Sabotagevorwürfe

Sauer über Süßes im Visier

16. März 2010, 18:17

Deutscher Biathlet mit Vorgeschichte erklärt schlechte Platzierung mit Manipulation an seinem Gewehr

Vancouver - "Von Sabotage zu reden war sicher falsch" , sagt Thomas Oelsner, der bei den X. Paralympics in Vancouver für einen Skandal sorgte. "Da bin ich leider etwas über das Ziel hinausgeschossen." Normalerweise pflegt der Thüringer Oelsner, 39 Jahre alt, ja seine Ziele zu treffen, ungeachtet seines infolge eines Motorradunfalls gelähmten linken Armes. Er vertritt Deutschland in Kanada als Biathlet. Im Behindertensport ist das nicht ein bewaffneter Langläufer im engeren Sinn. Gelaufen wird ohne Gewehr, die Waffe wartet am Schießstand.

Zwei Tage nach dem Verfolgungsrennen am Samstag, das er, obwohl als Mitfavorit gestartet, nur auf Rang 14 beendet hatte, tischte Oelsner eine abenteuerliche Erklärung für sein Versagen auf. Die Visiereinrichtung seines Gewehrs wäre manipuliert worden. "Da war Schokolade, Karamell oder etwas Ähnliches im Diopter. Das war Sabotage." Die Betreuer, neben dem Athleten die Einzigen, die zum Schießstand Zutritt haben, sollen eine mildere Version nahegelegt haben. Oelsner verweigerte: "Ich soll sagen, da war Dreck im Gewehr, aber dann bin ich die Schlampe, die ihr Gewehr nicht in Ordnung hält. Das lasse ich nicht auf mir sitzen."

Für einen Skandal hat der fünfmalige Goldmedaillengewinner schon 2002 in Salt Lake City gesorgt. Oelsner war als erster Teilnehmer an Winter-Paralympics überhaupt des Dopings (anaboles Steroid) überführt und zunächst für zwei Jahre von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen worden. Auch damals sprach Oelsner von Sabotage, von einem Chemieunfall, der ihn fast mehr als der Motorradunfall mit 21 Jahren getroffen habe. Und er hatte damit zumindest teilweise Erfolg. Auf nationaler Ebene war seine Sperre bereits nach einem halben Jahr ausgesetzt worden.

"Mit der alten Geschichte hatte das nichts zu tun" , sagt Oelsner heute. Dass die Optik eine schiefe ist, sieht er ein. Auch habe ihn niemand gedrängt, etwas zu vertuschen. Friedhelm Julius Beucher, Präsident des deutschen Behindertensports, ist ob des Rückziehers erleichtert: "Es liegt in der Natur der Sache, dass dies Schlagzeilen sind, die man nicht haben möchte." Von Oelsner ist nichts mehr zu befürchten. Er beendet seine Karriere. (sid, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 17.3. 2010)

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