Brinek: Keine Lust auf "Müttermythos"

11. April 2003, 13:16
6 Postings

ÖVP-Abgeordnete zur Pensionsdebatte: Beruf nicht aus den Augen verlieren

Wien - "Wir müssen uns vom Müttermythos befreien - dass nur die Mutter die einzig wahre Bezugsperson für Kinder ist", sagt Gertrude Brinek zum STANDARD. Dass sie das als Abgeordnete der ÖVP tut, lässt aufhorchen. Hat nicht die Volkspartei stets die Mutter beim Kind propagiert? "Wir ÖAAB-Frauen nicht", entgegnet Brinek, räumt aber ein, dass sie mit ihrer Meinung oft innerparteilich aneckte.

Wegen längerer Durchrechnungszeiträume durch die Pensionsreform wird die Pension jener Frauen sinken, die länger daheim geblieben sind oder Teilzeit arbeiteten. Brinek wünscht sich eine Korrektur: Die Ersatzzeiten für Kindererziehung (24 Monate pro Kind für Kindergeldbezieherinnen, 18 für die "alten" Karenzgeldbezieherinnen) sollten sich nicht am Ausgleichszulagenrichtsatz, sondern am Durchschnittsverdienst der Betroffenen orientieren.

An den Wiedereinstieg denken

Die Wiener ÖVP-Politikerin ermuntert Jungmütter, beim Berufsausstieg schon an den Wiedereinstieg zu denken: Jahrelang daheim zu bleiben räche sich und sei auch gar nicht gut fürs Kind: Früher seien Frauen mit einer größeren Kinderschar und einem aufwändigeren Haushalt belastet gewesen. Nun seien Mütter vor allem "Unterhalter" der (Einzel-)Kinder, die dadurch zu "kleinen Egoisten" heranwüchsen. Ab dem 18. Lebensmonat sei es vertretbar, den Nachwuchs in eine qualitätsvolle, außerhäusliche Kinderbetreuung zu geben.

Stichwort Kindergeld

Und das Kindergeld? "Es war nicht die Absicht, die Frauen nach Hause zu locken, sondern ihnen Mittel für Beweglichkeit zu geben", sagt Brinek. Immerhin sei die Möglichkeit zu höheren Nebenverdiensten eröffnet worden.

Mit der Pensionsreform schließe man sich der europäischen Normalität an. Denn Österreich habe das bestausgestattete aller europäischen Pensionssysteme, gleichzeitig aber auch eine der höchsten Steuerbelastungsquoten, die gesenkt werden soll. (Martina Salomon, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.4. 2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Brinek: Ab dem 18. Lebensmonat sei es vertretbar, den Nachwuchs in eine qualitätsvolle, außerhäusliche Kinderbetreuung zu geben.
Share if you care.