Bolivien: Koka-Anbau mit sozialen Problemen verknüpft

11. April 2003, 07:54
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Oppositionspolitiker Oscar Coca: Sitzung der UN-Drogenkommission in Wien nächste Woche ist "Lügenshow"

Wien - Die Bekämpfung des Drogenhandels in Lateinamerika sei für die USA nur ein Vorwand, um ihre politische Präsenz in Lateinamerika zu erhöhen. Dies sagte Donnerstag Abend der bolivianische Oppositionspolitiker Oscar Coca von der Bewegung für den Sozialismus (MAS) bei seinem Vortrag über die gegenwärtige politische Situation in Bolivien in Wien. Die in der Bundeshauptstadt am 16. und 17. April stattfindende 46. Sitzung der UN-Drogenkommission ist für Coca nichts weiter als eine "Lügenshow", bei der gescheiterte Strategien, welche die Ursachen der Problematik nicht berücksichtigen würden, als Erfolge verkauft werden sollen.

So sei infolge der Bekämpfungsprogramme in den letzten zehn Jahre der Kokaanbau nicht gesunken sondern gestiegen. Als Gründe nannte der Berater des bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr knapp unterlegenen MAS-Kandidaten und Kokabauern-Sprecher, Evo Morales, im Gespräch mit der APA, dass die Bauern in die Erarbeitung von Alternativprogrammen nicht ausreichend eingebunden gewesen seien. Vor allem aber sei das Problem des Koka-Anbaus untrennbar verbunden mit den sozialen Problemen des Landes. Ursprünglich hätte Morales selbst den Vortrag halten sollen, er musste aber kurzfristig absagen.

Die Situation in Bolivien stellt sich laut Coca als besonders schwierig dar, weil das "Armenhaus Südamerikas" seit 1985 als "Versuchskaninchen" bzw. "Laboratorium" des Neoliberalismus gedient habe. Konkret nannte er in diesem Zusammenhang den IWF, die Weltbank und die Vereinten Nationen. So habe der Staat alle Subventionen gestrichen, die kleinbäuerlich organisierte Wirtschaft Boliviens habe ihre internationale Konkurrenzfähigkeit im Laufe der Jahre völlig eingebüßt. Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt multinationale Konzerne, die das Land - etwa im Bereich der Erdölwirtschaft - ausbeuten würden.

Gegenwärtig befinde sich das "Tibet der Anden" aber vor allem politisch in einer "total instabilen Situation". Dies hätten nicht zuletzt die Streiks wegen geplanter Steuererhöhungen, an denen auch die Polizei teilgenommen hatte, im Februar diesen Jahres gezeigt. Bei seiner Niederschlagung, an der das Militär führend beteiligt war, verloren 33 Menschen ihr Leben. Eine latente Putschgefahr sei im "Tibet der Anden" derzeit permanent vorhanden, was nicht zuletzt für andere Demokratien in Lateinamerika eine gefährliche Situation darstellen würde. Auch seiner Partei seien über die US-Botschaft in der Hauptstadt La Paz Putschabsichten unterstellt worden, so der Politiker. Die USA hatten bereits vor der Präsidentschaftswahl vor Morales "gewarnt".

Gründe, weshalb man von verschiedenen Seiten die MAS-Bewegung zu diskreditieren versuche, vermutet Coca nicht zuletzt im Umstand, dass es sich dabei um eine indigene Volksbewegung handle: "Dass Indios selbst regieren könnten, raubt internationalen Organisationen und Konzernen den Schlaf", so der Politiker, der in Venezuelas Präsident Hugo Chavez einen wichtigen Verbündeten des seiner eigenen Fraktion sieht. (APA)

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