Ab 1. Jänner 2011 gibt es ein enges Netz an Doppelbesteuerungsabkommen, das für Steuersünder Hürden aufbaut
Ab 1. Jänner 2011 gibt es ein enges Netz an Doppelbesteuerungsabkommen,
das für Steuersünder Hürden aufbaut. Laut Experten denken daher viele
daran, ihr Geld heuer via Selbstanzeige ins Land zu holen.
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Wien - Wer im Ausland Geld verwaltet, sollte dieses bald heimholen. "Die Zeit ist reif dafür" , sagte Christoph Kraus, Vorstand der Kathrein-Privatbank, angesichts von Steuer-CDs, Datenaustausch und Doppelbesteuerungsabkommen und relativ günstiger Kapitalbesteuerung in Österreich. Es gebe derzeit niemanden mit Vermögen im Ausland, der eine Rückholung nicht zumindest überlege, sagte Kraus. Um wie viele Personen oder wie viel Kapital es sich dabei handelt, könne nicht genau gesagt werden.
Die in einer Studie des Schweizer Unternehmens Helvea genannten Zahlen über in der Schweiz veranlagte Gelder aus Österreich im Ausmaß von 14 Mrd. Euro, davon zwölf Mrd. Euro nicht versteuert, bezeichnet Bank-Vorstand Heinrich Weninger als "äußerst vorsichtige Schätzung" , mehr als das Doppelte dieses Betrags sei "nicht unrealistisch" .
Rückholung per Selbstanzeige
Für die Rückführung des Geldes nannte Weninger in einer Pressekonferenz am Montag zwei Wege: Entweder der Staat ruft, wie etwa in Belgien oder Italien, eine Steuer-Amnestie aus - daran glauben Experten derzeit aber nicht. Dann würde für Steuersünder beim Geld-Transfer nämlich nur ein Pauschalsatz als Strafe fällig. Oder man bringe das Geld via Selbstanzeige heim. In so einem Fall würde eine individuelle "Strafsteuer" errechnet - die meist zwischen fünf und zehn Prozent des Portfoliowertes liege. Würde auch nur rund die Hälfte des vermuteten Vermögens - also zehn bis 15 Mrd. Euro - zurückgeführt, könnte damit auch im Staatshaushalt ein größeres Loch gestopft werden.
Obwohl bei einer Selbstanzeige keine weiterführende Strafe droht, ist dieses Instrument bisher noch eher ungenutzt geblieben. Bis Mitte Februar haben heuer laut Finanzministerium nur zehn Personen dieses Mittel ergriffen. "Die Anfragen haben verglichen mit 2009 aber sprunghaft zugenommen" , erklärt Friedrich Fraberger, Partner bei KPMG. Viele Selbstanzeigen seien derzeit in Vorbereitung, "da wird noch einiges folgen" , sagt der Steuerexperte zum Standard. Auch beim Wirtschaftstreuhänder Hübner&Hübner glaubt man an eine wachsende Zahl von Selbstanzeigen. "Sie wird aber nicht unendlich stark ansteigen, und das wird keinesfalls das Budget sanieren" , sagt Klaus Hübner. In Deutschland wird erwartet, dass die Zahl der Selbstanzeigen Ende März die Schwelle von 10.000 überschreitet.
Der Druck zu agieren wird größer, je näher der 1. Jänner 2011 rückt. Dann werde es ein relativ engmaschiges Netz an ratifizierten Doppelbesteuerungsabkommen geben, hält Kathrein-Vorstand Weninger fest.
Diversen "herumschwirrenden" Rückführungs-Tipps können die Kathrein-Experten wenig abgewinnen. Genannt werde etwa, das Geld einfach nach Österreich zu überweisen. In diesem Fall müsse das Vermögen sieben Jahre unangetastet bleiben und auch sonst dürfe nichts passieren, was die Steuerbehörde auf den Plan ruft. Von der hie und da kolportierten Idee, ausländisches Vermögen in eine inländische Stiftung einzubringen rät Weninger ab: "Bei so einer Empfehlung sollte man sich besser gleich die Haftpflichtversicherung des Beraters anschauen." (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.03.2010)