SARS-Angst wird zur Hysterie

11. April 2003, 20:52
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Patient war an Bord von sieben Lufthansa-Flügen - Entwarnung bei Linzer mit SARS Verdacht - Infizierte auf 2.700 gestiegen

Hongkong - Ein SARS-Patient in Hongkong war in den vergangenen Wochen an Bord von sieben Lufthansa-Flügen. Das teilten die Behörden in Hongkong am Donnerstag mit. Sie riefen alle Passagiere der betreffenden Flüge auf, sich untersuchen zu lassen.

Verdachtsfälle auf den Philippinen und in Indonesien

Die gefährliche Lungenkrankheit SARS hat möglicherweise zwei weitere Länder Südostasiens erreicht. Die Philippinen und Indonesien meldeten jeweils den ersten dringenden Verdachtsfall des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS). Bei beiden Männern handle es sich um Ausländer, die vor Kurzem von einer Reise nach Hongkong zurückgekehrt waren, teilten die Behörden in Jakarta und Manila am Freitag mit. Weltweit wurden bisher 111 SARS-Todesfälle registriert. Die Zahl der Infizierten liegt bei mehr als 2.700.

Konzertabsagen

Nach den Rolling Stones, dem US-Musiker Moby und dem Sänger Andy Williams hat auch der britische Sänger David Gray sein Konzert in Hongkong abgesagt. Eine entsprechende Anzeige bezüglich des Konzerts am 28. April erschien in der Zeitung "South China Morning Post".

1000 Erkrankte in Hongkong - Fünf weitere Tote in Hongkong und China

In Hongkong sind bis zum Freitag 30 Menschen an der Krankheit gestorben, fast 1.000 erkrankten. Hongkong und China meldeten zudem fünf weitere Todesfälle, damit stieg die Zahl der SARS-Opfer weltweit auf mindestens 111.

Enwarnung bei Oberöstereicher mit SARS-Verdacht

Keine SARS-Erkrankung in Linz Im Falle jenes 26-jährigen Patienten, der mit Verdacht auf die heimtückische Lungenkrankheit in einer Linzer Spital eingeliefert wurde, konnten die Ärzte Freitagnachmittag endgültig Entwarnung geben. Die Blutbefunde seien eindeutig negativ gewesen, der Patient leide an einer so genannten Influenza A - einer schweren Form der Grippe mit heftigen Fieberschüben, so der Internist Kurt Lenz.

Der 26-Jährige wurde nach der Rückkehr von einem längeren Aufenthalt in der Volksrepublik China mit hohem Fieber und starkem Husten in das Linzer Krankenhaus eingeliefert. Dort hatte man dann sofort alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen und den Mann unter Quarantäne gestellt.

Lufthansa informiert alle Mitgereisten

Der chinesische Lufthansa-Passagier, der am Dienstag in ein Hongkonger Krankenhaus eingeliefert wurde, zeigte bei einem Aufenthalt in Barcelona am 31. März erste Symptome von SARS. Er war an Bord folgender Flüge: LH731 von Hongkong nach München am 30. März, LH4316 von München nach Barcelona am 31. März, LH4303 von Barcelona nach Frankfurt am 2. April, LH4520 von Frankfurt nach London am 2. April, LH4671 von London nach München am 3. April, LH265 von München nach Frankfurt am 4. April und LH738 von Frankfurt nach Hongkong am 4. April. Die Lufthansa kündigte an, alle Mitreisenden zu informieren. Die betroffenen Maschinen wurden desinfiziert.

Zweifel an den chinesischen Zahlen

In China erhöhte sich die Zahl der Todesfälle nach einer offiziellen Erklärung auf 55. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte indirekt Zweifel an den chinesischen Zahlen. Wie die Organisation auf ihrer Website mitteilte, liefern die Krankenhäuser in Peking keine täglichen Berichte über die Entwicklung der Krankheitsfälle ab. Zudem erfolge keine systematische Suche nach Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten.

Strengere Quarantänemaßnahmen in Hongkong

Zur Eindämmung der Lungenkrankheit SARS hat Hongkong am Freitag strengere Quarantänemaßnahmen umgesetzt. Menschen, die mit einem bestätigten SARS-Patienten zusammen wohnen, müssen demnach zehn Tage lang zu Hause bleiben. Andernfalls drohen ihnen Geld- und Haftstrafen. Darüber hinaus können sie in Quarantänelager eingewiesen werden. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde sollen die 150 Betroffenen regelmäßig untersuchen und täglich anrufen.

Die Regierung versorgt die Menschen mit Nahrung und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs. Vor der Bekanntgabe der neuen Maßnahmen am Donnerstag mussten Menschen, die bei SARS-Patienten wohnen, ihrer Arbeitsstelle fernbleiben und sich ärztlich untersuchen lassen.

Schanghai - Ausländer mit SARS-ähnlichen Symptomen im Krankenhaus

In Schanghai wurden unterdessen nach offiziellen Angaben sieben Ausländer mit SARS-ähnlichen Symptomen in ein Krankenhaus eingeliefert. Unter ihnen befanden sich zwei US-Bürger, wie das US-Konsulat am Freitag erklärte. Über die Nationalität der anderen wurde nichts mitgeteilt. Sollte sich der SARS-Verdacht bestätigen, würden die Behörden dies mitteilen, erklärte ein Vetreter des Zentrums für Seuchenkontrolle.

Vertuschter infizierter Amerikaner in Hongkong

Weiterhin wurden Vorwürfe laut, die chinesischen Behörden hätten einen sterbenden Amerikaner nach Hongkong verlegt, um nicht noch ein SARS-Opfer melden zu müssen. Der 52-jährige James Salisbury wurde bei seiner Ankunft in der chinesischen Sonderzone für tot erklärt. "Es sah so aus, als wollten sie ihn am Leben halten, bis sie ihn nach Hongkong gebracht hatten", sagte sein Freund David Westbrook. Die chinesischen Behörden erklärten dagegen, Salisbury sei auf Bitten seiner Familie in die Sonderzone gebracht worden.

Asiatische Länder verschärften ihre Einreisebestimmungen

Mehrere asiatische Länder verschärften ihre Einreise- und Quarantänebestimmungen, um die Lungenseuche einzudämmen. Das Gesundheitsministerium in Hongkong erklärte, jeder, der mit einem SARS-Kranken zusammenlebe, müsse für zehn Tage in Quarantäne. Nach drei neuen Todesfällen am Donnerstag stieg die Zahl der Opfer in der Sonderzone auf 30. Malaysia will so gut wie keine Visa mehr an Reisende aus Hongkong ausstellen.

Elekronisches Armband für SARS- Infizierte in Singapur

Singapur kündigte eine Video-Überwachung von Menschen in häuslicher Quarantäne an. Betroffen seien 490 Personen. Mehrere von ihnen hätten die Quarantäne gebrochen, erklärte das Gesundheitsministerium. Wer künftig dabei ertappt werde, bekomme ein elektronisches Armband, das beim Verlassen des Hauses Alarm schlage.Taiwan beschloss, bei allen auf dem Flughafen von Taipeh eintreffenden Passagieren das Fieber zu messen. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jedes öffentliche Fahrzeug in Korea wird aus Vorsorge vor SARS täglich penibel gereinigt

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