Frankreichs ist eines Präsidenten müde, der großartig gestikulieren kann, aber letztlich kaum etwas verändert
Die Wahlschlappe der Rechtspartei UMP bei den französischen Regionalwahlen ist ein persönlicher Rückschlag für Nicolas Sarkozy. Sein Versprechen von vergangenem Freitag, er werde eine "Pause" in seiner Reformpolitik einlegen, kam zu spät. Krise, Sparen, Angst um den Job - das ist an den Franzosen nicht spurlos vorbeigegangen. Das Volk sei "müde" , meint der nationale Ombudsmann Jean-Paul Delevoye in seinem Jahresbericht.
Es ist auch eines Präsidenten müde, der großartig gestikulieren kann, aber letztlich kaum etwas verändert. Seit seiner Wahl hatte Sarkozy immer wieder erklärt, er sei "der Präsident der Reformen" . Das erweist sich nun als fatal. Linke Wähler hören - und nicht erst seit der Griechenland-Krise - zuerst einmal "Sozialabbau" heraus, während das bürgerliche Lager dem Reformdiskurs mangels Umsetzung auch nicht mehr glaubt.
Kein Zweifel, die Franzosen wünschen sich die Auszeit, die ihnen der Politwirbelwind nun verspricht. Dass er wenigstens dieses Versprechen einhalten wird, ist jedoch zu bezweifeln. Pausieren ist nicht Sarkozys Ding. Es würde ihn vielmehr entlarven: Denn was ist der Präsident ohne seinen Aktivismus, ohne seine Umtriebigkeit, ohne seine ständige Bewegung? Bald wird er wieder loslegen und die Segel wie der Fliegende Holländer von neuem setzen. Bloß die Mannschaft - die scheint dem rasenden Franzosen nicht mehr zu folgen. (Stefan Brändle, DER STANDARD, Printausgabe 16.3.2010)