Kundschafter des Weltfriedens

16. März 2010 12:49

Eine der größten Bands der Geschichte feiert Abschied, die harten Hannoveraner Jungs Scorpions

Christian Schachinger freut sich mit ihnen.

Wer hätte sich das damals träumen lassen? Doch alles ist wahr: "40 Jahre ist es her, dass die alte Formation der Scorpions im klapprigen roten VW-Bus über die Dörfer zog, um in Kneipen, Garagen oder Hinterhöfen ihr Equipment auszupacken und abzurocken. Ziele: Erstens, wir beschränken uns auf englische Lyrics, weil wir - zweitens - irgendwann zu den besten Rockbands der Welt gehören werden. Der Rest ist Musikgeschichte."

Klaus Meine und seine Scorpions haben beinahe alles Menschenmögliche in ihrem langen und von Höhen geprägten Musikerleben erreicht. Sie verkauften Platten jenseits der 100-Millionen-Grenze. Sie tourten unzählige Male rund um die Welt. Sie füllten mit ihrer harten und charakteristisch rockenden Rockmusik Stadien zwischen Mumbai und Moskau, Wladiwostok und Washington.

"An der Grenze zwischen Nord- und Südkorea singen sie für den Frieden, weil ein Song von ihnen weltweit wie der Soundtrack zur Entschleunigung des Wettrüstens klang und die Hymne eines sich selbst zerstörenden Eisernen Vorhangs: Wind of Change."

Mit Wind of Change gaben die Scorpions 1990 nachträglich den wesentlichen Anstoß zum Mauerfall 1989. Sie erfanden damit rückblickend die Perestroika, brachten gleichzeitig als Zukunftsvision 1998 Gerhard Schröder als deutschen Bundeskanzler nach Berlin und ermöglichten so indirekt Barack Obama. Rocker und Roller als Kundschafter des Weltfriedens, harte Schale, weicher Kern:

"Die Elementarteilchen der Rockmusik sind von jeher die charakteristischen Schrittmacher einer sich stets wandelnden Gesellschaft. Sie sind nicht leicht und schwerelos, wenn sie durch einen Raum schweben. Im Gegenteil: Diese Atome treiben voran, kommen oft daher, als würden ihre Fragmente den dunklen Flüssen des Herzens folgen. Sie sind Chaos und Passion, erdig, heißer Maschinenschweiß zu stampfenden Rhythmen, Musik als Allegorie der Zeit und der sozialisierten Befindlichkeit."

Es geht, wie es im 1. Buch Elvis für immerdar heißt, immer nur um eines. Gesinnung, so auch die Scorpions als gelehrigste Schüler des Propheten, sei "das passende Wort als Stereotyp für die Rockkultur": "I'm driving out of town, just follow my heart. I think I'm gonna be a rock 'n' roll star. The girls would go mad. I'd give them all I can give - if I had a cheap guitar and one dirty riff", bringt der noch immer kraftvoll und heavy wie ein hungriger junger Wolf shoutende Klaus Meine seine Philosophie auf den Punkt.

Wenn es am schönsten ist, soll man aus der Haut fahren. Die Scorpions dienten der Gesellschaft 45 Jahre mit ihrem Rock. Sie opferten alles und wurden dafür mit rockiger Liebe überschüttet. Nun übergeben sie ihre Lederjacken und Stromruder an die nächste Generation. Auf dem Höhepunkt machen sie Platz für die jungen Leute. Vielleicht, so sinniert Klaus Meine gütig schmunzelnd, haben die kleinen Luschen ja inzwischen genug Eier, um auf den Highway To Hell, der für Rocker nicht weniger als das Paradies darstellt, aufzuspringen und nicht gleich hinunterzufallen.

Mit Raised On Rock, Rock Zone, Let's Rock oder Spirit Of Rock, alles Songs des Hammeralbums Sting In The Tail, zeigen sie der Welt noch einmal, wer der Chef ist: "I was born in a hurricane. Nothing to lose and everything to gain. Ran before I walked, reaching for the top. Out of control just like a runaway train." Rock on! (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.3.2010)

 

Alle Zitate sind der Presseaussendung der Scorpions anlässlich des Erscheinens ihres Abschiedsalbums entnommen. Es trägt den Titel "Sting In The Tail" und ist im Handel frei erhältlich.

 

Kommentar posten
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Asy
29.03.2010 11:32
Kompliment

Zumindest eine Band, die weiß', wann man Schluß machen sollte.

Derzeitige Live-Flops wie AC/DC, Kiss, Judas Priest etc. sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

Kendall Von Tharn
31.03.2010 18:00

du versündigst dich.

weil ostern kommt, sei dir verziehen.

Naschgul
29.03.2010 13:57

Zumindest voriges Jahr waren Kiss in der Stadthalle sehr gut, auch wenn Paul Stanleys Stimme am Ende ein bissl nachgelassen hat. Sie deswegen aber einen Live-Flop zu nennen, halte ich für stark übertrieben; Priest detto. Die Herren bieten nämlich trotz ihres Alters noch eine Show, von der sich so mancher Nachwuchsmusiker eine gewaltige Scheibe abschneiden könnte.

Asy
29.03.2010 16:26
Oje

Sie finden wahrscheinlich auch die Opas von Iron Maiden toll, kein Wunder bei dem Nick :)

Naschgul
30.03.2010 12:03

Iron Maiden sind eine der besten Bands im Metal, aber das ist Geschmackssache. Und was mein Nick damit zu tun hat, ist mir ein Rätsel, aber Sie werden schon wissen, was Sie da verzapfen.

Karl Löwe
28.03.2010 20:58
TOKYO TAPES ....

....da haben sie ALLES richtig gemacht. danach kamen einige gute studio alben wie LOVE DRIVE; ANIMAL MAGNETISM; BLACKOUT ....und natürlich LOVE AT FIRST STING ....

Der 7. Zwerg von links
28.03.2010 14:39

Wie oft haben Dradiwaberl schon ihr letztes Konzert gegeben?

Erzwo Dezwo
 
28.03.2010 13:24

Ich weiss schon dass man über Geschmack nicht diskutieren sollte, aber die Scorpions sind für mich die Florian Silbereisen der Rockmusik. Pickig, schleimig und in Interviews sowas von selbstgefällig, dass einem der kalte Gaugau von der Erstkommunion hochkommt.

Stephen Morrissey
28.03.2010 17:46
BM Stadler-Waldorf
 
28.03.2010 00:51
seniles im kreis reden

nicht nur die band, sondern auch die fans sind schon merklich auf dem letzten konzert.
es labert nur mehr im kreis.
abgang.

Innowa fährt - Anni muss
27.03.2010 04:10

ist schon witzig, es gab in den 90ern manche Dinge, die zwar nicht wirklich gut waren, aber irgendwie definitiv das Richtige zum richtigen Zeitpunkt. Guns'n'Roses zum Beispiel, ein wenig auch Aerosmith, und sogar BonJovi mit 'Keep the faith'. Oder so ein Film wie "The Beach"

Und definitv das, was am allerrichtigsten zur richtigsten Zeit war, war 'wind of change'... Gibt wohl keinen (letztlich wahrscheinlich mittelmäßigen) song, der so ins Schwarze der Zeit getroffen hat.

Jaja, liebe Kinder, so war das damals. Schwärm...

Naschgul
29.03.2010 12:27

Boah, Wind of Change ist dermaßen grauenhaft, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Damals hat der Song ja gut gepasst, aber dann wurde der rauf und runter gespielt, bis man nur mehr rückwärts frühstücken wollte. Da haben die Scorpions besseres Material auf Lager :)

Hans Müller1
 
26.03.2010 18:01
Gefällt mir, klingt wie eine Rezension geschrieben von Bill & Ted

Marky
26.03.2010 11:57

also, wenn jemanden die nasale stimme von hrn.meine gefällt ??

Jürgen Rembremerding
 
26.03.2010 12:52
Hier singt er gut:

http://www.youtube.com/watch?v=e47R7Z_jwkA

Ist wie mit Robert Plant, an dem sich auch die Geister scheiden.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
27.03.2010 06:28
Soweit ich weiß

ist das noch vor seiner Stimmbandoperation aufgenommen. ('81, Aufnahmen zum Blackout Album, Stimme krepierte, OP war nötig)

Danach fehlte eine Spur erdige Rauhheit.

Der Kleine hatte sich ja recht früh die Bardenbandl komplett ruiniert indem er eine umfangreiche Knotensiedlung drauf gründete.

Die OP hat dann wohl seine Stimme leicht ins Schönbrunner Polypenaudio transformiert, wenngleich sein Hauptschulenglisch bis heute Hannover-Langenhagener Akzent featured.

keyserkeli
26.03.2010 08:53

man erkenne:
die wenigsten poster hier sind des sarkasmus fähig!
schade...

at-afr
25.03.2010 22:17
Die Scorpions sind super.

Erfrischende, ehrliche und charmante Hardrock-Musik. Obgleich mit einer leichten Affinität zum Balladesken. :-)

pater hirni
26.03.2010 00:44
feuchtes toilettenpapier ist auch

"erfrischend, ehrlich und charmant". aber letztendendes fürn popo.

Kendall Von Tharn
26.03.2010 18:00

eben, wir alle haben einen popo und brauchen feines, gutes papier...

undisputed truth
25.03.2010 21:55

Sumpfnasen Rock

Death 'n' Roll
26.03.2010 11:47
Gymnastikhosentunten

Zahnschmelz
25.03.2010 21:35
Yessas!

Herr Schachinger, sind Sie auf Droge oder was?

Diese heulenden Rocktanten konnte doch kein Mensch ertragen, also ehrlich...

Kendall Von Tharn
26.03.2010 07:40

so a bledsinn. die alten scheiben wie "in trance", "virgin killer" oder "lovedrive" sind einfach genial, am besten mal reinhören und sich nicht von den grotesken verirrungen der letzten alben beeinflussen lassen.

wobei die neue tatsächlich nicht mal so übel ist...

Jürgen Rembremerding
 
26.03.2010 12:49
Bei Lovedrive überzeugte schon das Cover!

Ich sag nur Kaugummi! :-)

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