Wird Österreich Braunbären ansiedeln?

  • Erstmals ging Braunbär Moritz vor drei Jahren in die Fotofalle.
    foto: wwf

    Erstmals ging Braunbär Moritz vor drei Jahren in die Fotofalle.

Die Population steht mit nur zwei männlichen Exemplaren vor dem Ende - Slowenien würde Österreich zehn Bären schenken

Wien/Ljubljana - Tierschützer und Biologen bangen um Österreichs Braunbären-Population: Einzig im Gebiet zwischen Ötscher und den Hochalpen leben noch zwei Männchen - Djuro (21) und sein neunjähriger Sohn Moritz. Das Hauptproblem: Es fehlt an Weibchen, die den Bestand sichern könnten. Sollte sich daran nichts ändern, werden die Braunbären eher früher als später in Österreich ausgestorben sein. Aus Slowenien, wo es Hunderte Braunbären gibt, könnten zehn der Tiere nach Österreich übersiedelt werden. Für dieses vom WWF favorisierte Projekte fehlt allerdings die Zustimmung mehrerer Bundesländer. Da die Tiere wandern, wäre diese laut WWF unbedingt erforderlich.

Angebot Sloweniens

Slowenien hat angeboten, zehn der zum Abschuss freigegebenen Braunbären am Leben zu lassen und nach Österreich zu übersiedeln. Von diesem Angebot ist in der Steiermark noch nichts bekannt: Wenn das Angebot an das Land herangetragen werde, werde es von der entsprechenden Fachabteilung geprüft, hieß es am Donnerstag aus dem Büro von Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (SPÖ). Aus Sicht des Naturschutzes sei eine Wiederansiedlung der Bären zwar positiv zu betrachten, doch "Jäger, Bauern und die Bevölkerung" seien sich nicht einig. Daher sei eine Bären-Adoption momentan zum Scheitern verurteilt.

Laut WWF liegt die Zukunft der österreichischen Bärenpopulation nun einzig in den Händen der steirischen und niederösterreichischen Landeshauptmänner Franz Voves und Erwin Pröll. "Dieses einzigartige und freundliche Angebot der slowenischen Regierung kommt gerade noch rechtzeitig, um Moritz und Djuro die Artgenossen zu geben, die sie brauchen, um in Österreich nicht auszusterben", appellierte WWF-Bärenexperte Christoph Walder in einer Aussendung am Donnerstag.

Lebensraum

Als Lebensraum für die sieben Weibchen und drei Männchen wären vor allem die Nördlichen Kalkalpen, aber auch der Nationalpark Kalkalpen, das Wildnisgebiet Dürrenstein oder das Hochschwabgebiet geeignet, erklärte WWF-Sprecherin Claudia Mohl.

Nur Oberösterreich will Bären aufnehmen

Einzig Oberösterreich habe bisher zugesagt, zwei bis drei Bären aufzunehmen, so Mohl. Die Steiermark hatte eine Erweiterung der Population vor einem Jahr und nun auch dieser Tage abgelehnt. Niederösterreich zeigt sich bisher unentschlossen.

Eine selbstständige Wanderung nach Österreich von Weibchen aus Slowenien oder Italien ist laut WWF erst in zehn bis 20 Jahren realistisch, wenn den Tieren ihr derzeitiger Lebensraum zu klein wird. Dass es immer wieder zu Grenzüberschreitungen kommt, beweisen allerdings vier bis sieben slowenische Bären, die in den Kärntner Berge leben. Pech für die Fortpflanzung: Auch hier handelt es sich ausnahmslos um Männchen.

Slowenien gibt bis zu 75 Braunbären zum Abschuss frei

Im Unterschied zu Österreich kann sich Slowenien nicht über zu geringe Bärenbestände beklagen. Das Umweltministerium hat heuer bis zu 75 Braunbären zum Abschuss freigeben - zehn davon würde Slowenien Österreich schenken. Der WWF hat fachliche Hilfe für den Transport der Bären angeboten. Es wird erwartet, dass zusätzlich weitere 15 bis 20 Tiere bei Unfällen ums Leben kommen. 2010 werde außerdem das Erschießen von bis zu zwölf Wölfen gestattet, erklärte Alojz Marn aus dem Sektor für Naturschutz. Die Zahl der zum Abschuss freigegebenen Bären ist etwas höher als im Vorjahr.

Das Töten dieser Tiere sei notwendig, um das natürliche Gleichgewicht des Bestandes zu erhalten, betonte das slowenische Forstinstitut in einer Begründung, welche die Grundlage für den Abschussbeschluss des Ministeriums darstellt. Beide Populationen befänden sich in gutem Zustand. Während die Bärenpopulation stabil bleibe, sei bei den Wölfen in den vergangenen Jahren ein Wachstumstrend zu bemerken.

Die Abschusserlaubnis wird auch mit den Zielen Schadensbegrenzung und Bevölkerungsschutz argumentiert. Im Vorjahr wurden insgesamt 380 durch Bären verursachte Schadensfälle im Gesamtwert von 149.000 Euro gemeldet. Wölfe waren für 405 Vorfälle mit einer Schadenssumme von 255.000 Euro verantwortlich.

In 14 Jahren starben 1.138 Bären

Nach Angaben des Forstinstitutes sind 2009 insgesamt 85 Bären ums Leben gekommen. Das Umweltministerium hatte 70 Tiere zum Abschuss freigegeben, 15 weitere starben bei Unfällen. Innerhalb von 14 Jahren, von 1995 bis 2009, wurden in Slowenien insgesamt 1.138 Braunbären getötet.

Insgesamt neun Wölfe wurden 2009 getötet, so die Daten des Forstinstitutes. Davon sind sieben erschossen worden, zwei verunglückten. Im Vorjahr hatte das Umweltministerium zehn Tiere zum sogenannten regelmäßigen Abschuss zur Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts freigeben. Innerhalb von 14 Jahren wurden 65 Exemplare getötet.

Der Bärenbestand in Slowenien wird nach einer jüngsten, Ende 2008 vorgestellten Studie der Laibacher Biotechnischen Fakultät auf rund 430 Tiere geschätzt. Nach Hochrechnungen des Forstinstitut leben in dem Land zwischen 70 und 100 Wölfe. (red/APA)

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