Kinder & Gesundheit

"Täglich zwei Wickeltischunfälle"

Marietta Türk, 16. März 2010, 16:40
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    foto: derstandard.at/ruth kager

    Über das Fußende von Wickeltischauflagen stürzen Säuglinge auf den Boden

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    foto: univ.klinik für kinder- und jugendchirurgie/meduni graz

    Zur Person

    Michael Höllwarth ist Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie
    an der Medizinischen Universität Graz und Präsident des Vereins "Große schützen Kleine"

Zwei Säuglinge stürzen pro Tag vom Wickeltisch - Grund ist die oft unterschätzte Beweglichkeit der Kinder und Sekunden der Unaufmerksamkeit, so Kinderchirurg Michael Höllwarth

In Österreich passieren jährlich über 170.000 Kinderunfälle. Laut dem Verein "Große schützen Kleine" stirbt österreichweit jede Woche ein Kind an den Folgen eines Unfalls. Drei Viertel aller Kinderunfälle ereignen sich zuhause. Am Wickeltisch sorgen unachtsame Momente für gefährliches Unfallpotenzial und Kopfverletzungen bei Säuglingen, weiß der Grazer Kinderchirurg Michael Höllwarth.

derStandard.at: Die häufigsten Kleinkindunfälle passieren zuhause. Was sind die gefährlichsten Situationen im Alltag?

Höllwarth: Bei Säuglingen (bis zum ersten Lebensjahr, Anm.) ist der Sturz vom Wickeltisch häufig. Auch Verbrühungen beim Sitzen am Schoß von Angehörigen kommen vor, die Babys greifen in Tassen mit heißem Wasser. Im Krabbelalter können auch schon Stromverletzungen geschehen, wenn keine Steckdosensicherungen vorhanden sind.

derStandard.at: Wie sicher sind die so genannten Lauflernwägen?

Höllwarth: Ich bin gegen solche Wägen, weil sie gefährlich sind. Leider werden sie aber gerne verwendet, weil sich die Kinder meist damit wohlfühlen. Sie sind aber Quelle schwerer Unfälle: die Kinder erreichen damit eine relativ hohe Geschwindigkeit, können aber überhaupt nicht abschätzen, wo die Räder sind, können gleichzeitig aber kleine Schwellen überwinden und stürzen dann häufig über Treppen. Die Folge sind massive Kopfverletzungen.

Das zweite Problem ist, dass eine wichtige Phase in der Entwicklung übersprungen wird, nämlich das Krabbeln. Krabbeln ist aber sehr wichtig für das Körpergefühl, Babys lernen dabei wo ihre Körperteile, Knie und Füße sind. Mit den Wägen lernen die Kinder weder früher noch später zu laufen. Insofern ist schon der Ausdruck Lauflernwagerl ein Blödsinn.

derStandard.at: Bei den Säuglingen ist der häufigste Unfall der Sturz vom Wickeltisch. Übersehen Eltern Entwicklungsschritte der Säuglinge?

Höllwarth: Wir haben an der Klink in Graz fast jede Woche einen Wickeltischunfall. Die Kinder stürzen dabei meistens auf den Kopf, auf Parkett oder Fliesen, weil das der schwerste Körperteil ist. Die meisten dieser Unfälle passieren im ersten Lebensjahr. Was die Eltern oft nicht wissen: Auch Kinder, die sich noch nicht selber umdrehen können, können sich mit den Füßchen an der Wickelunterlage abstoßen und runterfallen. Eltern unterschätzen die Beweglichkeit des Säuglings.

derStandard.at: Sie haben an der Klinik Studien zum Hergang dieser Wickeltischunfälle gemacht. Was ist dabei herausgekommen?

Höllwarth: Wir haben Fragebögen an die betroffenen Eltern ausgeschickt und über 150 Wickeltischunfälle analysiert. In fast 60 Prozent der Fälle ist der Unfallort das Badezimmer, ein Viertel Kinderzimmer. Die Sturzhöhe beträgt bei 72 Prozent dieser Unfälle zwischen 80 und 110 Zentimeter - das ist doch erheblich. In der Hälfte der Fälle ist die Sturzrichtung über das Fußende.

Die Rolle der Wickelnden: Wasch- oder Kinderpflegeartikel waren nicht griffbereit, sie haben sich umgedreht und etwas gesucht oder waren abgelenkt. Die Entsorgung schmutziger Windeln, andere Kinder, zu Boden gefallene Gegenstände oder Vorbereiten des Badewassers waren die häufigsten Ablenkungsgründe. Tatsächlich reicht kurze Unaufmerksamkeit, es passiert so schnell!

derStandard.at: Welche Verletzungen erleiden die Säuglinge?

Höllwarth: Die Schwere der Verletzungen ist recht erheblich und ernst zu nehmen: 17 Prozent sind Schädelfrakturen, 15 Prozent andere Schädelhirntraumen, 65 Prozent Kopfprellungen. Andere Verletzungsarten sind selten.

derStandard.at: Wie gefährlich sind die Verletzungen und wie ernst sollen Eltern solche Unfälle nehmen?

Höllwarth: Es gibt keine Studien zu Langzeitfolgen, aber ich nehme an, dass es keine wesentlichen gibt. Allerdings ist eine Schädelfraktur bei einem Kind keine leichte Verletzung, auch eine Schädel-Hirnprellung ist nicht ohne. Wer will schon, dass ein Kind auf den Kopf fällt.

Passiert es doch, müssen die Kinder in jedem Fall in ein Spital gebracht und geröntgt werden, denn im Säuglingsalter sind Frakturen ohne Röntgen nicht nachzuweisen. Erst jenseits des vierten Lebensjahres kann man auf ein Röntgen verzichten. Im Spital wird das Kind neurologisch beobachtet, wenn es sich verschlechtert, kann man noch eine Computertomografie machen. Ist es neurologisch unauffällig, lässt man es wieder nachhause und bestellt es in zwei Monaten wieder zur Kontrolle.

derStandard.at: Wie werden Frakturen behandelt?

Höllwarth: Dafür gibt es keine speziellen Therapien, Frakturen wachsen normalerweise von sich aus wieder zusammen. Selten können wachsende Frakturen auftreten: nicht nur der Knochen bricht, sondern auch die dahinterliegende harte Hirnhaut zerreißt und der Liquor dehnt sich in diese Lücke hinein aus. Das führt dazu, dass die Fraktur nicht verheilen kann, sondern der Spalt sogar breiter wird. Das sieht man aber erst nach zwei, drei Monaten deutlich, daher sind die Nachfolgekontrollen im Spital wichtig. Tritt eine solche Komplikation auf, muss man operieren und das Loch in der Haut wieder schließen.

derStandard.at: Was raten sie Eltern, damit aus den rund 800 jährlichen Wickeltischunfällen in Österreich weniger werden?

Höllwarth: Alles vorher griffbereit haben, nie das Kind aus der Hand zu lassen. Wenn etwas ist, das Kind mitnehmen. Auch sehr einfach: das Kind am Boden wickeln. Es gibt auch Wickeltischunterlagen, die besser geeignet sind als die herkömmlichen. Diese sind nicht nur seitlich, sondern auch am Fußende erhöht. Wichtig ist auch, dass die Eltern schon in der Geburtsvorbereitung darauf hingewiesen werden, dass das gefährlich ist. (derStandard.at, 17.3.2010)

Wissen Wickeltischstürze

Pro Tag stürzen laut dem Verein "Große schützen Kleine" mindestens zwei Kinder in Österreich vom Wickeltisch. 81 Prozent der Kinder sind maximal ein Jahr alt. 97 Prozent der Verletzungen betreffen den Kopf beziehungsweise das Gesicht. Jedes dritte Kind muss stationär aufgenommen werden.

Die Hauptunfallzeiten sind zwischen 8.00 und 10.00 Uhr und zwischen 17.00 und 19.00 Uhr. Jedes zweite Kind stürzt beim Fußende vom Wickeltisch, also in Richtung wickelnder Person. In 59 Prozent der Unfälle passiert es im Badezimmer. Jeder zweite Aufprall erfolgte auf einen Fliesen- beziehungsweise Steinboden.

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Große schützen Kleine

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 156
1 2 3 4
Reinhold Loecker
30
17.3.2010, 18:24
Spätfolgen

Wenn täglich zwei Kinder vom Wickeltisch fallen, dann sind das in zwanzig Jahren 14.300 Kinder (Schaltjahre nicht gerechnet). Jetzt weiß ich endlich, wo all die Leute herkommen, die auf Freilandstraßen maximal 60 km/h schaffen, und die den Unterschied zwischen einem Campingplatz und einer Überholspur nicht kennen.

Yashi Oshkosh
01
18.3.2010, 09:01

Beim Lesen Ihres Posts war ich mir sicher, dass sie den Unfall mit Wohnwagen heute früh auf der S5 bei Stockerau gesehen haben.
Aber sie haben das schon gestern abend gepostet...?!?

beos
90
17.3.2010, 18:00

Wozu gibts diestandard.at . Der Artikel ist auf derstandard doch völlig deplatziert. Merkt man ja auch an den Kommentaren. Das sind keine Kommentare sondern sinnloses Geschwafel...

Vor allem ärgerlich, wenn man sich regelmäßig im Gesundheitsressort "aufhält" und dann mit solchen Artikeln belästigt wird..

Ich ersuche die Redaktion meine Anregung zu überdenken um nicht noch weitere User zu verärgern.

Birgit 68
00
So?

Und warum lesen Sie den Artikel dann auf derstandard.at? Oder sind Sie etwa gar selbst ein Troll?

(Ups, erwischt!)

Jane Lane
 
02
18.3.2010, 12:06
Und Ihr Posting gehört auf derStammtisch ...

Ich ersuche Ihren Wirten, diese Anregung zu überdenken & Ihnen ein Pensionszimmer über seiner Gaststubn zum Flatratepreis zu zu überlassen um somit weiter User des derstandard.at/Gesundheitsressorts vor sinnlosem Geschwafel wie jenem, dass offensichtlich jemand in der Vollf*ttn um 17.03.2010 18:00 abgesetzt hat, zu bewahren, damit sich die nicht immer über komische Trolle ärgern müssen.

A Voice
01
18.3.2010, 09:59
Warum

sollte das in dieStandard gehören?

Charles Duchemin
02
17.3.2010, 17:58
Der "Ich wickel mein Kind nur auf den Boden, weil da kann es nicht runterfallen und deswegen bin ich so gut" Fraktion,

sei ins Stammbuch geschrieben, daß ich nicht wissen möcht, wieviele Kinder sich ernsthafte Erkältungen holen, weils am "zugigen" Boden gewickelt werden :-)

Es hat halt immer alles zwei Seiten, sich jetzt auf eine zu stellen und rüberzuschimpfen: "Ihr seids ja so verantwortungslos, weil ...." bringt ziemlich wenig

t-bonesteak
02
17.3.2010, 18:18
der ist echt gut :-))

Roman Huy-Prech
03
17.3.2010, 16:06

die stimmungsmache gegen die tische beunruhigt mich =)
ich erhebe meine stimme jetzt für die tische und alle eltern, die ein bisschen was riskieren, damit es _allen_ beteiligten gut geht.
nur am boden rumkriechen, kein auto verwenden (und fahrrad sicher auch nicht), ins erdgeschoß ziehen, in kein lokal mehr reingehn, nur mehr gesund essen und dann ständig schlechtgelaunt das kind anraunzen - bravo!
find ich ja total ok, vor den gefahren zu warnen, aber nur wegen eines kleinen restrisikos (wenn man gut aufpasst ist es wirklich sehr klein) alles völlig ablehnen - da kann man sich ja gleich eingraben.

Yashi Oshkosh
01
18.3.2010, 09:04

Der Wickeltisch wird hier aber eher nicht wegen seiner angeblichen Gefährlichkeit kritisiert, sondern wegen seinem Nicht-Nutzen und der Tatsache, dass sich die Leute heutzutage nicht mehr überlegen:

Ich bekomm ein Baby, was brauch ich dafür?

Sondern:
Ich bekomm ein Baby, was hat man da zu haben?

Odette
01
18.3.2010, 09:54
ich find es trotzdem praktisch, das kind oben zu wickeln!

(zur zeit auf der waschmaschine, wird nicht mehr lang gehen...); ich hab einfach keine lust, die nächsten 4 oder 5 jahre (so noch ein 2. kind folgt...) am boden herumzukriechen und mir das kreuz zu ruinieren. natürlich werd ich alles tun, damit das baby nicht runterfällt, das ist ja wohl klar.
klar, wenn man sich überlegt, was man wirklich unbedingt braucht und sich darauf beschränkt, wird ein wickeltisch nicht das erste sein, das man sich zulegt. aber wenn man nicht bei jeder vollen windel das bett, die couch oder den esstisch umfunktionieren muss, ist das schon was wert.

Yashi Oshkosh
00
18.3.2010, 14:45

Verstehn sie mich nicht falsch, ich verurteile niemanden der einen Wickeltisch hat oder sein Baby "oben" wickelt. Ich selbst bin auch nicht unbedingt ein Bodenbewohner und wickle meine Kinder auch lieber irgendwo oben.

Und ob das dann Waschmaschine, Tisch oder sonstwas (von dem das Baby btw auch runterfallen kann) ist egal.

Die ganze Diskussion geht eigentlich am Thema vorbei, denn Schuld an den Unfällen ist nicht der Wickeltisch, sondern die unaufmerksamen/abgelenkten Eltern. Und unaufmerksamen Eltern kann das Kind nicht nur vom Wickeltisch fallen, sondern auch in einem Ententeich ertrinken oder an einem Plastiksackerl ersticken.

Odette
00
18.3.2010, 16:08
sie haben völlig recht!

A Voice
00
18.3.2010, 10:01
Jetzt bin ich ja langsam

gespannt, was für ein gegenseitiges Hinhauen sich wieder mal entwickelt hat :-)

Man braucht sich doch bitte nicht verteidigen, weil man sein Kind lieber wo oben wickelt!

The Argonaut
03
17.3.2010, 15:36
Wickeltisch versus Fussball 1:0

Hier ist die Stimmung ja noch schlimmer als in diversen Rapid gegen Austria gegen Red Bull Foren. Na ja, wenn Glaubensfragen aufeinander treffen, frei nach dem Motto: bis wer weint.

fibiundchillie
04
17.3.2010, 17:00
bis wer weint

hehe, meinens, in der zeit, in der die sich rumstreiten, fallen ihnen die zwergis vom wickeltisch?

something in the air
30
17.3.2010, 11:37
statistisch...

wenn...
pro tag 2 kinder vom wickeltisch fallen, dann heißt das nicht, dass das 2 verschiedene sein müssen... also birnt's manche öfters von tischerl und manche gar nicht...

aber...
kinder, b'soffne und doddeln sind für'n urwald gebaut ;-)

wir könnten wieder eine sturzhelmvollkörperschutztrageanschnallpflicht bei neugeborenen einführen... mit guten statistiken untermauert ließe sich ein gesetz durchdrücken UND viel wichtiger -> was VERDIENEN (per gesetz befohlen)

little django
 
02
19.3.2010, 08:12

bitte net lachen: meine schwedische freundin hat mir erzählt daß es "in" ist den kleinen lauf-lern-zwergen so komische dingensens um den kopf zu schnallen daß die sich nicht anhauen können....
hab nur die augen verdreht. ich mein, daß man aufpasst ist eh klar, hab auch nie so lauflernwagerl verwendet (ist unnötig), aber des ist meines erachtens übertrieben und war net mal bei meinem bruchpiloten notwendig (den´s jetzt mit 10 noch immer über die eigenen füß haut *g*)

Dagmar Rehak
 
10
19.3.2010, 11:34

Find ich net so deppert.
Immerhin ist ja der Kopf wirklich am Gefährdetsten bei Stürzen mit dem Lauflernwagerl. Und wenn man den Babys den Spaß nicht nehmen will - i maan, wir fahren ja Auto auch -, obwohl man weiß, dass es gefährlich ist, sucht man einen Kompromiss und setzt ihnen einen Sturzhelm auf.

sturmy
00
17.3.2010, 11:35
Sicherheitsgurten....

hellfast
00
17.3.2010, 11:14

das arme kind...

t-bonesteak
13
17.3.2010, 11:00
wann kam eigentlich der - völlig unnötige - wickeltisch in mode?

Yashi Oshkosh
00
17.3.2010, 11:50

@standard:
Ist mein Post nicht durch die Zensur gekommen weil ich Axxxxcreme nicht codiert habe?

Michael Bakunin
00
17.3.2010, 11:41

naja, irgendwo muss das kind ja gewickelt werden. wie stellstdu dir das ohne tisch vor?

t-bonesteak
00
17.3.2010, 12:37
ich kann dir sagen wie wir das gemacht haben

und schon meine eltern und deren eltern, usw. und zwar ganz ohne wickeltisch: auf dem bett. oder auch mal auf einer decke am boden. oder auf einem tisch. sachen gibt's, erstaunlich nicht wahr :-)

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