Man kann sich auf nichts mehr verlassen - Dabei fing alles so gut an - "Dichand selbst hatte den Wahlkampf geradezu euphorisch mit einer Wahlempfehlung für Rosenkranz im auflagenstärksten Kleinformat des Landes begonnen", erinnert sich Andreas Mölzer
Man kann sich auf nichts mehr verlassen. Dabei fing alles so gut an. Dichand selbst hatte den Wahlkampf geradezu euphorisch mit einer Wahlempfehlung für Rosenkranz im auflagenstärksten Kleinformat des Landes begonnen, erinnert sich Andreas Mölzer mit Wehmut in "Zur Zeit" an Catos Euphorie. Was heißt Wahlempfehlung? Dichand selbst hat Straches Dummy vorweg und taxfrei zur Bundespräsidentin erklärt, und mehr an basisnaher Unterstützung könnte man nicht verlangen - wenn es dabei geblieben wäre. Aber das hielt nur so lange, bis selbst der "Krone"-Herausgeber die Forderung nach einer eidesstattlichen Distanzierung Rosenkranz' von irgendwelchem NS-Gedankengut forderte.
Nicht ganz aus eigenem Antrieb, sondern weil irgendwelches von Rosenkranz vorgetragene NS-Gedankengut sowohl etlichen Abonnenten als auch einigen in der bisher bedingungslos gehorsamen Gefolgschaft des greisen Führers über die Hutschnur ging. Man lernt daraus einiges über die Ungerechtigkeit der Welt. Erklärungen und Distanzierungen von Rosenkranz wurden schlicht und einfach nicht mehr zur Kenntnis genommen, wo hingegen etwa Heinz Fischer diesbezüglich keinerlei Misstrauen entgegenschlägt, wenn er sich von irgendwelchem NS-Gedankengut distanziert. Woran das wohl liegt, ist für einen Mölzer klar. Der Ton, mit dem die anderen etablierten Medien und die übrigen politischen Parteien Rosenkranz kommentieren, ist jedenfalls an Gehässigkeit kaum mehr zu überbieten. Immer geht es gegen die eidesstattlich Anständigen!
Und mit welch schäbigen Mitteln beweist Mölzer am Beispiel des Kardinals. Dem fiel bei seiner Sühne-Pressekonferenz in Sachen Kindesmißbrauch nichts Beßres ein, als einen medialen Befreiungsschlag zu starten, der darin bestand, sich von der freiheitlichen Präsidentschaftskandidatin zu distanzieren. Soviel zur politischen Abstinenz der Katholischen Kirche in Österreich. Diese besteht leider nur darin, sich politisch korrekt und heuchlerisch auf die Seite der Stärkeren zu stellen.
Da konnte der "Krone"-Herausgeber gar nicht mehr anders als sich politisch korrekt und heuchlerisch auf die Seite seines Kolumnisten zu stellen. Ob er nun seine Unterstützung wieder aufnimmt, bleibt abzuwarten, lässt Mölzer noch nicht alle Hoffnung fahren. Klar ist jedenfalls, daß ein relativer Erfolg der freiheitlichen Bundespräsidentschaftskandidatin nur mit einer gewissen Unterstützung durch die "Kronen Zeitung" möglich wird.
Eher jedenfalls als mit deren Ideen sowie ihren Distanzierungen davon. Denn schon hat Dichand einem anderen Favoriten seine Zuneigung geschenkt. Nicht dem amtierenden Bundespräsidenten, so weit geht er nicht, aber immerhin - wenn auch mit einer gewissen Zurückhaltung - dem neuen ÖBB-Chef, wie er Freitag in der "Krone-Live" verriet. Obwohl ich immer schon ein großer Bahn-Fan war, möchte ich mir nicht einbilden, dem neuen Mann, der sicher ein erstklassiger Fachmann ist, Ratschläge erteilen zu können. Aber die Unterstützung der "Krone" kann ich ihm als Bahn-Fan zusagen. Und wenn er für genügend Inserate sorgt, braucht er nicht einmal eidesstattlich zu erklären, dass er sich von allen Zugsverspätungen distanziert.
Nach dem Rückzug Dichands von der erstklassigen Mutter heißt es jetzt aufpassen, dass sich nicht auch Strache vertschüsst. Schon will er nicht mehr auf ein Wahlplakat mit ihr, und Mölzer warnt: Wenn Kritiker einwenden, daß Barbara Rosenkranz die jugendliche Klientel Straches nicht ansprechen könne, darf dies den FPÖ-Parteichef nicht dazu verleiten, sich von Rosenkranz fern zu halten oder gar zu distanzieren.
Genau das tut er aber, wie die "Krone" Sonntag breittrat. Dreimal die Woche schlüpft FPÖ-Chef Heinz Christian Strache in seinen schwarzen Trainingsanzug. Und stemmt dann knapp 90 Minuten in der Edel-Muckibude "Manhattan" am Wiener Donaukanal schwere Gewichte. Haben ihm doch linkslinke Gutmenschen das Paintballestern verleidet. Strache trainiert den Musculus biceps brachii ebenso wie den Musculus rectus abdominis, den geraden Bauchmuskel, kurz "Sixpack" genannt. Blaue Karriereplanung: Von der Disco über die Muckibude ins Rathaus, alles andere ist egal. Tumulte wie jenen um die freiheitliche Präsidentschaftskandidatin nimmt Strache dementsprechend sportlich. Im übrigen wären das alles Themen, an denen er nicht einmal anstreifen wolle. Wenn bis Oktober nur der Schließmuskel durchhält! (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 16.3.2010)