Ein Haus der späten Werke

10. April 2003, 19:25
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Die Pläne der Wiener Staatsoper für 2003/04

Wien - Die Wiener Staatsoper und ihr Direktor im Zahlenglück: In der laufenden Saison kommt das Haus am Ring auf eine Auslastung von 95,88 Prozent (mehr als zwei Prozent plus gegenüber dem Vorjahr), was 3599 zusätzliche Besucher und Mehreinnahmen von 136.000 Euro bedeutet. Bisher wurden 22.111 Abonnements für die kommende Saison verkauft. Weniger glücklich ist Staatsoperndirektor Ioan Holender mit der seit 1995 eingefrorenen Bundessubvention. Die Staatsoper habe noch Reserven, mit diesen würde sie die nächste Saison schaffen; die übernächste jedoch nicht, so Holender. Wenig optimistisch ist der Direktor auch bezüglich der 1,09 Millionen Euro, die der in Zahlungsschwierigkeiten geratene Großsponsor Alberto Vilar zugesagt hat. In jedem Fall aber sei das "Vilar-Titel"-System eine tolle Sache. Wenn Vilar nicht zahlen werde, würde die Staatsoper die Mittel aus eigener Kraft aufbringen, so Holender.

Die Premieren der Staatsopernsaison 2003/ 2004 sind vor allem von Spätwerken bestimmt. Christine Mielitz wird Wagners letztes Werk, Parsifal, neu inszenieren (Premiere am 8. 4. 2004 unter Dirigent Donald Runnicles); Regisseur Marco Arturo Marelli widmet sich Verdis Falstaff (19. 10., Dirigent: Fabio Luisi); und Günter Krämer gestaltet Richard Strauss' Daphne (13. 6. 2004, Dirigent: Semyon Bychkov). Und: Christine Mielitz inszeniert auch Wagners Der Fliegende Holländer (5. 12., Dirigent: Seiji Ozawa).

Viele Mozart-Töne

Wiederaufnamen gibt es von Massenets Hérodiade, Donizettis L'Elisir d'amore, Enescus Oedipe und Bellinis I Puritani. Musikalische Neueinstudierungen werden von Verdis Jerusalem und Mozarts Le Nozze di Figaro zu hören sein. Einen Mozart-Schwerpunkt gibt es um dessen Geburtstag am 27. Jänner herum. Gegeben werden Figaro, Così fan tutte und Don Giovanni - betreut werden sie von Staatsopern-Musikdirektor Seiji Ozawa. Wieder am Programm ist das philharmonische Konzert an Gustav Mahlers Todestag, dem 18. Mai. Ozawa dirigiert das Berlioz-Requiem.

Bezüglich der ferneren Zukunft kündigte Ioan Holender als Kooperation mit den Salzburger Festspielen Korngolds Tote Stadt an, die ab 2004/05 in der Staatsoper zu sehen sein wird. Auch Schönbergs Moses und Aron werde in einer Kooperation kommen - zwischen Österreich und Japan, was erstmals passieren würde. Keinesfalls wird es übrigens eine Neuinszenierung von Wagners Ring-Tetralogie geben, nicht "bis zum Ende meiner Amtszeit, bis 2007", so Holender. Man hatte sich ja mit dem Gedanken getragen, einen neuen Ring sogar auf vier aufeinander folgenden Tagen zu geben. Änderung im Kinderprogramm: Statt des angekündigten Filmmusik-Projektes mit John Williams gibt es am Tag nach dem nächstjährigen Opernball, weil das vielfach so gewünscht wird, ein Dacapo mit Mozarts Zauberflöte für Kinder. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2003)

Von
Ljubisa Tosic

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wiener-staatsoper.at
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