Staatsanwaltschaft

Einlass für die Justiz im Kloster Kremsmünster

15. März 2010 18:45
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    Foto: apa/rubra

    Schon fünf Geistliche des Stiftes Kremsmünster wurden suspendiert - Drei davon werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen - Die beiden anderen sollen Schüler geschlagen haben

Die Missbrauchsfälle im Stift Kremsmünster beschäftigen ab sofort auch die Staatsanwaltschaft - Ein Benediktiner-Pater hat Selbstanzeige erstattet - Bisher wurden im Kloster bereits fünf Geistliche suspendiert

Linz/Salzburg - Man ist sichtlich bemüht, die "Leichen" aus dem Stiftskeller zu holen. Nach dem Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs in der jüngeren, vor allem aber älteren Klostergeschichte, hat jetzt der Abt des Stiftes Kremsmünster, Ambros Ebhart, zwei weitere Patres, gegen die Missbrauchsvorwürfe vorgebracht worden waren, mit sofortiger Wirkung ihrer Ämter enthoben. Damit sind mittlerweile fünf Geistliche des oberösterreichischen Klosters suspendiert.

Und man geht erstaunlich offensiv mit den Vorfällen um, wie ein Blick auf die Homepage des Stiftes zeigt. Dort entschuldigt sich nämlich einer der beschuldigten Klosterbrüder bei seinen Opfern: "Ein Sadist wollte ich nie sein! Wenn ich den entsprechenden Eindruck erweckt habe, tut mir das leid! Ich war leider oft gedankenlos, oft launenhaft und allzu oft unbeherrscht. Dafür möchte ich mich entschuldigen."

Pater: "Hatte Schüler gern"

Der Pater beteuert, seine Schüler "ausnahmslos gern gehabt" zu haben: "Mag sein, dass ich meine Gefühle oft zu wenig, manchmal auch gar nicht - bei anderen Gelegenheiten dann wieder zu deutlich und auf unzulässige Weise gezeigt habe." Online kündigt der Pater auch an, sich "ohne Umwege direkt den staatlichen Behörden" stellen zu wollen.

Vergangene Woche wurden Vorwürfe, die sich in den 1980er- und 1990er-Jahren ereignet haben sollen, gegen drei Patres bekannt. Das geistliche Trio wurde umgehend suspendiert. Sonntag tagte dann im Kloster ein Krisenstab aus Ordensbrüdern und weltlichen Beratern. Danach enthob der Abt zwei weitere Geistliche ihrer Ämter. Er wolle damit ein deutliches Zeichen setzen, "dass mir und der Klostergemeinschaft an einer klaren und transparenten Aufklärung und Aufarbeitung des Geschehenen gelegen ist".

Ansturm auf Ombudsstellen

In Salzburg haben sich indes seit dem Rücktritt des Erzabtes von St. Peter, der den sexuellen Missbrauch eines Buben vor 40 Jahren zugegeben hatte, zehn mögliche Opfer von Übergriffen durch Kirchenvertreter bei der Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs gemeldet. Damit gingen binnen einer Woche beinahe so viele Meldungen ein, wie in der Stelle seit ihrem Bestehen insgesamt, denn seit 2002 wurden in Summe 13 Anschuldigungen wegen möglichen Missbrauchs geprüft. Bei keiner einzigen davon kam es zu einem Strafverfahren, weil die Fälle entweder verjährt oder die mutmaßlichen Täter schon verstorben waren. Österreichweit dürften sich seit Jahresbeginn mehr als 100 Personen bei Ombudsstellen gemeldet haben.

Neue Fälle in Graz

In Graz sind unterdessen drei neue Missbrauchsfälle bekanntgeworden. In einem Schreiben bestätigte die Diözese Graz-Seckau, dass ein Grazer Pfarrer den Missbrauch eines Jugendlichen gestanden und die Leitung seiner Pfarre sofort zurückgelegt habe. Der Vorfall habe sich bei einer Urlaubsreise vor 20 Jahren ereignet. Über zwei weitere steirische Pfarrer werde intern noch beraten, sagte Diözese-Sprecher Georg Plank zum Standard. (APA, mro, mue/DER STANDARD, Printausgabe, 16. März 2010)

Kommentar posten
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vikto1313
16.03.2010 17:49
WENN ICH NICHT SCHON BEIM GROAR AUSGETRETEN WÄRE, WÜRDE ICH JETZT AUSTRETEN!

Durch immer mehr bekannt werdenden Missbrauchsvorwürfen
habe ich gestern mit einer 70jährigen ein längeres Gespräch geführt. Sie hat mir erzählt, dass alleine in unserem Ort in den 50iger Jahren 2 Kinder Selbstmord begangen haben, die in Hollabrunn im katholischen Internat waren. Man wusste nicht WARUM! Jetzt wisse sie es. In einem Abschiedsbrief schrieb einer der Jungen, dass er mit niemanden darüber reden kann. Dies sind sicher nicht die einzigen Fälle. Aus dieser Sichtweise sollte mit den Tätern umgegangen werden. Es wurden Leben, bevor es zu sprießen begann, zerstört. Kinderhände, die nach Liebe griffen, wurden zerdrückt. Viele leben noch immer mit der Last. Manche schon seit 30, 40, 50 Jahren. DAS IST EINFACH NUR TRAURIG! Wie krank is

Rigglerobber
16.03.2010 16:18
Inwiefern "Einlass für die Justiz"?

Ein Kloster ist ja nicht so wie eine ausländische Botschaft ein extraterritoriales Gebiet, wo unsere Justiz kein Zugriffsrecht hat - hab ich da was falsch verstanden oder ist nur die Überschrift missverständlich?

Schlapsi
16.03.2010 12:47
Danke

Dank und Anerkennung an die Redaktion desStandard, dass sie sich nicht an der pauschalen, undifferenzierten und hysterischen Hetze gegen die Kirche beteiligt.

Fonoti
16.03.2010 15:32
In welcher Phantasiewelt leben Sie eigentlich

wenn Sie es als hysterische Hetze empfinden, dass nach Jahrzehnten (Jahrhunderten) des Unterdrückens und Vertuschens abscheulicher Taten endlich ein kleiner Teil davon an die Öffentlichkeit gelangt?

Die Gezeichneten
16.03.2010 14:14

Das ist aber jetzt nicht Ihr Ernst, oder?

Lorelei Sonnenschein
16.03.2010 12:06
...gern haben...

...wenn ich jemande gern habe, belästige ich diesen nicht sexuell bzw. missbrauche diesen...???

sturmy
16.03.2010 11:46
"Hatte Schüler gern" ich habe ein riesen Problem mit dem Pfaffengesäusel, dass nicht aus dem Herzen kommt, sondern aus purem Selbstmitleid und Überheblichkeit, siehe Lackschuhträger Paparatz...

barbarutta
16.03.2010 14:47
selbstbetrug

aufgefallen ist mir "ich hatte AUSNAHMSLOS alle schüler gern".
das ist selbstgetrug. kein lehrer hat alle schüler ausnahmslos gerne, manche sind ihm sogar unsympathisch. aber er sollte das wahrhaben und und er hat die verpflichtung, sich ernsthaft zu bemühen, alle gleich und gerecht zu behandeln - in ständiger selbstreflexion.

Gerhard Schwarz
 
16.03.2010 11:20

"Kirchliche Ombudsstelle" untersucht sexuellen Missbrauch Abhängiger. Das ist so wie wenn ein Komitee der Praterstrizzis mit der Untersuchung des Problems der Prostituton im Stuwerviertel beauftragt würde.

sepp waschnit
16.03.2010 11:18
Sache beruhigt sich langsam

die katholische Kirche setzt auf den Faktor Zeit und das erfolgreich. Die Medien und auch die Poster haben sich zu 90 % ausgetobt. Womit ja eh zu rechnen war.

Bombet
16.03.2010 16:39
Voll daneben...

Das Aufräumen hat erst begonnen; hoffentlich lässt der Druck der Öffentlichkeit nicht nach!

klartextreden
16.03.2010 15:07
>Die Katholische Kirche kann das Missbrauchproblem nicht "Aussitzen",es geht doch um die Sicherheit unserer Kinder!!!<

>Die Kirche beansprucht für sich der oberste Hüter der Moral zu sein, schafft es aber nicht in ihren eigenen Reihen!<
>Zwecks Sicherheit für unsere Kinder muß der Staat eingreifen und entsprechende gesetzliche Maßnahmen setzen!<
>Auch der Klerus der Kirche muß sich der staatlichen Justiz unterwerfen !!!<

Die Gezeichneten
16.03.2010 11:54

Ja, und das ist auch gut so. Die Sache war ja regelrecht ein "Hype" und hat ein derart ungelenktes Eigenleben entwickelt, sodass leider auch viele Unschuldige daran leiden müssen.

Rhodentia
16.03.2010 11:10
Bin schon sehr gespannt,

wann (nicht ob) im Stift Melk "Offenbarungen" ans Tageslicht kommen.
Es wäre Zeit.


Giebenrath unterm Rat
17.03.2010 20:13

Hallo Rhodentia,
ich bin ein ehemaliger "wissender" Konviktist aus dem Stift Melk (88 - 96). Ich weiß von P.G. und P.A.


karel osterhaas
16.03.2010 19:56

Du meinst den jodelnden Frater?

RebelAngel
 
16.03.2010 10:57
bitte

das entschuldigt in Anführungsstriche setzen...in Wahrheit spuckt er ihnen ins Gesicht mit seinen Aussagen!

DerEiserne Felix
16.03.2010 10:43
Hausdurchsuchung vielleicht einmal?

oder wird da zugewartet, bis alle festplatten zemantschkert in der krems liegen?

Argamak de oro
 
16.03.2010 10:41
enttarnender euphemismus

sexuelle übergriffe und gewalt als das "deutliche zeigen von gefühlen" zu bezeichnen ist der gipfel der infamie und verhöhnt die opfer noch im nachhinein. trotz verbalen schuldbekenntnisses fehlt da offensichtlich jegliche schuldeinsicht. fehlt nur noch eine eidesstattliche erklärung, dass man das strafgesetzbuch dem grunde nach respektiert.

the bastardl
16.03.2010 09:59
man sollte das Kloster nachts beleuchten

Fonoti
16.03.2010 15:33
In welcher Farbe: rot?

Raphael Hythlodeus
16.03.2010 11:34
video-überwachung für alle kirchlichen einrichtungen!

karel osterhaas
16.03.2010 19:57
und Ausleuchtung der Beichtstühle

Bax Baxter
16.03.2010 09:54
Will das Stiftsgymnasium seinen Leumund reparieren

oder wird von nun an (d.h. auch nach Abflauen des Medieninteresses) Kindern und Jugendlichen unverzügliche Hilfe geboten, wenn Pädagogen ihre Position mißbräuchlich nutzen? Diese Intervention wünsche ich auch dem Nachwuchs außerhalb der Stiftsmauern in einem Ort, der sich als "am Fuße des Stiftes" deklariert und aus dem sich in den letzten Dekaden wenig bis nichts zu den Gerüchten um "die Stiftler" manifestiert hat

klartextreden
16.03.2010 04:23
>Kirchliche Ombudsstelle=Vertuschungsstelle,also ein Feigenblatt!!!<

>Sinnvoll kann doch nur eine Ombudsstelle außerhalb der Kirche sein!<
Die Kirche beansprucht für sich der oberste Hüter der Moral zu sein. Der derzeitige Ist-Stand ist jedoch katastrophal!
>Wo Lüge zum täglichen Brot wird, verhungert das Gewissen !<

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