Ashtons Nahost-Reise

Mehr Frieden durch gute Geschäfte

Thomas Mayer, 15. März 2010, 20:41

Die Europäische Union will ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Israel ausbauen, als "Lohn" für einen Friedensprozess mit den Palästinensern

Von allen Aktivitäten, die die neue EU-Außenministerin in den drei Monaten ihrer Amtszeit gesetzt hat, ist ihre erste Reise nach Israel und benachbarte Staaten in der Region die bei weitem heikelste: Zum einen tritt Catherine Ashton in die Fußstapfen ihres diesbezüglich angesehenen Vorgängers Javier Solana. Sie muss erst noch beweisen, dass sie über ähnliches Fingerspitzengefühl verfügt wie der Spanier. Dieser hatte sich im Nahen Osten und gegenüber dem Iran zehn Jahre diplomatisch immer ganz besonders engagiert.

Zum anderen ist die Britin Ashton EU-intern seit Wochen in der Dauerkritik. Die Staaten werfen ihr vor, parteiisch zu sein, dass es ihr nicht gelinge, die vielen einander widerstrebenden Interessen in der Union zu bündeln. Dazu kommt, dass die Lage in Israel nach der Ankündigung des Baus von 1600 Wohnungseinheiten in Ost-Jerusalem und das Verhältnis zu den USA derzeit besonders angespannt ist (siehe Seite 3). Kanzlerin Angela Merkel spricht von einem "schweren Rückschlag".

Jedes Wort Ashtons auf ihrer viertägigen Reise, die sie in Ägypten begonnen hat und die am Mittwoch in Israel nach Zwischenstopps in Syrien, Libanon und Jordanien beenden wird, wird also auf die Goldwaage gelegt werden. Dass sie den Nahen Osten besucht, hängt mit dem Wunsch der EU-Staaten zusammen, sich nach Jahren der Zurückhaltung und der Unentschiedenheit wieder stärker um die Aufnahme eines Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern zu bemühen, der mit der Gaza-Offensive 2008/2009 komplett zum Stillstand gekommen war. "Wir können nicht ewig warten", hatte es beim EU-Außenministertreffen in Córdoba vor einer Woche geheißen, als darüber beraten wurde, wie man das - auch von den USA verfolgte - Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung für Israelis und Palästinenser konkret in Angriff nehmen könne: Ashtons erste Absicht wird es also sein, der israelischen Regierung die Aufnahme direkter Gespräche mit den Palästinensern schmackhaft zu machen.

Erstaunlich war die Direktheit, mit der die EU-Außenministerin ansprach, wie sie die Sache in Jerusalem angehen wolle. Bei einem Vorbereitungstreffen in Finnland sagte sie: "Wir sind ein riesiger Lieferant von Hilfsgeldern in diese Region. Wir haben starke Handelsbeziehungen zu Israel, und Israel will diese Beziehungen zu uns ausbauen. Unser Ehrgeiz ist nun, dass sie wissen, dass die Lösung in einem ausverhandelten Friedensabkommen liegt". Nach Auffassung der Union müsse das "jetzt und rasch" erfolgen. So werde man in der Lage sein, die wechselseitigen Beziehungen heute und in der Zukunft auszubauen, erklärte die EU-Außenministerin in Anspielung auf ein Wirtschaftsabkommens mit Israel.

Wie schwierig es ist, den Dialog in Gang zu bringen, zeigte sich für Ashton bereits bei der ersten Station in Kairo: Außenminister Ahmed Gheit forderte die Union nach einem Gespräch mit ihr auf, keine weiteren Importe aus jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland mehr zuzulassen. Die Europäer sollten den Druck auf Israel erhöhen und sie spüren lassen, dass sie "einen Preis zahlen müssen für ihr Verhalten".

Ashton betonte demgegenüber, dass sie "fest entschlossen" sei, am Friedensprozess festzuhalten. Dazu gäbe es keine Alternative. Und zugleich kritisierte sie Israel in Kairo scharf: "Die EU-Position ist klar: Die Siedlungen in den besetzten Gebieten sind illegal." Der weitere Ausbau auch in Ostjerusalem bedrohe den Friedensprozess: "Die jüngsten Entscheidungen der israelischen Regierung gefährden die Aufnahme von indirekten Gesprächen mit der palästinensischen Seite."(Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Printausgabe 16.3.2010)

Wissen:

EU-Aktionsplan: Die EU ist der größte Geber für die Palästinensergebiete - was ihr nicht nur Dankbarkeit, sondern manchmal auch den Vorwurf einbringt, sie würde die Israel als Besatzungsmacht zukommenden Pflichten übernehmen und so indirekt Israels Besatzung finanzieren. Das Engagement der EU basiert auf dem so genannten "Action Plan" , in dem die umfangreiche politische und wirtschaftliche Kooperation festgelegt wird. In den vergangenen Jahren wurde das Instrument "Pegase" entwickelt, das der EU erlaubt, auch dem von der Hamas regierten Gazastreifen finanzielle Hilfe zukommen zu lassen, ohne direkt mit der Hamas zu kooperieren. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
Fraho
01
19.3.2010, 07:53
wie wäre es umgekehrt

.und die EU gibt den Palästinensern im Gazastreifen und Westbank das Geld um dort die Menschen (oder sind das keine?) zu beschäftigen und zu befrieden.
Das glaubt doch niemand dass sich die Israelis mehr um die Unterdrückten kümmern, wenn man ihnen das Geld nach schmeißt?

()
00
19.3.2010, 07:26
Der Sieg des Kapitals über den Rechtsstaat

wwelv folig
22
16.3.2010, 18:22
ICH LIEBE DIE EU!

Sie hat uns allen ein tolles Leben beschert, noch nie war soviel platz am Arbeitsmarkt, noch nie waren Grundnahrungsmittel so billig wie heute, noch nie hat jemand auf den tisch gehaun und gesagt ihr müsst die glühbirnen wegschmeißen und nur noch sparlampen verwenden.

Ich habe mich verliebt, in unser schönes Europa, ich strotze vor harmonie und gelassenheit.

Ich würde gerne für die armen Griechen aus unserem hohen staatsgeld einige hundert milliarden euros locker machen, uns gehtz doch eh sooo gut seit dem EU beitritt!

Bumo1
10
17.3.2010, 08:07
bis auf den letzten Absatz stimme ich voll zu ...

aber wie kommen sie auf die Sache mit Griechenland?

Passt irgendwie nicht zu ihrer hoch intelligenten und durchdachten Einleitung

auchnixzusagen
41
16.3.2010, 18:36

Sie schon wieder...

Sie wollen also so schnell wie möglich einen Austritt aus der EU, auch wenn Sie mir sicher nicht erklären können, wie sich kleine Nationalstaaten in der Globalisierung behaupten können.
Aber anstatt soviel Energie in negative Postings zu stecken, nutzen Sie doch lieber die neuen Möglichkeiten des Lissabon-Vertrags. Der macht nämlich Bürgerbegehren möglich, auch solche, die einen Austritt wollen. Also lancieren Sie eine Initiative, tun Sie was und erzwingen Sie die Abstimmung. Oder wollen Sie am Ende gar nicht so wirklich austreten?

Aber Sie granteln wahrscheinlich weiter lieber auf der Couch, weil das mehr Ihrem verzagten Naturell entspricht.

Fraho
00
19.3.2010, 07:56
nämlich Bürgerbegehren möglich?

....wie sollten da über 1 Mill. Stimmen zusammen kommen, wenn jedes Land auf Nationalstolz setzt?
Was passiert wenn 1 Mill. beisammen sind? Die Kommission sagt dann : was ist schon 1 Mill bei 500 Mill.

theMightyDaFa
00
17.3.2010, 19:38
ROFELKARTOFFEL...

... Bürgerbegehren ?? das is wohl nen witz? geben sie mir nen paar millionen euro damit ich da genug werbung dafür machen kann??

p c2
00
17.3.2010, 12:39
auch wenn Sie mir sicher nicht erklären können, wie sich kleine Nationalstaaten in der Globalisierung behaupten können.

wieso soll er was dazu sagen?
schauen sie sich doch einfach um.

wwelv folig
00
16.3.2010, 19:08
btw

wird alles bereits getan...aber du bist ja so gut informiert und weißt das ja bestimmt..

http://eu-austritt.blogspot.com/

wwelv folig
11
16.3.2010, 18:52
ach, was sie nicht alles so wissen...

sind sie mike shiva?

zimbo
 
00
16.3.2010, 11:47
Schaut nach einer Hinhaltetaktik aus.

Man will halt die arabische Liga nicht vergraulen, wenn man Usrael begünstigt, und gegen den Iran Krieg führen will.

tom krishan1
 
03
16.3.2010, 11:04

da kann man mal sehen, wie die eu nicht nur an der realität vorbei und nach wie vor auf einem auge blind, nicht mal zeitaktuelle entwicklungen registriert, geschweige denn, darauf reagiert.

dieses eu aussenamt scheint genau das zu repräsentieren, was die eu ist, nämlich ein riesiger wasserkopf in form eines beamtenapperats, der von einer mafiösen und undemokratischen kommissions- rige zentralistisch gesteuert wird.

abgesehen davon, würde ich mal aus dem bauch heraus sagen, das mind. 70% der eu bürger sich durch eine israel begünstigte wirtschaftspolitik nicht vertreten fühlen dürfte.

Christoph ************
00
16.3.2010, 19:03

Wie sich die Zeiten ändern. Vor 30 Jahren wäre das selbe noch über Wien gesagt worden. Brüssel ist wohl das neue Wien... Wien wird sich freuen.

NONE
24
16.3.2010, 11:01

Die EU agiert verlogen.

Anstatt Geschäfte auszubauen gehören Sanktionen her.

Aber im Iran sieht man das Profite wichtiger sind.

Ich hoffe nur das diese Lügen endlich aufhören - man kann nicht gleichzeitig mit einem Apartheid-Regime verhandeln, von Menschenrechten reden und munter Geschäfte machen. Das ist doch wirklich verlogen.

Raptor Jesus
60
16.3.2010, 09:40
Das ist Schwachsinn

Welcher Geschäftsmann lässt sich Gelegenheiten für gute Geschäfte entziehen?
1. Israel ist recht zuverlässig, im Gegensatz zu anderen.
2. Wer nimmt den Papiertiger EU ernst? Wer soll es ernster nehmen, wenn diese sich durch Ashton repräsentativ vertreten lässt?

1116er
00
16.3.2010, 09:36
lassen wir uns von fr. ashton überraschen!

manchmal ist es vielleicht sogar gut, wenn eine nobody etwas versucht. denn die diplomaten und etablierten politiker haben ja im verlauf von jahrzehnten bewiesen, dass sie in dieser frage nicht mal zum krenreiben taugen!

jedenfalls habe ich schon seit ewigkeiten keinen spitzenpolitiker derart klartext sprechen gehört.
hoffentlich hält sie's aus (und durch), die ashton!

DieBo
18
16.3.2010, 09:15
"Mehr Frieden durch gute Geschäfte" Tolle Idee. Warum verfährt man nicht auch mit dem Iran so?

why not
51
16.3.2010, 10:35

Eine fundamentalistische Diktatur kann man nicht mit "Geschäften" zu etwas bewegen, ausserdem hat der Iran nichts zu bieten für "Geschäfte".

p c2
00
17.3.2010, 12:49

doch, doch.

über 80mrd infrastruktur projekte mit china.

und genau das ist eines der probleme. gäben sie diese summen bei us-companies aus, wäre alles nur noch halb so schlimm.

denn dann würde man erst die projekte fertigmachen, kassieren und erst dann wieder zusammenschiessen.

Fritz Meyer
13
16.3.2010, 12:06
Wissen Sie sonst noch irgendwas über das Land?


Hier mal ein paar interessante Informationen:

http://www.ipicture.de/daten/wir... _iran.html

Bodenschätze: Petroleum, Erdgas, Kohle, Chrom, Kupfer, Eisenerz, Mangan, Zink, Schwefel

Völlig uninteressant, nicht wahr?

Aber, nein, da sitzt ja so eine böse, böse Regierung drauf. Völlig undenkbar, mit denen zu handeln!

"Wir" handeln viel lieber mit Saudi Arabien, China usw.

Der Iran passt nur manchen Grossmächten und ihren angeheuerten Propagandisten derzeit viel zu gut ins Feindbild, nicht wahr?

Nicht dass ich persönlich an "Wandel durch Handel" glaube. (Siehe Saudi Arabien, China usw.)

Fritz Meyer.

Simplicius Simplicissimus
16
16.3.2010, 08:49
Frieden für bessere ...

... Geschäfte? eine bessere Erpressung ist: erst Friede, und Verbot von Uranmunition, dann Geschäfte.

luquas
11
16.3.2010, 05:45

Ist jetzt zwar Themaverfehlung, aber warum sollte eine Britin die Einheit Europas nach außen vertreten können? DAS werden sich die Israelis im Übrigen sicher auch denken...

Cyber Motzer
12
16.3.2010, 00:06
das hat die letzten 50 Jahre nicht

funktioniert, auf ein MAL ???

Christoph ************
16
16.3.2010, 00:50

Vor 50 Jahren konnte man nicht einmal so einfach außerhalb Österreichs arbeiten. Da musste man selbst für Konstanz eine unausgelastete Facharbeiterquote um eine Arbeitserlaubnis zu ergattern. Von der Bürokratie in solch einem Fall gar nicht zu sprechen.

Wenn man jemanden vor 40 Jahren erzählen würde was man in Europa jetzt alles kann, würden die wohl einen für verrückt erklären.

()
00
19.3.2010, 07:27
studieren konnte man auch nicht so leicht im ausland

und was haben wir jetzt davon?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.