Anklage wirft Fonseka politische Aktivität zu Militärzeiten vor - Fünf Jahre Haft drohen
Colombo/Neu-Delhi - Die Vorwürfe gegen ihn erscheinen an den Haaren herbeigezogen. Doch helfen wird das Sri Lankas Oppositionsführer Sarath Fonseka kaum. Am Dienstag begann unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Militärprozess gegen den früheren Armeechef, der als Bezwinger der sri-lankischen Terrorgruppe Tamil Tigers gilt. Fonseka ist angeklagt, sich vorschriftswidrig als Militär politisch betätigt zu haben.
Die Opposition wirft dem autoritären Präsidenten Mahinda Rajapakse vor, Fonseka durch den Prozess bei den Parlamentswahlen am 8. April ausschalten zu wollen. Fonseka, der Anfang Februar verhaftet wurde, gilt als gefährlichster Gegner des Präsidenten. Nach Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka überwarf sich Rajapakse mit Fonseka. Im November 2009 trat er als Militärchef zurück, um seinen Ex-Boss bei den Präsidentenwahlen Ende Januar herauszufordern. Die liberale Opposition scharte sich hinter ihm.
Doch das Aufbäumen blieb erfolglos. Der Nationalist Rajapakse, dessen Wählerbasis die singhalesische Mehrheit ist, fuhr einen haushohen Sieg ein. Statt sich als großmütiger Sieger zu gerieren, startete Rajapakse prompt eine Hexenjagd auf die Opposition. Regierungskritiker und Journalisten wurden verhört. Fonseka wurde im Marine-Hauptquartier in Colombo ins Gefängnis geworfen. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der nächste Prozesstag ist zwei Tage vor den Wahlen angesetzt. (Christine Möllhoff/DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2010)