"Die Asfinag gehört doch privatisiert"

10. April 2003, 20:17
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Hans-Peter Haselsteiners Strabag strebt nach Autostrade weitere Kooperationen an - Der reizbare Bau-Tycoon im STANDARD-Interview

STANDARD: Was hat Hans-Peter Haselsteiner dazu bewogen, beim einstigen Konkurrenten der Mautausschreibung nun doch einzusteigen?
Haselsteiner: Das ist eine strategische Entscheidung. Wir hatten uns vergangenes Jahr um den Auftrag als österreichischer Mautbetreiber bemüht und verloren. Das war bitter.

STANDARD: Zu welchen Konditionen steigen Sie ein?
Haselsteiner: Wir sind zunächst mit 30 Prozent an der Autostrade-Tochter Autostrade International beteiligt und haben eine Option auf weitere zehn Prozent. Derzeit sind wir Zulieferer. Demnächst werden wir gleichzeitig unser eigener Unternehmer sein.

STANDARD: Welche strategischen Partner werden Sie in den Deal mit hineinnehmen?
Haselsteiner: Ich könnte mir durchaus Partner aus Österreich und der EU - also europäische Baufirmen, Autobahnbetreiber und vielleicht die Asfinag - vorstellen.

STANDARD: Welche strategische Bedeutung hat die Asfinag in diesem Deal?
Haselsteiner: Die Asfinag ist der verlängerte Arm des Infrastrukturministeriums. Eigentlich ist sie ein gänzlich unmoderner Betrieb: Man sollte sie privatisieren und in eine Infrastruktur AG ausgliedern.

STANDARD: Wird die Asfinag ihrem Einstieg bei Autostrade International zustimmen?
Haselsteiner: Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine staatliche Organisation einem privaten Unternehmer bei einem derartigen Projekt im Weg stehen will. Das wäre so, als ob der Finanz- und der Infrastrukturminister Interesse daran hätten, der Strabag den Weg zu verbauen.

STANDARD: Warum benötigt man zusätzlich zum Schnellstraßenbetreiber Asfinag und zum Mautbetreiber Europpass die Baufirma Strabag?
Haselsteiner: Unsere Funktion ist gerechtfertigt, sonst hätte die Asfinag uns nicht schon im Vorfeld des Deals Rosen gestreut.

STANDARD: Was ist Ihre eigentliche Strategie?
Haselsteiner: Wir wollen den mittel- und osteuropäischen Markt ausbauen. Im übrigen Europa ist nichts mehr zu holen. Die Autostrade ist der größte Autobahnmautbetreiber in der EU. Wir werden gemeinsam in jene Länder expandieren, wo die Strabag bereits tätig ist: In Tschechien und Polen werden wir unsere Kräfte bündeln.

STANDARD: Wenn man bedenkt, dass EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio in der EU die GPRS-Technologie statt Mikrowelle favorisiert und bis zum Jahr 2012 durchsetzen will, dass alle EU-Länder ein solches System verwenden - sind Sie da nicht beim falschen Betreiber gelandet?
Haselsteiner: Die meisten Autobahnen in der EU - also jene in Frankreich, Italien und Spanien - funktionieren doch mit der Mikrowellentechnologie. Das österreichische System ist zu 100 Prozent interoperabel. Ich kann mir vorstellen, dass wir das Mikrowellen-System auf GPRS umstellen.

STANDARD: Wird sich an den Eigentumsverhältnissen bei der Strabag etwas ändern?
Haselsteiner: Nein. Auch nach dem Rückzug von der Börse (beide Eigentümer kaufen Streubesitz von 8,62 Prozent zurück, Anm.) werden die Familien Lerchbaumer (Mädchenname seiner Gattin, Anm.) und Haselsteiner 50 minus einer Aktien und Raiffeisen sowie Uniqa 50 plus einer Aktie halten. Das Angebot an die Kleinaktionäre von 70 Euro pro Aktie wird nicht nachgebessert.

STANDARD: Ist die Finanzierung über Anleihen, wie Sie es machen, nicht teurer als sich Kapital von der Börse zu besorgen?
Haselsteiner: Wir sind von Standard & Poors derzeit mit BB outlook positiv bewertet. Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren Triple B flat oder besser noch Triple B plus zu erreichen. Damit bekommen wir günstige Finanzierungen.

STANDARD: Sie haben soeben Ihr Immobilien-Projektgeschäft an die Raiffeisen übertragen. Streben Sie auch in anderen Bereichen eine Zusammenarbeit mit der Raiffeisen-Gruppe an?
Haselsteiner: Denkbar wäre diese etwa bei der Telekommunikation oder bei der Energie. Hier könnte die vereinte Marktstellung beider Gruppen den Einkauf verbilligen. In der Verwaltung eher nicht, da sind die Unterschiede zwischen einer Bank und einer Baufirma zu groß.

STANDARD: Wie wird sich Ihr Konzernumsatz von 5,27 Mrd. Euro künftig aufteilen?
Haselsteiner: Derzeit entfallen 35 Prozent auf Deutschland, 30 Prozent auf Österreich und der Rest auf die Wachstumsmärkte in Osteuropa. Es wird zu einer schleichenden Verschiebung zugunsten der Wachstumsmärkte kommen.

STANDARD: Es heißt, die Alpine trennt sich von ihrem Auslandsgeschäft. Hätten Sie Interesse, es zu kaufen?
Haselsteiner: Nein. Vorstellbar ist nur eine Zusammenarbeit bei einzelnen Baustellen.

STANDARD: Wird es in Österreich zu weiteren Firmenfusionen am Bau kommen?
Haselsteiner: Es wäre wünschenswert, geht aber bei den großen Baufirmen kartellrechtlich nicht.

STANDARD: Ist Ihre Firma in die aktuelle Korruptionsaffäre am Bau involviert?
Haselsteiner: Ja, leider Gottes gibt es bei uns einen Mitarbeiter. Und das, wo wir gerade mit unserem Ethikkatalog durch die Firma gehen.

STANDARD: Welche Wirtschaftspolitischen Maßnahmen wünschen Sie sich von der Regierung?
Haselsteiner: Politisch gebe ich kein Statement ab. Ich wäre aber froh, wenn die angekündigten Projekte wie der Ausbau der Inntalautobahn, die Südwestumfahrung Wiens, die Verbindungsautobahn nach Tschechien und der Semmeringbasistunnel verwirklicht würden. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 11.4.2003)

Mit Haselsteiner sprachen Judith Grohmann und Claudia Ruff.

Zur Person
Hans-Peter Haselsteiner

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Strabag

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    Hans-Peter Haselsteiner will für Autostrade eine gute Figur machen. Aktuell fotografieren ließ sich der reizbare Bau-Tycoon aber nicht.

  • Konzernstruktur Bauholding Strabag

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    grafik: der standard

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