Lange lebe die New Economy

11. April 2003, 11:36
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Seit drei Jahren wird die New Economy totgesagt. Aber nach dem langen Dotcom-Sterben gibt es kräftige Lebenszeichen

Drei Jahre ist der Anfang vom Ende jetzt her: Im März 2000 platzte an der Wall Street die Dotcom-Blase. Seither haben Unternehmen "Dotcom" und "New Economy" als schmutzige Wörter verbannt - als einer der Letzten hat vor wenigen Wochen der Softwarekonzern SAP "E-Business" still und leise einfach wieder zu "Business" in seinem Werbeslogan downgegraded.

Lebendige Leichen

Dabei ist Internet alles andere als tot, obwohl so viele hoffnungsvolle Startups und Dotcoms ihre neun Leben längst aufgebraucht haben. Seit Anfang 2000 Hype nahtlos in Hoffnungslosigkeit überging, hat sich die Zahl der Haushalte mit Internetanschluss in Österreich verdreifacht, von 12 auf 37 Prozent; wuchs also umgekehrt proportional zur Zahl der Pleiten.

Infos

Zwar ist die überwiegende Nutzung des Internets weiterhin Information im weitesten Sinn - von Medien bis zu Weblogs, die vom Irakkrieg beflügelt auch im deutschen Sprachraum ein breiteres Publikum finden. Aber auch die "New Economy" lebt: Das totgesagte Geschäft im Netz hat eine solide Basis gefunden, von der aus es sich verbreitet. Rund ein Viertel der österreichischen Netzbewohner sind regelmäßige Kunden in den Online-Shops, Banken, Reisebüros und sonstigen Angeboten der Netzwelt.

Erfolgreich

Das findet inzwischen auch seinen ökonomischen Niederschlag: Dotcom-Pioniere wie Amazon.com, E-Bay oder Yahoo haben die Umfärbung von rot auf schwarz geschafft. Die florierende Plattform des antiquarischen Buchhandels unter dem grässlichen Namen www.zvab.com zeigt, wie auch kleine Unternehmen mit New-Economy-Strukturen zulegen können. Und wie sehr Online-Banking beim Netzpublikum verankert ist, demonstrierten die lautstarken Reaktionen auf einen mehrtägigen Online-Ausfall bei der Bank Austria Creditanstalt vor wenigen Wochen.

Reiseplanung

Das jüngste kräftige Lebenszeichen kommt aus einer Branche, die unter Konjunkturflaute und Irakkrieg besonders leidet: den Reisebüros. Lastminute.com, Expedia und Ebookers (das gleichfalls sein Dotcom aus dem Namen strich) - die Amazons der Reisebranche - haben ihr Geschäft 2002 fast verdoppelt. Die steile Karriere wurde Online-Reisen zwar schon vor langem vorausgesagt, aber wer hatte in Zeiten der Pest schon noch Träume? Als Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Autoindustrie entstand, schossen hunderte Firmen aus dem Boden, nur um kurz darauf wieder einzugehen. Das Jahrhundert des Internets hat erst begonnen. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe 11. April 2003)

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