kultischer pflichten.

alles, was sie mit ihrem "einwand" beweisen, ist, dass atheismus eine zu begrenzte bezeichnung ist.

her wig
20.03.2010 15:35

Atheismus ist eine Abgrenzung gegenüber etwas, als eigene Identität taugt das m.E. nicht. Ich "bin", z.B., Achinese, Ainder, usw. Zugegeben, wenn man sich gegenüber allen anderen abgegrenzt hat kann man mithilfe der Kenntnis der Grundgesamtheit auch auf sich selber schliessen, aber irgendwie ist das ziemlich umständlich, oder?

wolkenberg
22.03.2010 10:50

wer an einen (einzigen, persönlichen) gott glaubt, ist theist. wer nicht von dessen existenz oder notwendigkeit überzeugt ist, ist atheist.

wer zu seiner beruhigung einen kult und entsprechende kulthandlungen bemötigt, ist religiös, wer das nicht tut, ist areligiös.

theismus und religion überschneiden sich, auch atheismus und areligion, und man kann auf den jeweiligen bereichen seine weltsicht begründen.

ich ginge allerdings nie so weit, zu behaupten, dass atheismus/areligion meine identität ausmacht.

Threonin
23.03.2010 15:34

Sie verwechseln Atheismus mit Agnostizismus.

Agnostiker sind nicht von der Existenz oder Notwendigkeit einer Gottheit überzeugt. Atheisten hingegen lehnen die Idee einer Gottheit als solches ab.

witherabbitt
 
20.03.2010 00:34


Die Ironie, die im Spiel mit dem Vorzeichen liegt, ist fein gesponnen. Wie beweist man die notwendige Nichtexistenz von etwas, dessen Konzept ungewiss und vermutlich nur ausgedacht ist? Wie die notwendige Nichtgeltung eines Konzeptes von »Gott«?

her wig
20.03.2010 17:52

Bei etwas ausgedachtem sollte man Existenz durch Realisierbarkeit ersetzen -- die korrekte Frage wäre, ist Gott (bzw. das Reich Gottes, dort wollen die Gläubigen ja hin) realisierbar? Ein Blick auf die Lage der Welt zeigt dass es derzeit noch nicht erreicht ist, aber das alleine ist ja kein Grund die Hoffnung aufzugeben.

Die Unrealisierbarkeit zu beweisen wäre allerdings eine konkretere Aufgabe -- andererseits, anbetracht dessen was diverse Menschen über Gesellschaftssysteme wie Kommunismus oder Kapitalismus schon alles an höchst intelligenten Betrachtungen publiziert haben, zweifle ich dass darauf mehr Verlass ist als auf andere Formen des Gottesbeweises...

spoiled ballot
19.03.2010 16:55
die frage ist

warum du wörter verwendest, deren bedeutung du offensichtlich nicht verstehst.

her wig
22.03.2010 10:44

Ja, leider ist das so. Deshalb beneide ich die Vertreter der Gottlosigkeit so, die wissen genau was die Wörter bedeuten die sie verwenden.

AlterEgo
 
17.03.2010 20:05

Seit wann gibt es denn einen Gottesbeweis? Das wäre mir neu!

Magneto08
17.03.2010 20:26

mir auch...

Clarissa Goldsmithprawndown
17.03.2010 20:01

Sorry, da komme ich im Moment intellektuell leider nicht ganz mit :)
a) Warum ist "der Atheismusbeweis" "existenziell vom Gottesbeweis abhängig"? (und warum jeweils in der Einzahl? welcher "Atheismusbeweis" und welcher "Gottesbeweis" ist da jeweils gemeint?)
b) Welchen Atheismus gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gar nicht?
c) Und wer sind "diese Leute"?
Bitte um Antworten (die ich auch verstehen kann)!
:)

her wig
18.03.2010 07:31

Gegenfrage: wie kann man gegen etwas sein das es garnicht gibt?

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