Schattenjagd

10. April 2003, 20:30
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Jägerin verlässt ihr Jagdrevier aus Protest gegen Giftfallen der Männerlobby

Aus Protest gegen die Giftfallen der Jäger hat Uschi Titz ihr Jagdrevier aufgegeben.Im März hatten zwei Adler im Weinviertel tödliche Fleischköder gefressen, insgesamt wurden in den vergangenen Wochen neun tote Greifvögel gefunden.

Gänserndorf/Eisenstadt - Sie ist eine "begeisterte Jägerin" und zudem die einzige Frau in Österreich, die bis vor kurzem ein Jagdrevier geleitet hat. Bis Anfang April 2003, da entschloss sich die burgenländische ORF-Redakteurin Uschi Titz, ihr Revier nach acht Jahren aufzugeben: wegen der Giftfallengefahr.

"Ich hatte aus beruflichen Gründen viel zu wenig Zeit. Um aufzupassen und zu verhindern, dass irgendein kranker Mensch in meinem Revier etwas unternimmt, was ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann", sagt Titz. Das Auslegen von mit Carbofuran versetztem Fleisch, mit dem in Niederösterreich und dem Burgenland neun Greifvögel vergiftet wurden (DER STANDARD berichtete), falle durchaus in die Kategorie ihrer Befürchtungen, fügt sie hinzu.

Nicht zuletzt deshalb, "weil ich mir seit 15 Jahren anhören muss, wie manche Jäger Seeadler und andere große Greife als ,Feinde' bezeichnen". Mit der Begründung, dass die vom Aussterben bedrohten Vögel junge Kaninchen oder Fasane erbeuteten und so die Beute des Weidmanns schmälerten. Eine "völlig verquere Sichtweise", wie die Burgenländerin betont: "So ein Vogel tötet, weil er Hunger hat" - und nicht, weil er für das Recht zu töten einen Pachtschilling entrichtet habe.

"Bist eh nur a Frau"

Ihren - durchgehend männlichen - Jagdkollegen stellt Titz kein gutes Zeugnis aus. Eine "Männerlobby" sei es, die sich da bewaffnet durch Wald und Flur bewege; Frauen würden nur akzeptiert, wenn sie "im Schatten" blieben. Nachdem etwa sie selber im Jahr 1994 einen mit 1816 Euro dotierten JournalistInnenpreis für Jagdpublizistik erhalten hatte, sei ein hoher Jagdfunktionär auf sie zugekommen. Mit den Worten: "Was bildest dir ein, bist eh nur a Frau."

Dabei, so Titz, betreibe auch manche Geschlechtsgenossin die Jagd "mit Leidenschaft". Exskirennläuferin Annemarie Moser-Pröll etwa, mit der sie "a guat's Gespräch" geführt habe. Die, wie sie selber auch, überzeugt sei: "Die Jagd ist eine Notwendigkeit. Ein Jäger muss darauf achten, dass im Revier der gesunde Wildstand erhalten bleibt. Dass kein Fasan das Korn pickt und kein Fuchs die jungen Trauben." (Irene Brickner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.4. 2003)

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