Israel vs. USA: Spannungen verschärft

16. März 2010, 18:12

Gesandter Mitchell sagt Reise ab – Israel erteilt Forderungen nach Stornierung eines Bauprojekts in Ostjerusalem Abfuhr

Jerusalem/Wien - Das Gesprächsklima zwischen den Regierungen von USA und Israel verschlechtert sich weiter. Aus Verärgerung über die geplante Erweiterung jüdischer Siedlungen in Ostjerusalem hat der US-Sondergesandte George Mitchell seine für Dienstag geplante Reise nach Israel verschoben. Der Diplomat soll nun laut Berichten direkt nach Moskau fliegen, um sich mit Vertretern des Nahost-Quartetts - USA, Russland, die Vereinten Nationen und die EU - zu treffen.

EU-Außenministerin Catherine Ashton war am Dienstag zu Besuch beim syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Dieser forderte sie auf, eine eindeutigere Haltung zum Nahost-Konflikt einzunehmen. In einer gemeinsamen Erklärung von Ashton und al-Assad hieß es: "Es ist notwendig, dass die Staaten der Union festlegen, welche Rolle die Union in der Region überhaupt spielen will."

Unterdessen wurden Ostjerusalem und Gaza von Unruhen erschüttert. Palästinenser warfen Steine auf israelische Polizisten, diese antworteten mit Tränengas und Schreckgranaten. 40 Palästinenser und 12 israelische Polizisten wurden verletzt.

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Relativ glimpflich verliefen am Dienstag zunächst die erwarteten Zusammenstöße in Ostjerusalem, während Israelis und Palästinenser jeweils der Gegenseite vorwarfen, sie würde "Öl ins Feuer gießen". Politisch schien die Lage durch die schwere Verstimmung zwischen den USA und Israel so verfahren wie schon lange nicht.

US-Nahostemissär George Mitchell, der sich mehr als ein Jahr lang um Verhandlungen zwischen den Parteien bemüht hatte, sagte einen für Dienstag geplanten weiteren Besuch in Jerusalem im letzten Moment ab. Washington hatte von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu offenbar noch nicht die eingemahnte "formelle Antwort" auf neue Forderungen bekommen. Insbesondere sollen die USA verlangt haben, dass Israel jenes Bauprojekt in Ostjerusalem stoppt, durch dessen Ankündigung Vizepräsident Joe Biden sich vorige Woche brüskiert gefühlt hatte.

Schon seit dem Wochenende hatte die israelische Polizei im Raum Jerusalem massive Verstärkung in Stellung gebracht. In der gereizten Atmosphäre rief die radikalislamische Hamas die Palästinenser für Dienstag zu einem "Tag des Zorns" wegen Israels "Prozeduren in Jerusalem gegen die Al-Aksa-Moschee" auf.

Gemeint war damit die tags zuvor erfolgte Wiedereinweihung einer alten Synagoge, die sich allerdings in rund 400 Metern Entfernung von der Al-Aksa-Moschee befindet. Die Hurva-Synagoge im Jüdischen Viertel der Altstadt, früher eines der Wahrzeichen Jerusalems, war 1948 von den Jordaniern gesprengt und in den letzten Jahren restauriert worden.

An mehreren Brennpunkten in Ostjerusalem versammelten sich jeweils einige Dutzend großteils maskierte Palästinenser, die Steine warfen und Autoreifen anzündeten. Die Polizei setzte Tränengas und Schreckgranaten ein. Rund 40 Palästinenser sollen leicht verletzt worden sein, die israelische Seite meldete rund 30 Festnahmen und zwei leicht verletzte Polizisten.

Nein zu Beschränkungen

Am Montag hatte Netanjahu in einer Rede keinerlei Hinweis darauf geliefert, dass ein Baustopp in Ostjerusalem für ihn infrage käme. "Wir sind bereit, jederzeit mit den Verhandlungen zu beginnen" , sagte Netanjahu, aber "keine israelische Regierung der letzten vierzig Jahre hat Beschränkungen der Bautätigkeit in Jerusalem zugestimmt".

Die Israelis trösteten sich mit vermeintlichen Anzeichen für einen Stimmungswandel in Washington. So rügte der Sprecher des State Department die Palästinenser wegen der "Aufwiegelung" im Zusammenhang mit der Hurva-Synagoge. Und in einem Leitartikel der Washington Post hieß es, durch die "unnötige Konfrontation mit Israel" würde Präsident Barack Obama "riskieren, seinen früheren Fehler zu wiederholen". Auch der unabhängige Senator Joseph Lieberman rief zur Beilegung des "Familienstreits" auf. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2010)

Kommentar posten
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Raptor Jesus
02
17.3.2010, 12:17
Die USA kann Israel gerne ankeifen wie er will

Solange der Handelsfluss USA-Israel nicht einbricht, gibt es keine Konsequenzen, ergo keine Läuterung und Umdenken.

Ybes
01
17.3.2010, 12:13
kann derStandard bitte etwas mehr und ausführlicher

über den Besuch meiner neuen Aussenministerin berichten? Oder geht uns das nichts an?

Bernard Mandeville
 
12
17.3.2010, 12:04
Siamesische Zwillinge

können auch so richtig aufeinander sauer sein. Aber auseinander gehen?

gilad_1361
11
17.3.2010, 12:09

und bei der trennung siamesischer zwillinge kommt es schon mal vor, dass einer oder beide sterben...

desillusionierend
00
17.3.2010, 14:55
leiden Sie unter v.er.n.i.c.h.t.u.n.g.s.p.h.a.n.tasien?

Ahner von Bösem
 
00
17.3.2010, 16:31
Sind ihnen die Punkte ausgegangen?

desillusionierend
00
17.3.2010, 19:19
ja. kann in der planwirtschaft schon mal vorkommen.

wir trinken kaffee und tee bis nachschub da ist.

Jonathan Goutkin
14
17.3.2010, 12:00
Dann könnten die USA ja mal die gewaltsame

Durchsetzung diverser Resolutionen des UN-Sicherheitsrates gegen Israel ankündigen,- u.a. die vom Sicherheitsrat und der UN-Generalversammlung scharf verurteilte und für nichtig erklärte Erklärung Jerusalems zur Hauptstadt Israels.

Flann O'Brien
05
17.3.2010, 11:36

Rechte Überlegenheitsdünkel kombiniert mit religiösem Verheißungswahn. Eine wahrhaft apokalyptische Melange, die den Nahen Osten noch lange quälen wird.

Paipai
21
17.3.2010, 12:33

Ohne den großen Bruder gibts im nahen Osten ohnehin in kürzester Zeit nur mehr eine Partei - Die Qual wird nicht lange dauern...

Mostbluzza
33
17.3.2010, 11:59
ein gefährlicher zeitpunkt

für unbedachte eskalation israels. was würde da mehr "helfen" als eine neuerliche iran-eskalation ....

wo die usa wirklich stehen und was dieser schaukampf wirklich soll, wissen wir ...

http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/03/e... -iran.html

Fritz Wunderlich
00
17.3.2010, 17:13

hehe, schall und rauch, die verschwörungsbasis für internetdepen

desillusionierend
00
17.3.2010, 19:43
was noch harmlos ausgedrückt ist

schlimmer (und v.a. wirrer & irrer) geht's immer - dafür steht nicht zuletzt "schall und rauch".

jetzt muss ich aber schluss machen, muss zur RFID-chip-einpflanzung.

Gerry Mander
02
17.3.2010, 12:26
haben sie den text auch gelesen - oder nur schnell den link gelegt?

Die Fracht beinhaltet unter Anderem 195 smart, guided und Blu-110 Bomben, sowie 192 der massiven 1'000 Kilo Blu-117 Bomben.

„Sie bereiten sich auf die völlige Zerstörung des Iran vor,“ sagte Dan Plesch, Direktor des Zentrums für internationale Studien und Diplomatie an der Universität von London


Das "unter anderem" muss schon eine menge stoff sein, weil die 387 angeführten bomben reichen nicht unbedingt für die "völlige zerstörung des iran" - ausser er meint die kleine insel der "dubai world" die iran heisst!

tom krishan1
 
00
17.3.2010, 13:27

womöglich meinte plesch damit eher die zerstörung jener wichtigsten und entscheidenden infrastruktur, von der angenommen wird, sie stellt oder stützt die vermutete bedrohung des irans.

eine `vollkommene´zerstörung dürfte wohl kaum sinn und zweck sein, möchte man nicht wirklich auch den gesamten nahen- und mittleren osten aufbringen.

andernfalls stünden wir wohl tatsächlich an der schwelle eines wk III, den sicherlich so mancher hardliner oder fanatiker als lösung sehen mag.

Igor Gassner
00
17.3.2010, 13:11
das ist nur die Bunkerbuster Zusatzausrüstung

und die Sonderwaffen für die neue iranische Flugabwehr den Rest hat Israel ja ohnedies schon.

das heisst gezielter Schlag gegen die Atomindustrie

Mostbluzza
00
17.3.2010, 13:06
wo ist ihr problem?

dass man mit ein paar hundert topmodernen bomben nicht 10.000 ziele angreifen ist wohl klar ... wie sie den rest dorthin bekommen ist vielleicht nicht so wichtig, weils abläuft wie bisher (schiffe, flieger usw). es geht ja um diese speziellen bomben die in gebirge eindringen können, wo die pers. anlagen vermutet werden.

worauf wollens denn raus?

gez69
 
62
17.3.2010, 11:47

Besser kann man die Moslems gar nicht beschreiben. Haben sie doch, oder?

TheMarti
37
17.3.2010, 11:15
"keine israelische Regierung der letzten vierzig Jahre hat Beschränkungen der Bautätigkeit in Jerusalem zugestimmt"

Genau das ist ja das (bzw. eines der) Problem(e)...

Fritz Wunderlich
43
17.3.2010, 11:55

vor 67 war ostjerusalem teil jordaniens, und 1948 wurde das jüdische quartier von der jordanische armee und den einheimischen arabern platt gemacht, samt der jetzt neu errichteten synagoge
capisce?

TheMarti
00
18.3.2010, 09:25
Nicht ganz

"capisce" - nicht ganz. Wollen Sie damit sagen, wegen etwas, dass 1948 passierte, ist das heutige unversöhnliche Kriegstreiben der israelischen Regierung gerechtfertigt? Oder fehlt's einfach nur ein bissi am Leseverständnis?

gilad_1361
01
17.3.2010, 12:10
ach so, dann wird dort nur ein "gedenkbau" errichtet..*lol*

Fritz Wunderlich
00
17.3.2010, 13:10

was ist dein problem mit gedenken?

p c2
11
17.3.2010, 12:08

und wenn sie das rädchen der zeit noch ein stück weiter zurückdrehen?

unbequem?

Fritz Wunderlich
00
17.3.2010, 13:09

gerne

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