Die Missbrauchsfälle im Stift Kremsmünster beschäftigen ab sofort auch die Staatsanwaltschaft - Ein Benediktiner-Pater hat Selbstanzeige erstattet - Bisher wurden im Kloster bereits fünf Geistliche suspendiert
Linz/Salzburg - Man ist sichtlich bemüht, die "Leichen" aus dem Stiftskeller zu holen. Nach dem Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs in der jüngeren, vor allem aber älteren Klostergeschichte, hat jetzt der Abt des Stiftes Kremsmünster, Ambros Ebhart, zwei weitere Patres, gegen die Missbrauchsvorwürfe vorgebracht worden waren, mit sofortiger Wirkung ihrer Ämter enthoben. Damit sind mittlerweile fünf Geistliche des oberösterreichischen Klosters suspendiert.
Und man geht erstaunlich offensiv mit den Vorfällen um, wie ein Blick auf die Homepage des Stiftes zeigt. Dort entschuldigt sich nämlich einer der beschuldigten Klosterbrüder bei seinen Opfern: "Ein Sadist wollte ich nie sein! Wenn ich den entsprechenden Eindruck erweckt habe, tut mir das leid! Ich war leider oft gedankenlos, oft launenhaft und allzu oft unbeherrscht. Dafür möchte ich mich entschuldigen."
Pater: "Hatte Schüler gern"
Der Pater beteuert, seine Schüler "ausnahmslos gern gehabt" zu haben: "Mag sein, dass ich meine Gefühle oft zu wenig, manchmal auch gar nicht - bei anderen Gelegenheiten dann wieder zu deutlich und auf unzulässige Weise gezeigt habe." Online kündigt der Pater auch an, sich "ohne Umwege direkt den staatlichen Behörden" stellen zu wollen.
Vergangene Woche wurden Vorwürfe, die sich in den 1980er- und 1990er-Jahren ereignet haben sollen, gegen drei Patres bekannt. Das geistliche Trio wurde umgehend suspendiert. Sonntag tagte dann im Kloster ein Krisenstab aus Ordensbrüdern und weltlichen Beratern. Danach enthob der Abt zwei weitere Geistliche ihrer Ämter. Er wolle damit ein deutliches Zeichen setzen, "dass mir und der Klostergemeinschaft an einer klaren und transparenten Aufklärung und Aufarbeitung des Geschehenen gelegen ist".
Ansturm auf Ombudsstellen
In Salzburg haben sich indes seit dem Rücktritt des Erzabtes von St. Peter, der den sexuellen Missbrauch eines Buben vor 40 Jahren zugegeben hatte, zehn mögliche Opfer von Übergriffen durch Kirchenvertreter bei der Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs gemeldet. Damit gingen binnen einer Woche beinahe so viele Meldungen ein, wie in der Stelle seit ihrem Bestehen insgesamt, denn seit 2002 wurden in Summe 13 Anschuldigungen wegen möglichen Missbrauchs geprüft. Bei keiner einzigen davon kam es zu einem Strafverfahren, weil die Fälle entweder verjährt oder die mutmaßlichen Täter schon verstorben waren. Österreichweit dürften sich seit Jahresbeginn mehr als 100 Personen bei Ombudsstellen gemeldet haben.
Neue Fälle in Graz
In Graz sind unterdessen drei neue Missbrauchsfälle bekanntgeworden. In einem Schreiben bestätigte die Diözese Graz-Seckau, dass ein Grazer Pfarrer den Missbrauch eines Jugendlichen gestanden und die Leitung seiner Pfarre sofort zurückgelegt habe. Der Vorfall habe sich bei einer Urlaubsreise vor 20 Jahren ereignet. Über zwei weitere steirische Pfarrer werde intern noch beraten, sagte Diözese-Sprecher Georg Plank zum Standard. (APA, mro, mue/DER STANDARD, Printausgabe, 16. März 2010)