Steiermark

"Falter": Vatikan soll Missbrauchsfälle vertuscht haben

16. März 2010, 16:20

Neue Missbrauchsvorwürfe von Exzögling des Stiftsgymnasiums Wilhering in Oberösterreich

Die Diözese Graz-Seckau sowie der Vatikan stehen unter dringendem Verdacht, den weitreichenden Missbrauchsfall eines steirischen Pfarrers jahrelang vertuscht zu haben, berichtet die Wiener Wochenzeitung "Falter". In derselben Ausgabe erhebt ein ehemaliger Zögling des Stiftsgymnasiums Wilhering Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs.

Ein steirischer Pfarrer soll in den 1980er-Jahren mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Sechs Missbrauchsopfer und ein betroffenes Elternpaar erzählten der Wochenzeitung für ihre am Mittwoch erscheinende Ausgabe ihre Leidensgeschichte. Mehrere Jahre lang versuchten sie vergeblich, eine Entlassung des Pfarrers aus dem Dienst zu erreichen - gegen den Widerstand der Diözese Graz-Seckau. Als später selbst das Erzbischöfliche Metropolitan- und Diözesangericht in Salzburg den Pfarrer für schuldig befand, erfolgte direkt aus dem Vatikan Order, die Sache fallenzulassen.

Ermittlungen eingestellt

Der erste Missbrauch des steirischen Pfarrers soll auf das Jahr 1982 datieren. Obwohl der damalige Bischof Johann Weber Ende der Neunzigerjahre konkrete Vorwürfe auf dem Tisch hatte, versetzte er den Priester bloß und vertraute ihm neue Gemeinden an. Dies erklärt die Diözese damit, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hatte.

Die Staatsanwaltschaft Graz nahm damals Ermittlungen gegen den Pfarrer wegen sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen auf, stellte sie aber bald danach wegen Beweismangels und Verjährung ein. Wie der Falter berichtet, wurden damals außer den zwei mutmaßlichen Opfern nur drei aktuelle Ministranten von den Ermittlern befragt, obwohl der Pfarrer im Laufe seiner Amtszeit mindestens siebzig Ministranten gehabt hatte. Die Staatsanwaltschaft rechtfertigt sich gegenüber der Wochenzeitung mit "Fingerspitzengefühl: Wenn nichts dran ist, ist der Mann ruiniert."

Nach einem Jahr "Urlaub" überantwortete die Diözese dem Pfarrer weitere Gemeinden in der Südsteiermark. Drei Jahre nach den ersten Ermittlungen wurde die Staatsanwaltschaft abermals aktiv. Diesmal wurde der Pfarrer verdächtigt, mindestens 13 Burschen im Alter zwischen 5 und 18 Jahren wiederholt sexuell und schwer sexuell missbraucht zu haben. Das Verfahren wurde abermals eingestellt. "Rein aus Gründen der Verjährung", wie es aus der Staatsanwaltschaft gegenüber dem Falter heißt: Sonst hätte man es "auf jeden Fall gemacht."

Pfarrer vom Dienst freigestellt

Weil Opfer weiter intervenierten, stellte der damals erst wenige Monate im Amt befindliche Bischof Egon Kapellari den Pfarrer vom Dienst frei. Unter Zustimmung der römischen Glaubenskongregation fand das erste Kirchengerichtsverfahren wegen Missbrauchs in Österreich statt. Es endete mit einem Schuldspruch für den Pfarrer. Die Glaubenskongregation, der aktuell auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn angehört, hob das Urteil allerdings im Jahr 2006 wegen Verjährung der Tatbestände auf.

Als die Kongregation das Verfahren bestellte, stand Kardinal Joseph Ratzinger an ihrer Spitze. Als Rom das Urteil aufhob, war er bereits Papst Benedikt XVI. Dass die Kirche einen Prozess führt, dessen Urteil sie hinterher wegen Verjährung aufhebt, ist laut dem Kirchenrechtler Wilhelm Rees höchst unüblich. Gerhard Holotik, jener Prälat des Erzbischöflichen Metropolitan- und Diözesangerichts in Salzburg, der das Gerichtsverfahren geleitet hatte, erklärte dem FALTER, Er habe sich wegen der Verjährung sehr wohl im Vorhinein abgesichert. "Wir haben die Sache ja von Rom zugewiesen bekommen. Sie können sich denken, wie wir empfinden, wenn unser Urteil plötzlich aufgehoben wird. Ich bin nicht glücklich über das Ganze."

Kein Kommentar

Altbischof Johann Weber und Bischof Egon Kapellari wollen sich zur Causa nicht persönlich äußern. Wie Kapellaris Sprecher erklärt, "wurde dem Pfarrer ein bleibender Aufenthaltsort in einem Kloster mit sichernden Auflagen zugewiesen". Noch nach dem Prozess im Jahr 2006 ließ der Pfarrer allerdings verlauten: "Als Aushelfer bin ich in den Pfarren begehrt." Ein Sprecher der Diözese kann nicht ausschließen, dass er "gelegentlich eine Messe feiert, da er ja als Priester nicht suspendiert ist". Das, obwohl Bischof Kapellari versprochen haben soll, ihn nicht mehr in die Nähe von Kindern kommen zu lassen.

Neue Vorwürfe aus Oberösterreich

Unterdessen erhebt ein ehemaliger Zögling des oberösterreichischen Stiftsgymnasiums Wilhering Vorwürfe des Missbrauchs, wie der Falter in derselben Ausgabe berichtet. Der heute 55-Jährige Mann wirft einem Pater sexuellen Missbrauch in den 1960er Jahren vor. Als die anderen Zöglinge bereits schliefen, habe er ihn mehrmals auf sein Zimmer geholt, um mit ihm über Sexualität zu sprechen. Dabei habe sich der Pater, der vor sechs Jahren verstorben ist, mehrmals selbst befriedigt und den Penis des damals 10-Jährigen gestreichelt, erzählt der ehemalige Zögling dem Falter. Ein anderer Pater soll den Internatsschüler regelmäßig geschlagen haben. Auch musste er nachts stundenlang vor Heizkörpern knien. Der betreffende Priester relativiert die Vorwürfe gegenüber dem Falter und spricht von einer "anderen Zeit". (red)

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Posting 1 bis 25 von 33
1 2
zhang sanfeng
00
18.3.2010, 13:13

zu diesem tragischen ereignis kann (seit 18.03, 07:56) nicht mehr gepostet werden.

schafmeister
02
18.3.2010, 07:56

Es wird nicht eng sondern es ist schon sehr eng in der katholischen Kirche. Das Krisenmanagment ist gleich wie bei Groer unter jeder Kritik.

F G
02
17.3.2010, 12:58
Was sagt denn unser Mizzi Wagner dazu?

Werden die österr. Klöster jetzt von einem Edbeben vernichtet?

starship
 
09
17.3.2010, 01:01
wann wird endlich gegen die katholische kirche nach § 278 (mafiaparagraph) ermittelt?

seit jahrzehnten werden gewalt- und sexualdelikte gegen schutzbefohlene systematisch vertuscht und die justiz dabei behindert, die täter zu verfolgen.

seit jahrzehnten und bis heute existieren anweisungen der kirchenautoritäten, offizialdelikte am staat vorbei intern zu "regeln".

seit jahrzehnten begünstigt die katholische kirche (durch die vorhin genannten tatsachen) täter. es ist davon auszugehen, dass die katholische kirche dadurch täter direkt oder indirekt "ermutigt" hat, weiterhin gewalt- und sexualdelikte an schutzbefohlenen zu begehen.

die justiz ist angehalten, ermittlungen gegen die jeweils verantwortlichen amtsträger der katholische kirche nach §278 stgb. aufzunehmen.

NegR h.c.
40
17.3.2010, 08:37

Sie können ja jederzeit eine Sachverhaltsdarstellung an das nächste Gericht oder die StA übermitteln.

zhang sanfeng
00
18.3.2010, 14:24

dritter versuch einer antwort, darum kürzestmöglich:
ÖVP...

hage
01
18.3.2010, 11:36
100% Zustimmung @ starship

Ich würde sehr gerne eine Sachverhaltsdarstellung an das nächste Gericht oder die StA übermitteln...

Hilft mir jemand dabei, ich bin juristisch nicht so bewandert!!!

Miss Deutung
02
18.3.2010, 14:44

Ich hab das ganz unsarkastisch gemeint.

Im Grunde stell ich mir so eine SV-Darstellung simpel vor:
Sie schreiben an die StA einen Brief, in welchem Sie alle Fakten (nicht abgeleitete Vermutungen o.ä.) aufzählen. Am Schluß könnte dann noch stehen, dass das für Se den Verdacht des §xy ergibt, und Sie deshalb um Prüfung der Sachlage ersuchen.

hage
01
18.3.2010, 16:35
tja...

danke... werd ich machen!

sepp waschnit
03
16.3.2010, 19:46
Penisstreicheln in Wilhering

war eh den meisten bekannt.

Angelika70
01
17.3.2010, 10:24

Wer sind die "meisten"? Diese haben sich unter Umständen der Beihilfe strafbar gemacht.

stud.theol
02
17.3.2010, 09:24
und Hodenquetschen in Schwaz

NegR h.c.
06
16.3.2010, 19:19

"Die Staatsanwaltschaft rechtfertigt sich gegenüber der Wochenzeitung mit "Fingerspitzengefühl: Wenn nichts dran ist, ist der Mann ruiniert.""

Diese Argumentation wird Herr Elsner, der jetzt ca. drei Jahre in Untersuchungs(!)haft sitzt, sicher mit Interesse verfolgen.

siliconvalley
04
16.3.2010, 22:33

und jede Person, die wegen angeblichen Ladendiebstahls aus dem Supermarkt geführt wird...

Saskia Fabian
 
01
16.3.2010, 19:13
Bischöfe, Papst = Mittäter

sie werden sich vor Gott verantworten müssen

lupus
00
20.3.2010, 16:31
Vor wem bitte??

19k
02
17.3.2010, 12:47
vor Gott verantworten

Da können sie sich gleich vor irgendeinem Stein verantworten ....

melora
02
17.3.2010, 09:29
Ich hoffe aber sehr, vorher noch vor einer irdischen Instanz!

erwin 222
00
17.3.2010, 06:57
Niemals!

Denn die sind der lebende Beweis dafür, dass es Gott nicht gibt!

Angelika70
012
16.3.2010, 22:00

Ich sch**ss auf die transzendentale Strafe. Ich verlange die irdische Gerichtsbarkeit!

Mathias
 
01
16.3.2010, 18:06
ach wie gut...

... doch den Falter sollte es in jedem Bundesland geben... mit nem ordentlichen Lottogewinn wäre da schon ein Grundstein gelegt :-)

Killa vomBilla
03
16.3.2010, 18:05
Ui ui

Die Winter wird immer blasser ihre aussage der Mohamed war ein Kinderschänder
steht seit dem Jahr schwach da.

fibiundchillie
00
17.3.2010, 13:16
Ihr vergleich ist zwar ein brüller,

aber argumentativ ein flop:
auf der einen seite das Vorbild, das der prophet für seine anhänger in allen seinen taten ist
auf der andren seite:
verbrechen, gegen das weltliche wie gegen das rel. gesetz.

Der Ruhestifter
 
01
17.3.2010, 00:00
Was ändert sich an mohammed durch diese sachen?

Sollte man das nicht eher zum anlass nehmen, den ganzen blödsinnigen respekt vor religiösen gruppen abzulegen?

Dass irgendwer eine rolle in einer religiösen organisation spielt, auch die eines propheten, priesters, bischofs, schließt halt nicht aus, dass es sich um ein total verkommenes subjekt handelt. Und man soll auch nicht aus falscher rücksichtnahme aif irgendwelche gläubige so tun, als ob. Egal, ob es sich bei den verkommenen subjekten um solche handelt, welche von christen, moslems, juden, scientologen oder sonstwem verehrt werden.

schlitzohr2
30
16.3.2010, 17:47
Um des zu wissen, brauch i kann Falter… Typische Trittbrettfahrer…

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