Israelische Siedlerprodukte

EU nimmt Etikettenschwindel ins Visier

András Szigetvari, 15. März 2010, 20:44

Nach dem Urteil des EuGH gegen israelische Siedlerprodukte will nun Großbritannien weiter Druck machen

Seit 20 Jahren drängt Israel in den Klub der mächtigsten Industrienationen, nun ist es soweit. Noch vor dem Sommer will die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den Aufnahmebeschluss fällen.

Doch Israels Beitritt hat einen brisanten Schönheitsfehler: Der statistische Meldedienst des Landes muss innerhalb eines Jahres umgekrempelt werden. Denn die Regierung in Jerusalem bezieht in seine gesamtwirtschaftliche Rechnung auch das annektierte Ostjerusalem, die Golan-Höhen und das Westjordanland mit ein, was die OECD strikt ablehnt.

Die Episode ist kein Einzelfall. Immer wieder gerät die israelische Wirtschaft wegen der fortdauernden jüdischen Siedlungspolitik ins schiefe Licht. Der brisanteste Vorfall im heurigen Jahr betraf das Verhältnis mit der EU.

Ende Februar hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden, dass Siedlungen aus handelsrechtlicher Sicht nicht zum israelischen Staatsgebiet zählen. Ein Hamburger Unternehmen hatte Trinkwassersprudler der Firma Soda-Club aus Israel importiert. Die Geräte werden in der Siedlung Ma‘ale Adumim hergestellt.

1995 haben Israel und die EU Zollfreiheit vereinbart, Siedlungen sind allerdings ausgenommen. Doch Israel kennzeichnete die Warenherkunft häufig nicht oder gab den Unternehmenssitz und nicht den Produktionsstandort an. Diesem Vorgehen hat der EuGH einen Riegel vorgeschoben.

So politisch brisant das Urteil auch sein mag, wirtschaftlich werden sich die Konsequenzen in Grenzen halten. Denn im Westjordanland sind zwar viele israelische Unternehmen tätig, sie exportieren Früchte ebenso wie Kosmetika vom Toten Meer. Allerdings kommt nur ein kleiner Teil der Exporte aus den besetzten Gebieten. Insgesamt führte Israel 2009 Waren im Wert von 18 Milliarden Euro in die EU aus.

Doch neue Drohungen stehen schon im Raum. Die Kennzeichnung der Produkte betrifft nur Zollbehörden, der Kunde weiß nicht, woher die Waren stammen. Laut Diplomaten drängt Großbritannien auf ein härteres Vorgehen, überlegt wird eine Etikettenpflicht für Siedlungsprodukte.

Keine Fortschritte gibt es schließlich bei einem zwischen der EU und Israel ausverhandelten Assoziationsabkommen. Der Vertrag hätte Israel stärker an die EU gebunden, so sollte etwa die diplomatische und akademische Kooperation vertieft werden. Seit dem Gazakrieg im Jänner 2009 liegt das Abkommen auf Eis. Kommende Woche werden die Außenminister in Brüssel über den Vertrag zwar wieder beraten, ein Entschluss wird nicht erwartet. (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe 16.3.2010)

Zala Manda
00
21.3.2010, 18:22
nationalstaaten abschaffen

mauern wegreissen, ressourcen teilen, schuss-, lenk- und sprengwaffen aller kaliber und größenordnungen verschrotten und alle militärs pensionieren oder resozialisieren; dann könnten wir uns auf die eigentlichen aufgaben der menschheit konzentrieren .. und dabei sogar noch spass haben;

obowhl schon größere geister versucht haben, diese einsicht zu verbreiten, hat sie sich bisher nicht wirklich durchgesetzt.

NONE
35
16.3.2010, 11:03

Mit anderen Worten:

Israel lügt und betrügt, kennzeichnet bewusst falsch (damit sie mehr verkaufen können).

Und die EU akzeptiert es.

Die EU ist wirklich am widerlichsten hier - von Menschenrechten reden, aber das Brechen von Rechten akzeptieren.

Kontrahent1
00
23.3.2010, 11:22
Auch aus diesem Grund

vermeide ich schon seit längerem, überhaupt Waren aus Israel zu kaufen. Ein weiterer Grund ist, sie werden mit gestohlenem Wasser produziert, welches den Palästis vorenthalten wird.

A.Bundy
20
20.3.2010, 14:22

Lesen und Verstehen ist offensichtlich so gar nicht ihr Ding. Dafür das prompte Anschlagen, sobald das Keyword "Israel" auftaucht. Wuff-wuff.

J. Felix
01
16.3.2010, 14:33
Äh...was?

Der EuGH hat eben gegen diese Praxis entschieden, die EU akzeptiert das Vorgehen Israels also nicht.

teuerzahler
16
16.3.2010, 09:03
belohnung für besatzungpolitik, vertreibungspolitik, illegale landnahme?

das gibts auch nur mit israel, dem gelobten land.

beschämend.

Rita Matsuko1
013
15.3.2010, 22:40
guter erster schritt

ich plädiere schon lange dafür, dass israel auch alle agrarprodukte, die zu einem nicht unerheblichen teil aus den besetzten gebieten stammen, entsprechend kennzeichnen muss.

NONE
02
16.3.2010, 11:05

Kennzeichnungen sind immer wichtig.

Kennzeichnungen helfen einem Konsumenten Entscheidungen zu treffen. Das Ziel der Industrie ist fast immer eine Reduzierung von Kennzeichnungen zu erreichen (ausser dies würde ihnen zum Nachteil gereichen, z.bsp verlangte McDonalds von Fleischlieferanten nach einigen Skandalen zertifizierte Tests)

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